Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.08.2000

16:56 Uhr

Reuters BERLIN. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) will Eigeninitiative und Unternehmergeist in Deutschland stärker fördern. Schon in den Schulen müssten Politik und Wirtschaft auf potenzielle Firmengründer zugehen, sagte Müller bei der Vorstellung seines "Aktionsprogramms Mittelstand" am Freitag in Hannover. Aus seinem Etat stünden für das Förderprogramm rund 300 Mill. DM zur Verfügung. Da auch künftig Steuergelder unter anderem für Existenzgründer sowie für Forschung und Entwicklung benötigt würden, seien weitere Steuersenkungen für den Mittelstand aber nicht möglich. Verbände der Wirtschaft und die Union verlangten dagegen erneut steuerliche Verbesserungen für den Mittelstand.

"Das Potenzial für mehr unternehmerisches Engagement ist da", sagte Müller weiter. Er verwies auf eine FORSA-Umfrage, wonach sich zwei Drittel der befragten Jugendlichen vorstellen können, ein Unternehmen zu führen. Mit Wettbewerben an den Schulen, die das Wirtschaftsministerium fördere, sollten Jugendliche weiter zu Existenzgründungen ermuntert werden. An den Hochschulen seien rund 30 Lehrstühle für Existenzgründungen geplant oder bereits eingerichtet. Die Zusammenfassung der Deutschen Ausgleichsbank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau werde die Vergabe von Förderprogrammen für Existenzgrünger straffen. Außerdem würden die Mittelständler bei der Nutzung der Informationstechnologie gefördert. So sieht das Programm die Einrichtung 24 regionaler E-Commerce-Zentren vor, die den Mittelstand im Umgang mit den neuen Informationsmedien beraten sollen.

Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands

Müller bezeichnete die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Unternehmen in Deutschland als zentrales wirtschaftspolitisches Ziel der Bundesregierung. "Die mehr als 3,3 Mill. kleinen und mittleren Unternehmen sind in der Bundesrepublik Wachstumsträger und Jobmaschinen." Nach einer Umfrage des Wirtschaftsmagazins "Impulse" schafft allein die Steuerreform im nächsten Jahr 117 000 neue Arbeitsplätze im Mittelstand. Müller sagte, mit dem vom Bundesrat beschlossenen "Mittelstandspaket" könne niemand mehr behaupten, kleine und mittlere Unternehmen würden gegenüber Kapitalgesellschaften benachteiligt. Er verwies darauf, dass auch auf die Sanierung des Haushalts geachtet werden müsse. "Forderungen nach einer noch deutlicheren Steuerentlastung halte ich deshalb für unseriös" sagte Müller.

Der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) verlangte dagegen erneut Nachbesserungen bei der Steuerreform, die nur ein erster zaghafter Schritt sei. Der Deutsche Industrie und Handelstag (DIHT) nannte das Aktionsprogramm eine gute Grundlage, es müsse aber Steuersenkungen geben. Auch die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) sprach von einer Benachteiligung mittelständischer Personengesellschaften gegenüber Kapitalgesellschaften. Außerdem verlange der Mittelstand einen stärkeren Abbau der Bürokratie. Die Mittelstandsvereinigung der Union kritisierte die Regierung scharf. Die Bundesregierung habe nichts zu bieten als leere Versprechungen, sagte der Vorsitzende Hans Michelbach (CSU). Zu zentralen Fragen wie Ladenschlusszeiten, Kündigungsschutzregeln und Arbeitsrecht habe sich Müller gar nicht geäußert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×