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26.04.2000

13:30 Uhr

dpa/KAISERSLAUTERN. Mit einer Großdemonstration am Wochenende in allen Bundesliga-Stadien biegt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bei seiner Bewerbungs-Kampagne um die Weltmeisterschaft 2006 auf die Zielgerade ein. Zehn Wochen vor der Vergabe durch das Exekutiv- Komitee des Weltverbandes FIFA (6. Juli) will der DFB mit dem Aktionstag dem Ausland dokumentieren, dass die breite Bevölkerung und der Profifußball in Deutschland hinter dem Streben um die Ausrichtung der Titelkämpfe in sechs Jahren steht.

"Es wird ein hartes Rennen zwischen Deutschland und Südafrika geben", prophezeite DFB-Präsident Egidius Braun am Mittwoch in Kaiserslautern einen Zweikampf, bei dem die Mitbewerber England, Marokko und Brasilien nur noch Außenseiter sind. WM-Lokomotive Franz Beckenbauer forderte: "Wir müssen im Endspurt noch einmal anziehen und alles geben."

Der 32. Bundesliga-Spieltag, der am morgigen Donnerstag mit der Partie zwischen Arminia Bielefeld gegen den MSV Duisburg beginnt, steht daher ganz im Zeichen der WM. Die Spieler und Schiedsrichter tragen auf dem linken Ärmel ihres Trikots das grüne Logo der deutschen WM-Bewerbung. Balljungen, Ordner, Stadion-Angestellte und Kameramänner sind in einheitliche T-Shirts gekleidet, die Trainer und Funktionäre der Vereine stecken sich den Bewerbungspin ans Revers. Auch die Dekorationen der TV-Studios sollen ganz auf die WM-Bewerbung ausgerichtet sein.

Zudem gibt es in jedem der neun Stadien ganz spezielle Hinweise auf das Bemühen um die WM-Ausrichtung: Im Berliner Olympiastadion, wo das Marathontor mit überdimensionalen WM-Fahnen dekoriert wird, wird nach dem Schlusspfiff gegen den SC Freiburg ein Feuerwerk abgebrannt. Das Münchner Olympiastadion wird während dem Heimspiel des FC Bayern gegen Hansa Rostock in ein Meer von WM-Luftballons getaucht. Im Gelsenkirchener Parkstadion fliegen vor der Partie des FC Schalke 04 gegen den TSV 1860 München rund 3 000 WM-Bälle ins Publikum. Im Stuttgarter Daimler-Stadion ist das Duell des VfB gegen Borussia Dortmund als gigantische WM-Party geplant, bei der der Weltmeister der Pyrotechnik und der Zirkus Baron die Akzente setzen.

Auch in Hamburg, Unterhaching, Kaiserslautern, Frankfurt und Duisburg soll das deutsche WM-Begehren ausgedrückt werden. Das Ergebnis von Meinungsumfragen, bei denen nach DFB-Angaben 80 Prozent der Bevölkerung die deutsche Bewerbung unterstützen, werteten die WM- Macher als ermutigendes Signal. "Wir haben eine ungeheure Zustimmung in der Bevölkerung und in der Politik. Die Politiker haben sich von blau, schwarz, rot bis grün zu einem Farbenspektrum zusammengeschlossen", stellte DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer- Vorfelder fest.

Entscheidend aber sind die Stimmen der 24 Exekutiv-Mitglieder der FIFA, um die sich Zugpferd Beckenbauer höchstpersönlich kümmert. "Wir versuchen, sehr persönliche und freundschaftliche Beziehungen zu den Menschen zu knüpfen, die entscheiden werden", machte WM-Koordinator Fedor Radmann keinen Hehl aus der Strategie. Deshalb wird er mit Beckenbauer noch zwei Mal auf Weltreise gehen, um in Nassau (Bahamas), Kuala Lumpur (Malaysia), der Südsee-Insel Samoa und Luxemburg bei den Kongressen der Kontinental-Verbände Präsenz zu zeigen.

Einzige Sorge der WM-Macher sind die deutschen Hooligans, die mit Ausschreitungen bei der anstehenden EM den Erfolg der Bewerbung gefährden könnten. "Wenn uns Deutschen nichts Weiteres mehr auf der Ebene der Hooligans passiert, sind wir zwar noch nicht der Favorit. Aber dann liegen wir gut im Rennen", verdeutlichte Beckenbauer.



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