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06.02.2001

14:11 Uhr

dpa PARIS. Alfred Sirven, ehemaliger Bankräuber und Ex-Manager des französischen Staatskonzerns Elf-Aquitaine, hat starke Nerven und fürchtet nach eigenem Bekunden niemanden. "So ist das Leben", sagte der meistgesuchte Mann Frankreichs bei seiner Festnahme in Manila am vergangenen Freitag nach über drei Jahren Flucht.

Der 74-jährige aus Toulouse, der zur rechten Hand des Elf- Aquitaine-Chefs Loik Le Floch-Prigent aufstieg, nennt sich selbst einen "alten Soldaten". Zwar wurde er während seines Militärdienstes im Korea-Krieg 1951-1952 mit Orden dekoriert, doch über seine Vergangenheit als Bankräuber und seine zwei Jahre hinter Gittern in Tokio und Saigon schweigt er lieber. 1952 brach er in eine Bank in Tokio ein und verschwand mit drei Mill. Yen in einem Armee-Jeep. Er habe einer Freundin ein Geschenk machen wollen, sagte er.

Ärger mit der Justiz begann 1997

Le Floch-Prigent holte Sirven 1989 in den Staatskonzern - als Mann fürs Grobe und als Herr über schwarze Kassen für dubiose Zwecke. Sirven prahlte damit, er könne mit seinen Enthüllungen "20 Mal die französische Republik hochgehen lassen". Doch soll sich Sirven als "Direktor für allgemeine Angelegenheiten" auch darüber beschwert haben, dass er an Minister, politische Parteien und andere Mittelsmänner zu viel Geld zahlen müsse. Das erzählte der Geschäftsmann Andre Guelfi. "Er hatte keine Lust mehr, Mill. an Leute zu verteilen, die keine Gegenleistungen dafür erbrachten".

Sirvens Ärger mit der Justiz begann 1997. Während der Zeit Le Floch-Prigents an der Spitze des Elf-Konzern von 1989 bis 1993 sollen mindestens 1,5 Mrd. Francs (450 Mill. DM) "verteilt" worden sein. Ob Sirven vor Gericht auspackt, bleibt abzuwarten. Kurz vor seiner Festnahme in Manila leistete er sich seinen bisher letzten Coup: Er zerkaute die Chipcarte seines Handys und verschluckte sie, um garantiert keine Spuren seiner letzten Telefongespräche zu hinterlassen.

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