Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.03.2003

15:54 Uhr

Aktien brechen ein

Riesenloch bei Swiss Life

Ein sehr niedriges Finanzergebnis, Verluste im Schweizer Geschäft und außerordentliche Abschreibungen führten bei Swiss Life zu einem Rekordverlust von rund 1,7 Milliarden sfr, teilte die Gesellschaft am Donnerstag mit. 2001 belief sich der Verlust auf 115 Millionen sfr.

Reuters ZÜRICH. In diesem Jahr strebt Swiss Life laut Konzernchef Rolf Dörig die Rückkehr in die Gewinnzone an. Am mittelfristigen Ertragsziel einer Eigenkapitalrendite (ROE) von 10 Prozent hält Rentenanstalt fest, sagte Dörig zu Reuters. "Es sind sicher noch große Anstrengungen notwendig, vor allem im Bereich der Effizienzsteigerung. Aber wir glauben nach wie vor, dass wir mittelfristig, bis 2005 oder 2006, ein ROE von 10 Prozent erreichen können," so Dörig.

Anleger reagierten negativ

An der Börse brachen die Swiss Life-Aktien zeitweise über 11 Prozent ein und markierten mit 60,50 sfr ein neues Allzeittief. Gegen 15.00 Uhr notierten die Titel noch um 7,9 Prozent tiefer bei 62,75 sfr. Der Gesamtmarkt tendierte 0,3 Prozent leichter und der DJ StoxxInsurance-Index lag 3,9 Prozent im Minus. Die Rentananstalt-Aktien haben in diesem Jahr bereits über ein Drittel an Wert verloren.

Analysten sprachen von einem deutlich über den Erwartungen liegenden Fehlbetrag. Positiv wurde hingegen vermerkt, dass sich die Eigenmittelsituation nicht, wie zum Teil befürchtet, dramatisch verschlechtert hat.

Eigenkapitalbasis ist ausreichend

Die Rentenanstalt verfügt den Angaben zufolge per Ende 2002 über etwa 4 Mrd. sfr Eigenkapital und damit über eine ausreichende Eigenmittelbasis. Die neuen Strategie werde planmässig umgesetzt; das bis Ende 2002 angestrebte Kostensenkungsziel von 170 Mill. sfr wurde erreicht und bis Ende 2004 sollen insgesamt 515 Mill. sfr eingespart werden.

Mehrere Faktoren belasteten laut Swiss Life das Ergebnis 2002. Der zum Schutz der Kapitalbasis notwendige forcierte Verkauf von Aktien, mit dem die Aktienquote auf unter 2 Prozent per Ende 2002 von 16 Prozent zu Jahresanfang reduziert wurde, war mit der Realisierung von Verlusten verbunden, hieß es. Im Schweizer Geschäft resultierte ein Verlust und auch die Privatbanktochter Banca del Gottardo verzeichnete nach außerordentlichen Wertberichtigungen und Rückstellungen einen Verlust von 160 Mill. sfr. In der konsolidierten Bilanz reduzierte Swiss Life den Wert der Gotthardbank auf noch 1,4 Mrd. sfr von 1,8 Mrd. sfr zum Ende Juni. Und schließlich schlugen Restrukturierungskosten mit rund 130 Mill. sfr zu Buche, hieß es.

Chancen auf schwarze Zahlen stehen gut

Dörig sagte, die Chancen, dass Rentenanstalt 2003 wieder in die Gewinnzone zurückkehrt, seien da. "Wir nehmen unseren Optimismus daher, dass wir auf der einen Seite davon überzeugt sind, dass im Schweizer Geschäft die eingeleiteten Massnahmen wirklich greifen, und auf der anderen Seite vor allem auch in der Banca del Gottardo wieder wesentliche Gewinne erzielt werden." Prämienerhöhungen stünden Kosteneinsparungen gegenüber, so der Swiss Life-Chef. Vor allem aber würden 2003 die Sonderfaktoren, die das Jahr 2002 belastet haben, wegfallen.

Die Rentenanstalt hatte bereits im ersten Halbjahr 2002 einen Verlust von 578 Mill. sfr verzeichnet. Der größte Schweizer Lebensversicherer musste dabei innerhalb Monatsfrist zwei Buchungsfehler einräumen und die Semesterausweise sowohl für 2002 als auch 2001 deutlich nach unten revidieren.

Vorstand zweimal ausgewechselt

Swiss Life hat im vergangenen Jahr zudem zweimal den Konzernleiter ausgewechselt. Der vom Finanzkonzern Credit Suisse Group kommende Rolf Dörig übernahm Anfang November die operative Führung von Roland Chlapowski, der erst im Februar die Nachfolge von Manfred Zobl angetreten hatte. Zuvor war die Existenz einer Beteiligungsfirma unter dem Dach der Rentenanstalt mit Namen Long Term Strategy (LTS) bekannt geworden, an der sich Manager wie Chlapowski und Zobl mit eigenem Geld beteiligen und hohe Gewinne einstreichen konnten.

Anfang Dezember nahm Swiss Life über eine Kapitalerhöhung brutto 856 Mill. sfr und über eine Pflichtwandelanleihe weitere 250 Mill. sfr dringend benötigtes frisches Kapital auf.

Devestitionen bekräftigt

Dörig sagte, Rentenanstalt halte auch an den angekündigten Devestitionen fest. "Wir halten an den Devestitionsplänen fest, auch an der Banca del Gottardo, selbst wenn sie jetzt wieder Gewinn machen wird. Wir wollen die Banca del Gottardo nach wie vor verkaufen, aber wir haben immer gesagt, realistischerweise wird das noch etwas dauern. Bei diesem Marktumfeld haben wir überhaupt keine Veranlassung irgendeinen "Fire Sale' zu veranstalten," so Dörig.

Die Rentenanstalt kündigte Mitte September die Konzentration auf das Lebensversicherungs-Geschäft in ausgesuchten europäischen Märkten an. Die Banca del Gottardo und die Schweizerische Treuhandgesellschaft STG sollen verkauft werden. Veräußert werden sollen auch das französische und das belgische Nichtleben-Geschäft. Nicht zum Kerngeschäft gehören künftig auch Großbritannien, Italien und Spanien. Was mit der ursprünglich auch zum Verkauf ausgeschriebenen Versicherungstochter La Suisse geschieht, will Dörig prüfen. Rentenanstalt will am 8. April im Detail über den Abschluss 2002 informieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×