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04.01.2002

11:02 Uhr

Allianz geht vor New Yorker Gericht

Streit um WTC-Versicherung eskaliert

VonRalf Schloßmacher und Julius Endert

Der Streit zwischen den Versicherern des zerstörten World Trade Center und dessen Hauptpächter um die Höhe der Versicherungssumme eskaliert. Der Pächter, Larry Silverstein, fordert 7,2 Milliarden Dollar für die beiden Bürotürme, die Versicherungsunternehmen, darunter die Allianz AG, die Schweizer Rückversicherung und Lloyd's of London, wollen nur die Hälfte zahlen.

HB NEW YORK/DÜSSELDORF. Um diese Position zu untermauern, hat die Allianz AG an diesem Mittwoch beim Federal Court in New York eine Feststellungsklage eingereicht. Damit will das Versicherungsunternehmen das Gericht dazu veranlassen, offiziell zu bestätigen, dass es sich bei den Anschlägen vom 11. September nur um ein Schadensereignis handelt. Silverstein argumentiert, die beiden Flugzeuge, die in die Zwillingstürme gerast waren, seien "getrennte Vorfälle" gewesen und deshalb habe er Anspruch auf das Doppelte der Policen, die auf 3,6 Mrd. Dollar lauten.

Dass die Allianz in einem Prozess zur Zahlung der doppelten Versicherungssumme gezwungen werden könnte, hält das Unternehmen jedoch für unwahrscheinlich. "Unsere Policen sprechen ausschließlich von einem Schadensereignis", erklärte dazu Richard Lips, Sprecher der Allianz AG, im Gespräch mit Handelsblatt.com. Mit der Klage will sich der Versicherer offenbar noch einmal zusätzlich absichern. Die Allianz rechnet mit einer Belastung durch den Terroranschlag in Höhe von 1,5 Mrd. Euro. Die Regulierung laufe bereits, sagte Lips.

Mit dieser Klage schließt sich die Allianz der Schweizer Rückversicherung an. Der Hauptversicherer des Gebäudes war bereits am 22. Oktober 2001 vor Gericht gezogen und hatte ebenfalls verlangt, dass das Gericht die Anschläge vom 11. September zu einem Vorfall erklärt. Silverstein, der damals Gegenklage erhob, hat in der vergangenen Woche Distriktrichter John S. Martin Jr. gebeten, die Klärung des Streitfalls mit der Swiss Re auf 18 weitere Versicherungen, einschließlich der Allianz, auszuweiten.

Experten uneinig

"Es ist unglücklich, dass wir zur Klage gezwungen werden, um unsere Rechte durchzusetzen", erklärte Silverstein in einer Stellungnahme. "Wir sind jedoch zuversichtlich, was unsere rechtliche Position angeht."

Versicherungsexperten sind geteilter Meinung über den Ausgang des Streits. Der Professor für Versicherungsrecht, Mark Geistfeld, von der Universität von New York, erklärt, Silverstein habe nach geltendem Recht durchaus Anspruch auf 7,1 Mrd. Dollar. "Ich sehe keine juristische Basis für einen Vorfall", sagte Geistfeld. Er verweist auf einen Fall, bei dem ein Zug den Einsturz von zwei Gebäuden verursacht habe. Das höchste Gericht in New York habe entschieden, dass es sich um zwei Vorfälle gehandelt habe. Der Versicherungsexperte Todd Bault sagt dagegen, es gebe Präzedenzfälle, nach denen die Gerichte sich für einen einzigen Vorgang aussprechen müssten. "Ein einfaches Beispiel ist das Wetter", erklärte Bault. "Wenn Wetterphänomene sich über mehrere Tage hinziehen, gelten sie doch als ein Ereignis."

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