Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.02.2002

19:04 Uhr

Aktien früherer Staatsbetriebe haben eigene Risiken – Verbraucherschützer raten ab

Anleger zahlen bitteres Lehrgeld

VonPetra Hoffknecht

Mit der Privatisierung staatlicher Unternehmen wurde zwar auch hier zu Lande die Aktienkultur belebt, unterm Strich haben Anleger der Telekom und der Post aber wenig Freude mit ihren Anteilsscheinen. Verbraucherschützer raten daher zu großer Vorsicht bei weiteren Aktien, die vom Staat kommen.

HB FRANKFURT/M. Wer seine Spargroschen in Aktien früherer Staatsunternehmen steckte, glaubte sich auf der sicheren Seite. Die Unternehmen wie die Telekom und die Post waren bekannt und so groß, dass sie schon bald im Dax notierten. Außerdem hielt der Staat ebenfalls Aktienpakete - im schlimmsten Fall würden Unternehmenspleiten also immer verhindert werden.

Gut fünf Jahre nach dem Börsengang der Telekom, der das zunehmende Interesse der Privatanleger für Aktien weckte, sieht die Bilanz allerdings enttäuschend aus. Die T-Aktie dümpelt nach einem vorübergehenden Höhenflug nur noch knapp über ihrem Ausgabekurs. Anleger, die erst zur Zweit- bzw. Drittplatzierung gekauft haben, verbuchen bislang nur Verluste. Die Aktie der Deutschen Post, seit November 2000 im Geschäft, befindet sich ebenfalls auf Talfahrt. Querelen, wie der Streit um Steuerprivilegien bei der Post oder die Schuldenlast der Telekom, drücken die Kurse.

Die meisten der zuständigen Analysten raten zwar noch immer zum Kauf der Titel, Verbraucherschützer finden indes kritischere Töne. "Der Bund saniert sich zu Lasten der Kleinanleger", sagt Klaus Nieding, hessischer Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Das sei bislang bei jeder Privatisierungsaktion so gelaufen. Bei den Börsengängen der Telekom seien die Erlöse zwar auch dem Unternehmen zugeflossen, allerdings habe sich der Bund diese Mittel über die Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen wieder zurückgeholt, kritisiert er.

"Hätte der Staat dieses Geld über Steuererhöhungen eingetrieben, wäre ein großer Aufschrei durchs Land gegangen", glaubt Nieding. "Man hat den Eindruck, der Staat will nur Kasse machen", äußert sich Jens Ehrhardt von der Münchener Vermögensverwaltung Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG. Vor dem Börsenstart werde die Braut schön gemacht, später belasteten dann immer neue Probleme. Die Post befinde sich derzeit durch das Briefmonopol beispielsweise noch immer in einer Art Schutzzone. Werde dieses Privileg aufgehoben, brächen gut 70 Prozent des Gewinns weg.

Anleger sollten daher alles, was vom Staat kommt, sehr vorsichtig betrachten, rät Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre. Im Blick hat sie dabei den für Sommer angekündigten Börsengang der Telekom-Tochter T-Mobile, weitere Post-Aktien und die Deutsche Bahn, sollte das Unternehmen an die Börse geführt werden. Bislang litten die Aktien aus ehemaligem Staatsbesitz wegen ihrer Kursentwicklung unter einem Vertrauensverlust. Entsprechend zurückhaltend dürften sich die Kleinanleger daher auch bei weiteren Aktien ehemaliger Monopolisten verhalten, prognostiziert Keitel.

Früher haben diese Unternehmen hoheitliche Aufgaben erfüllt, bei denen Wettbewerb nicht gewünscht oder für unmöglich angesehen wurde. Heute fällt den Konzernen das Umdenken auf die Wettbewerbssituation noch immer schwer. Ein weiterer Nachteil liegt im Regulierungsrisiko, das die Unternehmen bei ihrer nur schrittweisen Öffnung in Richtung Wettbewerb von politischen Entscheidungen aus Berlin und Brüssel abhängig macht. Bei der Telekom und der Post hält der Staat zudem noch einen wesentlichen Anteil der Aktien: Der Bund hat bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 497 Mill. T-Aktien und 209 Mill. Post-Aktien geparkt. Wenn diese auf dem Markt verkauft werden, steigt das Aktienangebot und drückt den Kurs der Titel.

"Auf der anderen Seite kann man vom Staat auch ein gewisses Kurspflegeinteresse erwarten, wenn er langfristig weitere Anteile platzieren will", äußert sich Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale NRW. Außerdem habe die Post durch das Briefmonopol gewisse Startvorteile gehabt, räumt er ein. Staatsaktien lohnten sich nur für langfristig orientierte Anleger. "Oder aber man muss in Zwischenphasen ein- und aussteigen, bevor die nächste Tranche kommt", sagt Bieler. "Jetzt seine Verluste zu realisieren, macht keinen Sinn", fügt Nieding hinzu.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×