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23.01.2003

08:51 Uhr

Aktionärsschützer kritisieren Management

Mobilcom drohen hohe Wertberichtigungen

Die Mobilcom AG, Büdelsdorf, muss den Wert ihres Vermögens nach Angaben aus Firmenkreisen in der Bilanz möglicherweise um einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag senken. Die nach deutschem Handelsrecht erforderlichen Wertberichtigungen würden das Ergebnis 2002 erheblich belasten. Derzeit sind die Wirtschaftsprüfer nach Informationen aus den Firmenkreisen dabei, die exakte Höhe festzulegen.

lip HAMBURG. Ein Sprecher von Mobilcom wollte dies nicht kommentieren, weil der Jahresabschluss noch nicht erstellt worden sei. Mobilcom schrieb 2001 einen Konzernverlust von rund 205 Mill. Euro. Für 2002 erwarten Bankenkreise erneut einen Verlust.

Hintergrund für die Wertberichtigung ist die Rückzahlungsforderung von Mobilcom in Höhe von 71 Mill. Euro gegenüber dem Firmengründer Gerhard Schmid und der Millenium GmbH, die Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram gehört.

Schmid hatte im vorigen Jahr als Mobilcom-Vorstandschef den Betrag an die Millenium GmbH überwiesen. Damit sollte ein Aktien-Optionsprogramm für Vertriebler aufgelegt werden. Doch das Geschäft kam nicht zu Stande, und Millenium hat die Summe bis heute nicht zurückgezahlt.

Mobilcom hatte daraufhin Schmid und Millenium eine Frist bis Ende März gesetzt. Bekommt Schmid bis dahin den Betrag nicht zusammen, können die Büdelsdorfer 3,6 Millionen Aktien von Millenium und Schmid an der Börse verwerten. Bei einem derzeitigen Kurs von rund 3 Euro würde dies Mobilcom aber nur rund 12 Mill. Euro einbringen.

Die restliche Summe kann die Büdelsdorfer Gesellschaft von Schmid vor Gericht noch nicht einklagen, da der Vorstand mit dem Firmengründer bis dahin vertraglich eine "Friedenspflicht" vereinbart hat. Die sieht vor, dass Mobilcom bis 2005 stillhält.

Die Entschuldung von Mobilcom durch den Anteilseigner France Télécom auf der Hauptversammlung wird Schmid nach Angaben seiner Sprecherin nicht durch eine einstweilige Verfügung blockieren. Es sei nicht geplant, den Ex-RTL-Chef Helmut Thoma an der Ausübung seiner Stimmrechte an Schmids Aktienpaket zu hindern.

Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will den Sanierungsplan absegnen. "Wir werden den Beschlüssen zustimmen", sagt DSW-Sprecher Dirk Unrau. Er kritisiert aber den Vorstand. "Das Management hätte bei den Verhandlungen mit France Télécom für Mobilcom finanziell deutlich mehr herausholen können." Mobilcom muss bei einem Verkauf der UMTS-Lizenz 90 % des Erlöses an die Franzosen abgeben.

Quelle: Handelsblatt

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