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28.01.2003

07:56 Uhr

Aktie unter der Lupe

Strategie von Teles überzeugt Analysten

VonChristian Schnell

Trotz Börsenflaute hat sich der Kurs der Teles-Aktie im letzten Halbjahr verdoppelt. Doch damit nicht genug: Auch für 2003 verspricht der Berliner Internet-Dienstleister hohe Zuwächse.

FRANKFURT/M. Es klingt kurios: War die Aktie des Berliner Internet-Dienstleisters Teles zu den Hochzeiten des Neuen Marktes im Jahr 2000 bei den Anlegern wegen etlicher verfehlter Prognosen, sprunghafter Strategiewechsel und einer katastrophalen Informationspolitik verpönt, so schaffte sie gerade im sehr schlechten Börsenjahr 2002 einen Imagewandel um 180 Grad. Während sich der Nemax All Share seit dem vergangenen Sommer halbiert hat, konnte die Teles-Aktie seither ihren Kurs verdoppeln. Das bestätigten auch die vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Jahr. Teles kehrte schneller und vor allem deutlicher in die schwarzen Zahlen zurück als von vielen Analysten erwartet worden war.

Auch für die Zukunft sind die Analysten optimistisch. Felix Ellmann von der Hamburger SES Research stufte den fairen Wert der Aktie nach den jüngsten Zahlen auf 5 Euro hoch und empfiehlt das Papier zum Kauf. Nachdem im vergangenen Jahr voraussichtlich ein Umsatz von 70,37 Mill. Euro bei einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 5,30 Mill. Euro erzielt wurde, soll der Umsatz 2003 auf 82,12 Mill. Euro (plus 16,67 %) und das Ebit auf 9,84 Mill. Euro (plus 85 %) steigen.

Das Unternehmen selbst , das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, ist sogar noch etwas optimistischer. Ein Umsatzplus von 20 % bei einer Ebit-Steigerung von über 120 % sind geplant. Der Wandel hin zu einer Ebit-Marge von jetzt 7,5 % und den für 2003 erwarteten rund 14 % ist bei Teles vor allem das Ergebnis einer erfolgreichen Restrukturierung. Besonders von den margenschwachen Bereichen haben sich die Berliner getrennt. "Struktur und Produktportfolio wurden sehr gestrafft", sagt Norbert Kretlow von Independent Research. Wie Ellmann rät auch er zum Kauf der Aktie. Grund dafür ist die konsequente Ausrichtung hin zu Internet-Mehrwertdiensten. Im Teilbereich Webhosting werden beispielsweise inzwischen über 2 Mill. Domains verwaltet, womit man einer der Marktführer ist.

Wachstumsbringer ist jedoch der angestammte Geschäftsbereich Telecommunication Systems (TCS). Hier bietet Teles Infrastruktur-Teilsysteme an, die nach Ansicht von Analysten vergleichbaren Systemen großer Namen wie Alcatel, Ericsson, Siemens oder Lucent durchaus ebenbürtig sind. "Das Problem in der Vergangenheit lag jedoch darin, dass Teles keine Zertifizierung als Carrier Grade hatte", sagt Norbert Kretlow. Zudem kam es wegen der starken Marktbereinigung zum Wegfall etlicher Kunden. Inzwischen verfügt Teles über diese Zertifizierung von den Netzanbieter, zudem blühen auch die kleinen Anbieter wieder auf.

Sigram Schindler, Gründer, Vorstandschef und Mehrheitsaktionär, führt den Erfolg von TCS gegen den allgemeinen Markttrend vor allem darauf zurück, dass die Betriebs- und Wartungskosten der Betriebsanlagen bis zu 80 % günstiger sind als jene der Konkurrenz. "Die neue Generation der Unternehmer rechnet mit spitzem Bleistift", sagt er. Inzwischen seien die Systeme in rund 50 Netzen in über einem Dutzend Ländern vertreten.

Für Schlagzeilen sorgte Teles zuletzt wegen einer Klage gegen die Deutsche Telekom. Wegen angeblicher Verletzung von Patentrechten bei den schnellen DSL-Anschlüssen hat Teles im August Klage eingereicht, nachdem beide Unternehmen vor etwa einem Jahr noch ein Joint Venture in diesem Geschäftsbereich verkündeten. Am vergangenen Freitag war der erste Gerichtstermin in Mannheim. Entscheidungen gibt es noch keine, trotzdem stimmt Schindler der Verlauf des ersten Prozesstages zuversichtlich. "Es ist für uns sehr gut gelaufen", sagt er.

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