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01.01.2001

17:27 Uhr

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Aktien von Internet-Providern stehen unter Druck

Anleger sollten Titel dieser Branche künfitg eher als langfristige Investition nutzen, sagen Analysten.

dpa-afx FRANKFURT. Aktien von Internet-Service-Providern haben im Jahr 2000 infolge des Kursrutsches am Neuen Markt zum Teil herbe Verluste hinnehmen müssen. Das gilt etwa für T-Online oder freenet.de . Dabei scheint sich für Internet-Service-Provider und Content-Anbieter (Anbieter von Inhalten für Internet-Portale) künftig ein Markt zu etablieren. Vor diesem Hintergrund sollten nach Analystenmeinung Titel dieser Branche künftig eher als langfristige Investition genutzt und im Portfolio nicht übergewichtet werden.

Dem derzeit aktuellen Online-Monitor (Sechste Untersuchungswelle August 2000) der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge wuchs der Anteil der Haushalte mit einem Internet-Zugang in Deutschland von 21% im Februar 2000 auf 28% im August 2000. Zudem stellt der GfK Online-Monitor ein "eindrucksvolles Startpotenzial" für den E-Commerce in Deutschland fest, einer Content-Möglichkeit für das Internet.

Allerdings verweist eine im November von McKinsey und MMXI Europe veröffentlichte Studie darauf, dass rund die Hälfte der Internet-Nutzer sich im Netz zunächst zurecht finden muss und sich etwa ein Viertel hierbei erst einmal an Offline-Marken (zum Beispiel Printerzeugnisse, die auch außerhalb des Internets erhältlich sind) orientiert. Schnäppchenjäger, die das Internet für den Online-Einkauf nutzen und unterhaltungsorientierte Nutzer machen dieser Studie zufolge zur Zeit jeweils nur 3% der Surfer aus.

"Die Internet-Service-Provider-Titel stehen derzeit unter Druck und werden so schnell nicht wieder outperformen", sagte Markus Glockenmeier, Analyst bei Delbrück Asset Management in Frankfurt. Da es bei verschiedenen Unternehmen der Branche noch einige Zeit dauern werde, bis diese Gewinne eingefahren würden, sei der Markt derzeit kaum bereit, "viel Prämie" für diese Werte zu zahlen. "Die Fantasie ist aus diesen Titeln gewichen", sagte Glockenmeier.

Es reiche bei der Bewertung dieser Titel nicht, einen relativen Vergleich innerhalb der Branche anzustellen, wenn eben dieser Sektor hoch bewertet sei. Vielmehr müsse auch das Potenzial jedes einzelnen Unternehmens analysiert werden. So bestehe beispielsweise bei freenet.de das Problem, dass dieser Inernet-Service-Provider relativ klein und damit für Content-Anbieter weniger interessant sei. T-Online müsse dagegen seine Personal-Probleme ersteinmal in den Griff bekommen.

Bisher seien die Internet-Service-Provider bei den Erträgen stark von den Zugangsgebühren für das Internet abhängig, erklärte der Experte. Damit werde aber in Zukunft weniger verdient werden als mit Inhalten (Content). Deshalb müssten Portale künftig attraktive Content-Angebote entwickeln. Als Content-Beispiele nannte der Analyst Spiele, Nachrichten, Unterhaltungsangebote oder Einkaufmöglichkeiten via Internet. "Dabei ist das Problem nicht, überhaupt Content anzubieten, als viel mehr Inhalte zu präsentieren, mit denen sich auch Geld verdienen lässt", fügte er hinzu.

Ein weiteres Problem sei die Technik: Viele Geschäftsmöglichkeiten mit Inhalten seien abhängig von den technischen Voraussetzungen im Internet, insbesondere von den Übertragungsgeschwindigkeiten. Erst dann sei beispielsweise der Vertrieb von Videos online möglich. "Die technischen Voraussetzungen müssen wir realistisch betrachten. Vor diesem Hintergrund könnten sich funktionierende, content-basierte Business-Modelle langsamer entwickeln als zunächst gedacht", sagte Glockenmeier.

Geschäftsmöglichkeiten sieht Glockenmeier im E-Commerce, sowohl im Business-to-Business- als auch im Business-to-Consumer-Bereich. Auch die Online-Werbung, die erst einen Bruchteil des gesamten Werbemarktes ausmache, habe noch enormes Potenzial.

Als langfristige Investition würde Glockenmeier Aktien von Internet-Service-Providern ins Portfolio aufnehmen. "Allerdings sollten diese Titel nicht übergewichtet werden. Sie sollten als Depot-Beimischung gemeinsam mit Standardwerten gekauft werden", betonte der Analyst. Problematisch sei es allerdings, beim derzeitigen Abwärtstrend dieser Titel einen "untersten Punkt zu erwischen", von dem aus wieder Gewinne gemacht werden könnten. Die Anleger sollten seiner Meinung nach das Augenmerk auf Unternehmen legen, die groß genug seien, zu überleben, bei denen noch die Möglichkeit der Übernahme anderer Unternehmen bestehe beziehungsweise die mit bekannten Marken kooperierten oder sogar fusionierten, wie das beispielsweise in den USA bei America Online (AOL) und Time Warner der Fall sei.

Attraktiv seien beispielsweise Terra Lycos , wegen der starken Position auf dem zukunftsträchtigen süd- und nordamerikanischen Markt, oder T-Online (trotz der aktuellen Führungsprobleme), wegen der Größe und Marktstärke und dem daraus resultierenden Wachstumspotenzial. Eher skepitsch sieht der Experte dagegen Tiscali . "Dieses Unternehmen hat kaum eine Chance in den großen europäischen Märkten unter die Top-3 der Provider zu kommen", begründete Glockenmeier seine Einschätzung./av/gb

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