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06.01.2003

08:28 Uhr

Aktienexperten sagen für das Jahr 2003 nur moderate Gewinne voraus

Ist der Bärenmarkt schon am Ende?

VonE.S. Browning (Mitarbeit Brigitte Baas)

Nach den schlimmsten Einbrüchen am Aktienmarkt seit den siebziger Jahren hoffen Investoren in den USA nun im Jahr 2003 auf den Turnaround. Ihre Hoffnungen begründen sich auf die Rally, die am 9. Oktober 2002 begann und die den großen Aktienindizes ausgehend von ihren Tiefständen einen spürbaren Aufschwung bescherte. Doch in der Vergangenheit legten die Dividendentitel ähnliche Rallys hin, die dann aber schnell im Sande verliefen.

Jetzt - nach drei aufeinander folgenden Jahren der Misere an den Aktienmärkten - halten sich viele Investoren zurück, weil ihnen das Vertrauen auf bessere Zeiten fehlt. "Das Risiko, dass auch 2003 ein schlechtes Jahr wird, ist immer noch virulent", so Henry Herrmann von der Mutual-Fund Group Waddell & Reed. Dies ist keine Prognose von ihm - der Aktienexperte hofft vielmehr auf moderate Zuwächse. Doch auch zu Beginn des vergangenen Jahres hatte er dies vorhergesagt und wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Jetzt fürchtet er, dass es gar nicht viel brauchen würde - zum Beispiel "nur" einen Krieg im Irak oder steigende Arbeitslosenzahlen - um seine positiven Prognosen erneut Lügen zu strafen. Auch andere Experten wie zum Beispiel Phil Roth von der New Yorker Brokerfirma Miller Tabak + Co. glauben, dass die Aktien 2003 möglicherweise steigen könnten. Doch er rechnet eher mit kleinen Aufschwüngen und einem steten Auf und Ab der Kurse, und am Ende des Jahres könnten dann scharfer Einbruch alles zu nichte machen, so dass das vierte Jahr in Folge mit Verlusten enden würde. Zum Ärgernis vieler Investoren hat der US-Aktienmarkt auch schon im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge Verluste hingelegt. Das ist in 60 Jahren nicht vorgekommen. Der Dow Jones Industrial Average ist um 16,8 % eingebrochen, der schlimmste Rückgang seit 1977. Und der S &P-500-Index erlitt gar einen Rückgang um 23,4 % und hatte damit sein schlechtestes Jahr seit 1974. Insgesamt haben Investoren im Jahr 2002 mit US-Aktien einen Verlust von 2,8 Billionen $ erlitten. Der Gesamtwert der US-Aktien erreichte im März 2000 mit 17 Billionen $ seinen Höhepunkt und war bis zum Ende des vergangenen Jahres auf nur noch rund 10 Billionen $ geschrumpft. Dabei wiesen Technologie-Aktien die höchste Volatilität auf und sie waren am stärksten von den Kurseinbrüchen betroffen. Doch viele Investoren sind nun verunsichert und wissen nicht, was sie 2003 tun sollen. Die Optimisten unter den Experten weisen darauf hin, dass Verluste an den Aktienmärkten vier Jahre in Folge noch nie da gewesen seien. Einige denken deshalb, der Markt könnte einen kräftigen Aufschwung hinlegen. Andere wiederum sind vom genauen Gegenteil überzeugt und mahnen, dass die IT-Aktien-Blase immer noch nicht abgebaut ist und somit weitere unruhige Tage bevor stehen. Die gute Nachricht zuerst: In der Vergangenheit war es immer so, dass eine Erholung im Bärenmarkt immer mit großem Schwung erfolgte. 1991 ist der Dow Jones Industrial beispielsweise nach einem weitaus kürzeren Einbruch um satte 20 % gestiegen. Und als nach dem Börsencrash 1929 die Märkte bis 1932 schließlich ihren Boden erreicht hatten, sind Blue-Chips 1933 um 67 % gestiegen. Doch jetzt die schlechte Nachricht: Viele Analysten bezweifeln, dass die Aktien sich dieses Mal so schnell erholen werden wie in der Vergangenheit. Ihr Argument: Da die aktuelle Rezession nur gemäßigt ausgefallen ist, wird auch der Aufschwung sowohl in der Wirtschaft als auch an den Märkten nur ein mäßiges Tempo vorlegen. So könnte der S&P-500-Index im Jahr 2003 nur um rund 10 % steigen, wie Fred Taylor vom Finanzdienstleister US Trust prognostiziert. Doch Taylor meint, dass auch schon kleine Veränderungen gut zu einem viel stärkeren Aufschwung führen könnten. So könnte beispielsweise eine erfolgreiche Lösung des Irak-Konfliktes den Investoren erhebliche Aktiengewinne bescheren. Oder wenn der Dollar fallen würde, könnte das die US-Exporte beflügeln und die Gewinne der multinationalen Konzernen in die Höhe treiben. Die Aktienpreise würden auf diese positiven Nachrichten wahrscheinlich reagieren, weil viele Investoren, die mit anhaltenden Schwierigkeiten in Wirtschaft und Weltpolitik gerechnet hatten, große Summen Bargeld in Bonds und Geldfonds angelegt haben. Und eine Umschichtung dieser Anlagen in Aktien könnte dem Markt einen erheblichen Schub verpassen. Andere Experten wiederum glauben, dass sogar, dass eine unsichere Weltlage und die aktuelle Nervosität unter den Investoren gut ist. Denn wenn die Anleger nervös sind und ihr Geld aus Aktienanlagen herausgezogen haben, sind sie normalerweise reif für positive Überraschungen. Der Haken an der Sache ist nur, dass dieses Jahr niemand fest mit positiven Überraschungen rechnen kann. Und so sagen viele Analysten für 2003 auch nur moderate Gewinne an den Aktienmärkten voraus. Mitarbeit Brigitte Baas

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