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13.01.2003

09:35 Uhr

Aktie unter der Lupe

Web.de – Wohl dem, der in den TecDax aufrückt

VonChristian Schnell

Der 11. Februar ist für das Karlsruher Internet-Portal Web.de ein ganz wichtiges Datum: Dann nämlich entscheidet der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, wer in den neu zu bildenden TecDax aufgenommen wird.

FRANKFURT/M. Die Chancen, dass Web.de künftig zu den 30 bedeutendsten Tech-Werten an der Deutschen Börse gezählt wird, stehen nicht schlecht. Im Bereich Marktkapitalisierung kann Web.de bestens mithalten, nur bei den Börsenumsätzen hapert es im Moment noch.

Nun ist das künftige Wohl oder Wehe von Web.de zwar nicht in erster Linie von der Zugehörigkeit zum TecDax ab. Sie würde dem seit einem Jahr andauerndem Konsolidierungskurs des Internet-Portals aber das berühmte "i-Tüpfelchen" aufsetzen, glauben viele Analysten. Wichtiger ist für sie indes, dass die Karlsruher nach dem sehr schwierigen Jahr 2001, in dem mehr Verlust als Umsatz eingefahren wurde, seit dem vierten Quartal 2002 operativ schwarze Zahlen schreiben. Das hatte Web.de zwar stets so angekündigt, geglaubt hatten es wegen des schlechten Image der Internet-Branche jedoch nur wenige. Erst als sich im Frühsommer vergangenen Jahres abzeichnete, dass Web.de seine Kosten in den Griff bekommt, wendete sich auch das Blatt bei den derzeit noch acht Analysten, die den Wert covern. Am positivsten sind derzeit Joachim Koller vom Bankhaus Merck Finck & Co. ("kaufen") und Ilaria Magagnoli von Credit Suisse First Boston ("outperform") gestimmt.

Web.de Vorstand Matthias Hornberger sieht sich auf dem richtigen Weg. Schließlich wird die Internet-Branche von den Investoren heute nicht mehr wie noch vor einem Jahr von vornherein mit einem gewissen Vorbehalt betrachtet. Vielmehr suchen sie nach Unternehmen, die es geschafft haben, sich ein gewisses "Alleinstellungsmerkmal" und damit ein erkennbares Profil im Markt zu erarbeiten. Web.de hat dies inzwischen erreicht.

Mit klassischer Bannerwerbung, E-Commerce und so genannten Digitalen Diensten, bei denen der Nutzer für die Bereitstellung beispielsweise von SMS-Diensten, Klingeltönen oder eines digitalen Lotto-Service bezahlt, verdienen die Karlsruher ihr Geld. Vor allem die Digitalen Dienste, die heute bereits über 40 % zum Gesamtumsatz beitragen, entpuppen sich inzwischen als lukrative Größe. Rund 8 % aller Deutschen zwischen 14 und 69 nutzen bereits mindestens einmal wöchentlich das Angebot von Web.de. Diese Zahl überrascht vor dem Hintergrund, dass Web.de kein Internet Service Provider (ISP) wie beispielsweise T-Online ist, der bei Kunden bereits deswegen gefragt ist, weil er den Zugang zum Netz anbietet.

Mit dem Produkt Com.Win 1.0 erweiterte Web.de im Oktober 2002 sein Geschäftsmodell um den Bereich Internet-Telekommunikation. Konkret geht es dabei um die Verbindung zwischen Internet und dem Mobil- und Festnetz. Dadurch werden alle Arten der modernen Kommunikation möglich - gemeinsame Bearbeitung und Austausch von Dokumenten, Videokonferenzen oder Emails, die der Empfänger bereits lesen kann, während sie geschrieben werden. Auch das Telefonieren soll dadurch bis zu 70 % billiger werden, verspricht Web.de. Das Unternehmen selbst sieht sich in den nächsten 10 Jahren bereits auf dem Weg zum größten Internet-Kommunikationsunternehmen der Welt.

Finanziell soll das Jahr 2003 das positive Ergebnis bringen, das Web.de zum Börsengang vor knapp drei Jahren angekündigt hatte. Zudem rechnen alle Analysten, die sich mit Web.de befassen, in diesem Jahr mit einem satten Umsatzplus. Langfristig strebt Matthias Hornberger eine Ebit-Marge von 15 % an. Dazu soll auch die Expansion ins Ausland beitragen, die in diesem Jahr erstmals geplant ist. "Wir wollen aber nicht die eigene Marke exportieren, sondern unsere Technologie", sagt Hornberger. Außerdem soll es bei passender Gelegenheit zu einer Akquisition im Bereich Technologie kommen. Die nötigen finanziellen Mittel hat Web.de: Sie haben immer noch annähernd 100 Mill. Euro in der Kasse.

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