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31.01.2003

20:15 Uhr

„Alle warten ab, was passiert"

Lufthansa Cargo bleibt vorsichtig

Die Lufthansa-Tochter Lufthansa Cargo erwartet für 2003 ein leichtes Wachstum bei Umsatz und Frachtvolumen, falls die Krise im Irak sich nicht zum Flächenbrand ausweitet.

Reuters FRANKFURT. "Wir glauben, dass wir, wenn der Konflikt (im Irak) begrenzt ist, in diesem Jahr einen gewissen Aufschwung sehen werden", sagte der Finanzvorstand von Lufthansa Cargo, Heinz-Ludger Heuberg, am Freitag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Das monatliche Frachtaufkommen, das seit Oktober 2002 rückläufig ist, werde voraussichtlich aber erst wieder zunehmen, wenn der Ausgang der Krise am Golf absehbar sei. Mit einer grundlegenden Erholung bei der Luftfracht rechne er erst 2004, obwohl das Frachtaufkommen besonders aus dem Fernen Osten schon jetzt deutlich wachse. Das Luftfrachtaufkommen gilt als wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung.

Wie der Rest des Konzerns erwarte Lufthansa Cargo für 2003 keine Ergebnisverbesserung im Vergleich zum Vorjahr, sagte Heuberg. Der Konzern prognostiziert ein Ergebnis von 700 bis 750 Millionen Euro für 2002, der Jahresabschluss soll am 20. März vorlegt werden. Lufthansa Cargo ist hundertprozentige Tochter des Lufthansa-Konzerns und Weltmarktführer im internationalen Lufttransport. Etwa 60 Prozent der Fracht transportiert das Unternehmen mit seinen 22 Frachtflugzeugen, der Rest fliegt im Bauch der Passagierflugzeuge des Mutterkonzerns mit. Weltweit beschäftigt Lufthansa Cargo rund 5000 Mitarbeiter.

In den Frachtzahlen schlage sich derzeit die allgemeine Zurückhaltung wegen der Irak-Krise nieder, sagte Heuberg. "Alle warten ab, was passiert, und möchten sich für die Zukunft nicht festlegen". Lufthansa Cargo selbst habe bereits Pläne für Ausweichrouten und Kapazitätseinschränkungen in der Schublade, falls es zum Krieg am Golf kommen sollte. Bleibe die militärische Auseinandersetzung allerdings zeitlich begrenzt, würden auch die Auswirkungen auf das Unternehmen begrenzt und eine rasche Erholung absehbar sein. "Fracht hat keine Flugangst", sagte Heuberg und spielte damit auf den Passagierrückgang besonders in den USA an, wo wegen der Flugangst der Bürger die Passagierzahlen seit den Anschlägen vom 11. September 2001 dauerhaft gesunken sind.

Die wirtschaftliche Entwicklung habe einen direkteren Einfluss auf Lufthansa Cargo als ein Krieg, erklärte Heuberg. Dementsprechend belaste ein Krieg das Unternehmen vor allem dann, wenn er die Konjunktur drücke. Allerdings werde ein Krieg auch keinen positiven Einfluss auf Lufthansa Cargo haben, da das Unternehmen grundsätzlich keine Waffen transportiere. Auch der Transport von militärischer Ausrüstung sei unwahrscheinlich, da die modernen Frachtmaschinen von Lufthansa Cargo auf vielen Militärflughäfen mangels Hebebühnen nicht entladen werden könnten.

Neben dem Irak-Konflikt sei derzeit auch der starke Euro ein Risiko, sagte Heuberg. "Es sind zwei Effekte, die beide für sich eine nennenswerte Bedeutung haben". Problematisch sei dies vor allem im Geschäft mit Indien, da sich Währungsrisiken hier nicht absichern ließen. Währungsschwankungen könnten das Unternehmen in diesem Bereich ähnlich belasten wie ein begrenzter Konflikt im Irak. Allein in Indien mache Lufthansa Cargo einen Umsatz in der Größenordnung von 400 Millionen Euro im Jahr.

Einen Schwerpunkt lege Lufthansa Cargo derzeit auf den Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen, sagte Heuberg. Momentan teste das Unternehmen ein Gerät, mit dessen Hilfe sich große Mengen Fracht durchleuchten und auf Sprengstoff testen ließen. Bisher wird nur ein Teil des Frachtguts überprüft. Außerdem erwäge Lufthansa Cargo, stärker in die Vermarktung der Frachtkapazitäten anderer Passagier-Fluglinien einzusteigen. Damit könne das Unternehmen zum einen das eigene Fracht-Streckennetz ergänzen, zum anderen könnten die Partner-Gesellschaften bisher ungenutzten Frachtraum zu Geld machen.

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