Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.01.2003

07:58 Uhr

Alexander Otto ist Chef von ECE

Der Verschwiegene der Otto-Brüder

VonLutz Beukert (Hamburg)

Er leitet ECE, Europas größten Entwickler und Betreiber von Einkaufszentren. Der Name Otto ist der Maßstab, an dem er gemessen wird. Inzwischen braucht er ihn nicht mehr zu fürchten.

Die Zweifel sind verstummt. Die Zweifel, ob Alexander Otto die Hamburger ECE, Europas größten Entwickler und Betreiber von Einkaufszentren, erfolgreich führen kann. Als Spross einer erfolgreichen Unternehmerfamilie sind die Maßstäbe, an denen der 34-Jährige gemessen wird, anspruchsvoll. Einer dieser Maßstäbe ist sein Vater.

Unternehmerlegende Werner Otto, der sich als Gründer des Hamburger Otto Versands einen Namen machte, gründete 1965 auch die ECE. 25 Jahre lang, bis zum Jahr 2000, wurde das Unternehmen dann von Heinrich Kraft gemanagt. Der familienfremde Manager setzte die erfolgreichen Wegmarken im Unternehmen, baute Einkaufszentren zunächst in den alten, dann in den neuen Bundesländern. Alexander Otto muss seine Fußstapfen ausfüllen.

Vergleichen lassen muss sich Alexander aber auch mit den Erfolgen seines fast doppelt so alten Halbbruders Michael Otto, 59. Er baute den vom Vater geschaffenen Otto Versand zum größten Versandhandelskonzern der Welt auf. Der Name Otto verpflichtet zum Erfolg.

Allen Skeptikern zum Trotz ist allerdings die Übergabe des Staffelholzes bei ECE geglückt. Der jüngere der Otto-Brüder hat sich die Internationalisierung des Unternehmens und den Aufbau neuer Geschäftsfelder auf die Fahne geschrieben. Dabei geht er, ebenfalls eine Eigenschaft der Familie Otto, langfristig vor - Schritt für Schritt.

Der Bau von Shoppingzentren in den EU-Anwärterstaaten Polen, Tschechien und Ungarn sowie in den deutschsprachigen Ländern Österreich und der Schweiz hat für den hoch gewachsenen Hamburger Priorität. Um Finanzmittel und Managementkapazität nicht zu sehr zu strapazieren, wurde Italien vorerst von der Liste gestrichen.

Über seine Unternehmenspläne berichtet der Harvard-Absolvent mit leiser Stimme, völlig unaufgeregt. Seine Hände liegen meist gefaltet auf dem Tisch, werden nur sparsam für Gesten eingesetzt. Wenn er lacht - und er lacht häufig und gern - zwinkern seine graublauen Augen meist kurz hinter der schmalen Brille.

Seine Pläne, das sind neben dem europäischen Auftritt von ECE der Ausbau der Dienstleistungen, das Engagement im Büro- und Gewerbebau, der Umbau von Bahnhöfen und Flughäfen, der Aufbau von Logistik- oder Messezentren. So managt der Konzern Einkaufszentren zum Beispiel für die schweizerische Migros, baut das Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt um, erweitert die Konzernzentrale der Mannheimer Versicherung in Mannheim.

20 Großprojekte mit einem Bau- und Planungsvolumen von weit über zwei Milliarden Euro realisiert die ECE derzeit - das sind mehr Projekte im In- und Ausland als jemals zuvor in der 38-jährigen Firmengeschichte.

In das Immobiliengeschäft ist der Sohn aus der dritten Ehe Werner Ottos nicht zufällig geraten. Sein Interesse daran wurde früh geweckt. "Mein Vater hat mich von Anfang an am Geschäft teilnehmen lassen", sagt der Sohn. Werner Otto nahm ihn mit zu den Baustellen der Einkaufszentren und band ihn später schrittweise in die Entscheidungsprozesse mit ein.

So kam Alexander Otto 1994 nach dem Studium zusammen mit seiner Frau, einer amerikanischen Rechtsanwältin, zurück nach Deutschland. In der Geschäftsführung der ECE übernahm er die Verantwortung für die Entwicklung des Schlosspark-Centers in Schwerin und die Realisierung des Einzelhandelskonzeptes im Hauptbahnhof Hannover.

Neben seiner Arbeit findet der Vielbeschäftigte noch Zeit für sein Hobby, die niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts. "Mit den Modernen kann ich nicht so viel anfangen", gibt er ehrlich zu. Darüber hinaus engagiert er sich für die von ihm gegründete Stiftung "Lebendige Stadt". "Unser Ziel ist es, die Zukunft unserer Städte aktiv mitzugestalten", sagt Otto. Das gelte für die Kultur, für Wissenschaft und Forschung, Pflege und Erhaltung von Kulturwerten sowie für die Denkmalpflege. Nach den auch von ECE begangenen Sünden der frühen Jahre, als Einkaufszentren in Stadtrandlage gebaut wurden, gelten jetzt für Otto die Innenstädte als bevorzugter Standort, um diese zu revitalisieren.

Das gesellschaftliche Engagement hat in der Familie Otto Tradition. Aber es gibt auch einen Punkt, in dem sich die Brüder grundlegend unterscheiden. Während Michael Otto die Konzernzahlen der Otto-Gruppe regelmäßig und ausführlich präsentiert, lässt sich Alexander wie schon sein Vorgänger Heinrich Kraft keine Umsatzzahlen entlocken. Er bleibt verschwiegen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×