Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2001

19:00 Uhr

AKTIE UNTER DER LUPE

Wenig Kurspotenzial bei BMW

Bei BMW geht es ruhiger zu. Nach der spektakulären Trennung von Rover im vergangenen Jahr sind in den nun folgenden zwölf Monaten deutlich weniger schlagzeilenträchtige Meldungen des bayerischen Automobilherstellers zu erwarten. Für Anleger bedeutet das allerdings auch weniger Kurspotenzial nach oben.

zel DÜSSELDORF. Die Träume vom Weltkonzern sind geplatzt, nach dem schmerzlichen Verkauf von Rover konzentriert sich BMW wieder auf sein Kerngeschäft mit Ober- und Luxusklasse-Fahrzeugen. Im vergangenen Jahr hat der Rover-Abschied entscheidend dazu beigetragen, dass sich die BMW-Aktie im Gegensatz zu den meisten anderen Automobiltiteln deutlich nach oben entwickeln konnte. Anleger freuten sich zum Jahresende über einen Kursanstieg von mehr als 25 % gegenüber Januar 2000. Die Rover-Risiken sind beseitigt, das lästige und verlustreiche Abenteuer von BMW auf der britischen Insel ist zu Ende gegangen.

Doch die Erfolgsgeschichte aus dem gerade abgeschlossenen Jahr wird sich in 2001 mit ziemlicher Sicherheit nicht wiederholen. Schon in den letzten beiden Monaten des vergangenen Jahres musste das BMW-Papier deutlich Federn lassen: Das Jahreshoch von fast 42 Euro war in weite Ferne gerückt, der Münchener Automobilhersteller musste sich an der Börse mit vergleichsweise bescheidenen 33 Euro zufrieden geben. Am Dienstag hat die BMW-Aktie immerhin schon wieder die Marke von 35 Euro überschritten.

Für die Finanzwelt steht nahezu zweifelsfrei fest, dass die BMW-Aktie auch im neuen Jahr keine besonders großen Sprünge mehr machen wird. Normalität ist in der Münchener Konzernzentrale eingekehrt, einen der Rover-Krise vergleichbaren Fall wird es dort so schnell nicht mehr geben.

Jürgen Pieper, Automobilanalyst beim Bankhaus Metzler in Frankfurt, hält auf Jahresfrist einen leichten Anstieg auf 37 Euro für wahrscheinlich. Aus seiner Sicht ist das ein "fairer Wert". Zum Jahresende sei BMW wegen der zu erwartenden Abschwächung des US-Marktes unnötig scharf abgestraft worden. Nur die großen amerikanischen Automobilkonzerne müssten sich derzeit in den USA größere Sorgen machen, deutsche Hersteller wie BMW seien von einer möglichen Absatzkrise nicht betroffen.

"Für risikoscheue Anleger ist BMW ideal"

Pieper hält an seiner Empfehlung fest, den BMW-Titel im Portfolio zu halten. Im ersten Halbjahr werde es bei den Münchenern vergleichsweise ruhig zugehen, die wichtigen Produktneuerungen wie Mini und 7er-Baureihe seien erst im letzten Quartal zu erwarten. Der neue 7er-BMW löse positive Ergebnisse auf der Ertragsseite aus, den neuen Mini hält Pieper hingegen zunächst für einen Verlustbringer. Wegen des schwächeren Dollar-Kurses werde es zudem kaum zusätzliche Währungsgewinne geben, "vielleicht bleibt davon auch gar nichts mehr."

Für Erik Burgold von der BHF-Bank fällt die "Halten"-Empfehlung sogar noch ein wenig zu positiv aus - er rät entsprechend zum "Verkauf". Das aktuelle Kursniveau bezeichnet der Automobilspezialist als zu hoch, zum Jahresende rechnet er mit einem Wert von etwa 29 Euro. Zudem gebe es derzeit kaum noch Hinweise darauf, dass die Quandt-Familie als wichtigster BMW-Anteilseigner (fast 50 %) an einen Verkauf ihres Aktienpaketes denke. Für spekulative Anlageentscheidungen gebe es demnach derzeit keine Veranlassung.

Burgold sieht trotzdem keinen Grund dafür, bei BMW schwarz zu sehen. "Die richtigen strategischen Entscheidungen sind getroffen worden", glaubt der BHF-Analyst. Mit der Konzentration auf die Kernmarke BMW sei das Münchener Automobilunternehmen auf Dauer abgesichert. Fusionen wie das Beispiel Daimler-Chrysler zeigten, wie problematisch und zweifelhaft Zusammenschlüsse dieser Größenordnung dieser Art ausfielen. BMW sei daher "langfristig gut positioniert". 2001 werde unter Anlagegesichtspunkten das erwartete ruhigere Jahr, von 2002 an und den Folgejahren sorgten neue Modelle dann wieder für mehr Bewegung.

"2001 wird nicht so spektakulär wie 2000", folgert auch Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank in München. Die kommenden zwölf Monate verliefen für den Automobilhersteller "in ruhigeren Bahnen", was aber keinesfalls mit einer Verschlechterung verbunden sein müsse.

BMW ist aus Sicht von Aktienanalyst Stürzer besonders attraktiv für Anleger, die sich im Automobilbereich engagieren wollten, aber die großen Risiken scheuten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×