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13.06.2000

07:21 Uhr

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Alan Lafley - Der Hoffnungsträger der Proctoiden

VonNORBERT KULS, New York

Anders als sein Vorgänger Durk Jager gilt Alan Lafley als Manager, der mit Menschen gut umgehen kann. Für seine Übungsstunden mit der E-Gitarre wird er als P&G-Chef künftig wenig Zeit haben.

Alan Lafley gilt als Chef, der seine Mitarbeiter motivieren kann. Diese Eigenschaft wird der neue Vorstandschef (CEO) des Konsumgütergiganten Procter & Gamble in Zukunft bitter nötig haben. Denn die Moral bei P&G war unter der nur 17 Monate dauernden Ägide des scheidenen P&G-Bosses Durk Jager auf den Tiefpunkt gesunken.

Der ruppige Jager hatte den Konzern einer Radikalkur unterzogen. Ziel: Umsatzwachstum um jeden Preis. Als P&G die versprochenen Gewinne nicht liefern konnte, quittierte die Wall Street das mit einem Ausverkauf der P&G-Aktien.

So was ist besonders schlecht für die Proctoiden, wie die langjährigen Angestellten des Konzerns genannt werden. Denn deren Pensionsplan besteht hauptsächlich aus Aktien des eigenen Unternehmens. Am Donnerstag voriger Woche zog der Verwaltungsrat die Notbremse und machte Lafley zum neuen Chef.

Der beliebte Lafley galt seit längerem als Kronprinz, doch der Zeitpunkt seiner Berufung ist überraschend. An der Wall Street gilt A.G., wie Lafley genannt wird, als gute Wahl. Der 53-Jährige habe in seinen 23 Jahren bei P&G einige Erfolge vorweisen können, meint etwa Analystin Carol Wilke von der Investmentbank CS First Boston. Anleger erhoffen sich von Lafley nun eine Rückkehr zu beständigem Umsatz- und Gewinnwachstum.

Der ergraute und bebrillte Hoffnungsträger hat eine Menge Arbeit vor sich. Lafley gilt als methodisch denkender Kopfmensch, der im Gegensatz zu Jager einen stärker auf Konsens ausgerichteten Führungsstil pflegt. Doch auch Lafley hat wie Jager in der Vergangenheit auf schnelle Produktinnovation gesetzt und drängte darauf, in seinen Sparten Produkte innerhalb eines Jahres auf den Markt zu bringen.

Klassischer Proctoid

Beobachter kennen Lafley als Manager, der keine Angst vor harten Entscheidungen hat, wie etwa dem Verkauf von schwachen Geschäftssparten. Allerdings sei er diplomatischer und könnte besser mit Menschen umgehen als Jager.

Wie Jager ist Lafley aber ein klassischer Proctoid. Der Absolvent der renommierten Harvard Business School hat nur einmal außerhalb von P&G gearbeitet - bei der Marine. Lafley fiel bei P&G früh durch seine Sorgfalt und seine Aufmerksamkeit für Details auf.

Er begann als Markenassistent machte Karriere als Manager für das Spülmittel Dawn sowie die Waschmittel Ivory Snow und Cheer. Die Verantwortung für die in den USA in jedem Supermarkt stehenden Marken ist ein wichtiger Test für junge Talente. 1994 sammelte Lafley internationale Erfahrung als Asienchef von P&G. Zurück in den USA war Lafley ab 1998 zunächst für die Region Nordamerika zuständig und wurde im vergangenen Jahr Chef des weltweiten Kosmetikgeschäfts.

Lafley stieß Marken ab, die zu stark auf den Heimatmarkt fixiert waren und brachte mit Physique die erste neue P&G-Haarpflegeserie seit über einem Jahrzehnt auf dem Markt. Trotz allen Lobes merken Analysten aber auch an, das der Marktanteil im US-Kosmetikgeschäft unter der Verantwortung von Lafley gesunken war.

In seiner Freizeit treibt Lafley viel Sport. Er joggt, fährt Rad und soll auch gut Basketball spielen. Dazu sammelt er Baseballkarten und nimmt Unterricht, um E-Gitarre zu lernen. Viel Zeit zum Üben wird Lafley jetzt wohl nicht haben. Dazu sind die Probleme bei seinem Unternehmen noch zu groß.

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