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29.01.2001

19:02 Uhr

Aktie unter der Lupe

Travel24 setzt auf Technologie-Joint Venture mit Lufthansa Systems

VonANDREAS LAUTZ

Seit Anfang Januar hat sich der Aktienkurs des Online-Reisebüros Travel24 mehr als verdoppelt. Ein Grund dafür ist die Nachricht, dass das Unternehmen mit der Lufthansa Systems GmbH ein Joint Venture im Bereich E-Business gründen will. Es bleiben jedoch Zweifel, dass die Kurserholung von Dauer ist.

HB DÜSSELDORF. Es gibt sie noch, die Überraschungen am Neuen Markt. Seit Anfang Januar hat sich der Wert der Aktie des Online-Reisebüros Travel24 von gut 3,00 Euro bis auf 7,60 Euro mehr als verdoppelt. Zuvor ging es immer nur bergab, angefangen bei 29 Euro am Tag der Erstnotierung im März 2000. Analysten raten jedoch, vorsichtig zu bleiben.

Mit der Bekanntgabe der Neunmonatszahlen im November vergangenen Jahres schaffte es die Firma noch nicht, die Phantasie der Anleger anzuregen. Der Umsatz erhöhte sich gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr um 323 % auf 8,877 Mill. DM, der Fehlbetrag auf 19,4 Mill. DM.

Auftrieb erhielt die Aktie in den zurückliegenden zwei Wochen vor allem durch zwei Nachrichten. Zum einen will Travel24 zusammen mit Lufthansa Systems ein gemeinsames Tochterunternehmen gründen. Außerdem teilte das Management des Online-Reisebüros mit, dass es eigene Aktien bis zu 10 % des Grundkapitals zurückzukaufen wird. Das Unternehmen sei auf dem derzeitigen Niveau "nicht angemessen bewertet". Zum Vergleich: Der ebenfalls am Neuen Markt notierte direkte Wettbewerber Ebookers erzielte in den ersten drei Quartalen 2000 über 30 Mill. US$ Umsatz. Die Aktie wird an der Börse mit nur 4,90 Euro bewertet.

Travel24 will in das geplante Unternehmen ihre im August 2000 akquirierte Tochtergesellschaft Buchungsmaschine AG einbringen, die dem Joint Venture auch den Namen gibt. Buchungsmaschine ist ein Spezialist für Software für die internetgestützte Buchung von Flügen und Reisen. Die Lufthansa will sich mit 50 % beteiligen.

Travel24 erhofft sich von dem gemeinsamen Unternehmen große Fortschritte im Geschäft mit den von der Buchungsmaschine AG entwickelten Internetapplikationen. "Mit Lufthansa im Boot werden wir unserer Buchungssysteme noch besser vermarkten können", erklärte ein Sprecher von Travel24. Aus Sicht von Lufthansa stellt sich das Joint Venture dagegen nicht sonderlich spektakulär dar. Gegenüber Handelsblatt.com sagte Markus Orth, Geschäftsführer der Lufthansa E GmbH, -Business dass die Kooperation eine reine Technologiepartnerschaft sei. Das Onlineprodukt "Infoflyway" der Deutschen Lufthansa, mit dem man ein Rundum-Paket anbiete, werde dadurch nicht berührt.

Michael Benedikt von Julius Bär sieht das Geschäftsmodell von Travel24 denn auch nach wie vor skeptisch. Die Kraft der Marke Lufthansa habe der Aktie sicherlich geholfen. "Es dürfte für Tavel24 dennoch schwierig sein, sich als reines Online-Reisebüro zu behaupten." Es gebe im Internet immer mehr Seiten, auf denen man Flugtickets und Reisen buchen könne. Zudem drängten die europäischen Fluggesellschaften selbst mit "geballter Macht" in den Vertriebskanal Internet. Noch in diesem Jahr will die Lufthansa gemeinsam mit acht anderen europäischen Fluglinien ein eigenes so genanntes Online Travel Portal starten.

Zudem entwickelt sich das Internetgeschäft mit Reisen viel langsamer als erwartet. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung erzielte der Internethandel in Deutschland im Oktober 2000 lediglich einen Gesamtumsatz von 676 Mill. DM. Nur 4,3 % davon entfielen auf Reiseprodukte.

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