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02.01.2002

13:05 Uhr

Albtraum in Tirol

Deutsche Urlauberfamilie im Sessellift vergessen

Mit einem Albtraum im Ski-Lift hat für eine deutsche Österreich-Urlauberin und ihre beiden Jungen das neue Jahr begonnen. Bei minus 10 Grad saß die Familie aus Hilden (Nordrhein- Westfalen) rund eine Stunde lang in einem Sessellift im Gebiet des Großglockners (Osttirol) fest.

dpa INNSBRUCK. Ursache war menschliches Versagen: Der Liftwart hatte nicht gewusst, dass die drei noch im Lift waren und die Anlage abgeschaltet. Die 39-jährige Mutter und die beiden 9 und 10 Jahre alten Kinder erlitten Erfrierungen.

"Unser Liftbediensteter im Tal hat einen Fehler gemacht", räumte der Geschäftsführer der Bergbahnen Kals, Kaspar Unterberger, am Mittwoch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ein. Der Liftwart an der Talstation habe seinem Kollegen am Berg mitgeteilt, dass eine dreiköpfige Familie als letzte unterwegs sei. Die Nummer des letzten besetzen Sessels gab er jedoch - gegen die Vorschriften - nicht durch. Der Liftwart an der Bergstation sah wenig später drei Menschen den Sessellift verlassen. Er meinte, es handle sich um die letzten Gäste und schaltete um 16.00 Uhr die 4er-Sesselbahn "Glösch" ab.

Mutter und Kinder versuchten zunächst, durch Hilfeschreie auf sich aufmerksam zu machen. Als dies nichts half, schnallte die 39-Jährige ihre Skier ab, zog die Skischuhe aus und sprang aus rund sechs Metern Höhe ab. Auf der Piste suchte sie in der einbrechenden Dunkelheit und bei Temperaturen von zehn Grad unter null nach Rettern für sich und ihre Jungen, ehe sie erschöpft zusammenbrach.

Im Tal hatte inzwischen der Familienvater Alarm geschlagen. Der Fahrer einer Pistenraupe entdeckte schließlich knapp vor 17.00 Uhr die im Schnee liegende Frau, die sich neben schweren Erfrierungen auch erhebliche Wirbelverletzungen durch ihren Sprung in die Tiefe zugezogen hatte. Kurz darauf konnten auch die beiden im Lift festsitzenden Kinder entdeckt und geborgen werden. Die Kinder, deren Alter zunächst mit 10 und 14 Jahren angegeben worden war, kamen mit leichteren Erfrierungen davon.

Für die Hildener Familie war es letzte Urlaubstag gewesen, sie wollten am Mittwoch nach Hause zurückkehren. Die Mutter liegt stattdessen im Krankenhaus in Klagenfurt. Die Konsequenzen seien für die Kalser Bergbahnen noch nicht absehbar, meinte Unterberger. Er habe bei den Behörden Anzeige erstattet. Eine Kontrollfahrt sei für Sesselbahnen nicht zwingend vorgeschrieben. "Wenn die Nummer des letzten besetzten Sessels notiert wird, ist das auch nicht nötig", betonte der Geschäftsführer.

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