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16.07.2000

17:22 Uhr

Aktienplatzierung des Kölner Finanzdienstleisters OVB vorstellbar

Volksfürsorge kooperiert mit Gewerkschaften

Die zur Münchener AMB-Gruppe gehörende Hamburger Volksfürsorge will den Vertrieb vor allem durch den kräftigen Ausbau des Außendienstes ausweiten. Die Versicherung will damit langfristig das weitere Wachstum im Neugeschäft vorantreiben und die Stornoquote unter den Branchendurchschnitt drücken.

lip HAMBURG. Joachim Lemppenau, Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Hamburger Volksfürsorge Versicherungsgruppe (Vofü), hat sich viel vorgenommen. Er will die Stornoquote in der Lebensversicherung bezogen auf den mittleren laufenden Jahresbeitrag in den nächsten zwei Jahren unter die 5 %-Marke drücken. "Wir wollen dichter an den Branchendurchschnitt von 4,6 bis 4,8 % heranrücken", erklärt Lemppenau.

Die über die AMB Aachener und Münchener Beteiligungs-AG zur Generali-Gruppe gehörende Versicherungsgruppe hatte bereits im vergangenen Jahr die Stornoquote auf 5,2 (5,6) % gesenkt. Anlass für die optimistische Prognose gibt vor allem die Qualitätsverbesserung und der weitere Ausbau des Vertriebs. So konnte die Stornoquote des Kölner Allfinanzdienstleistern OVB im vergangenen Geschäftsjahr auf rund 9 % gesenkt werden. Sie lag noch vor zwei Jahren bei mehr als 11 %. An dem Kölner Unternehmen ist die Volksfürsorge mit 15 % beteiligt. "Ich bin mit der Geschäftsentwicklung der OVB sehr zufrieden. Sie wird uns im laufenden Jahr Neugeschäft im Wert von rund 500 Mill. DM bezogen auf die Beitragssumme zuführen", betont der Vorstandschef. 1999 waren es noch 360 Mill. DM.

Auch einen Gang des Strukturvertriebs an die Börse kann sich der Vorstandschef vorstellen. "Die Mitarbeiter der OVB erwarten, dass die Gesellschaft auch an die Börse geht", erklärt Lemppenau. Er halte eine Aktienplatzierung für sinnvoll, um die Belegschaft langfristig an das Unternehmen zu binden. Sollte eine Börsenplatzierung erfolgen, werde die Hamburger AMB-Tochter Anteile abgeben. Eine endgültige Entscheidung über ein going public liege aber bei dem OVB-Hauptgesellschafter Deutscher Ring. Die Umwandlung des Finanzdienstleisters in eine AG soll hingegen bereits Anfang nächstes Jahr es erfolgen.

Nach Jahren einer radikalen Schlankheitskur soll der Vertrieb der Volksfürsorge wieder kräftig ausgeweitet werden. Danach sollen im laufenden Jahr deutlich über 4 000 (3 300) Außendienstler für die Versicherungsgruppe arbeiten. Auch mehr Nebenberufler will Lemppenau einsetzen. Hier zählen zum Konzern inzwischen 33 300 (27 000). Diesen stehen im Innendienst derzeit 2884 (Jahresanfang 2903) Mitarbeitern gegenüber. "Die Zeiten des Stellenabbaus sind aber vorbei", so Lemppenau. So werde auch das Kostensenkungsprogramm "Einheit 2000" keine personellen Konsequenzen mehr haben. Es handelt sich hierbei um die Zusammenlegung der Verwaltungen der Sparten Leben und Sach.

Ausbau des Vertriebs erhöht Beitragseinnahmen

Der Ausbau des Vertriebs trägt im Neugeschäft erste Früchte: "Wir erwarten für 2000 bezogen auf den laufenden Jahresbeitrag ein Plus von rund 9 % auf 450 (411) Mill. DM", kündigt Lemppenau an. Allein bis Ende Mai kletterte das Neugeschäft um 39 % auf 147,6 Mill. DM gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der neu abgeschlossenen Lebensversicherungen erhöhte sich um 37 % auf 77 000 Stück.

Beigetragen habe zum Neugeschäft auch die verstärkten Kooperationsbemühungen mit den Gewerkschaften. So hat die Vofü jüngst Servicegesellschaften u.a. mit der ÖTV und der IG Bau gegründet. "Wir führen bereits Gespräche mit weiteren Gewerkschaften, die abhängig von der Dauer ihrer Mitgliedschaft Versicherungsprodukte zu preiswerteren Konditionen von der Volksfürsorge erhalten können", sagte Lemppenau.

Die Hamburger Versicherungsgruppe konnte inzwischen auch bei den Marktanteilen verlorenes Terrain wieder wettmachen. Bezogen auf den laufenden Jahresbeitrag im Neugeschäft verbesserte sich der Marktanteil bis Ende Mai auf 3,24 %. Er lag noch zum Jahresanfang bei 2,18 %.

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