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19.03.2003

07:30 Uhr

Allianz holt sich einen renommierten Manager der Deutschen Bank

Walter ersetzt Fahrholz bei der Dresdner

VonChristian Potthoff (Handelsblatt)

Bernd Fahrholz zieht die Konsequenz aus der schlechten Lage der Dresdner Bank. Der Chef der Allianz-Tochter tritt zurück. Sein Nachfolger Herbert Walter dürfte die Bank noch stärker auf Privatkunden ausrichten.

Herbert Walter

Herbert Walter

FRANKFURT/M. Die Dresdner Bank erhält einen neuen Chef. Herbert Walter von der Deutschen Bank löst Bernd Fahrholz an der Spitze der Allianz-Tochter ab. Nach Informationen des Handelsblatts wird Fahrholz seinen Rücktritt heute auf der Aufsichtsratsitzung der Allianz erklären. Sein Nachfolger Walter ist bei der Deutschen Bank für das Privatkundengeschäft verantwortlich. Den Wechsel bestätigte die Allianz am Mittag offiziell.

Mit dem Führungswechsel zeichnet sich auch ein Strategiewechsel bei der Allianz-Tochter ab. Nach Meinung von Analysten wird sich die Dresdner künftig noch stärker auf das Privatkundengeschäft konzentrieren. Dagegen dürften Firmenkundengeschäft und Investmentbanking (Corporates & Markets) weiter an Bedeutung verlieren und könnten - so glauben viele Analysten - früher oder später ganz aufgegeben werden. "Der Wechsel von Fahrholz zu Walter bedeutet, dass Corporates & Markets zum Verkauf steht", meint Marc Thiele, Versicherungsanalyst bei der Commerzbank. Corporates & Markets ist das große Sorgenkind der Dresdner. Ein Großteil der Verluste der Bank, die ihrer Muttergesellschaft allein in den ersten neun Monate 2002 einen Verlust von 2 Mrd. bescherte, stammen aus diesem Geschäftsfeld. Hochrangige Mitarbeiter der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein halten es für die wahrscheinlichste Variante, dass die Allianz die Investmentbank mittelfristig verkauft wird.

Mit dem Personalwechsel beseitigt die Allianz die Unsicherheit der letzten Monate. Vor allem in den letzten Wochen hatten sich die Gerüchte über einen vorzeitigen Rücktritt von Fahrholz verdichtet. Ein Grund hierfür war, dass auch bei der Allianz ein Führungswechsel ansteht: Michael Diekmann wird Ende April an die Stelle von Henning Schulte-Noelle rücken, der an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln soll. Der neue starke Mann bei der Allianz wollte offenbar auch bei der Bank einen schnellen Neuanfang.

Gegen Fahrholz sprachen vor allem die ungünstigen Perspektiven im Bankgeschäft. Der 55-jährige war im Mai 2000 an die Spitze der Dresdner Bank gerückt, nachdem er sein ganzes Berufsleben bei der Bank verbracht hatte. Ein Jahr später hatte die Allianz die drittgrößte deutsche Bank übernommen. Zwar hatte Fahrholz dem Institut einen rigiden Sparkurs verordnet, dem insgesamt 11 000 Stellen zum Opfer fallen. Vor einiger Zeit hatte er jedoch sein Schicksal damit verbunden, dass die Dresdner im laufenden Jahr in die Gewinnzone zurückkehrt. Dies wird nach einhelliger Meinung von Analysten aber nicht gelingen. Michael Haid von Sal Oppenheim beispielsweise erwartet für dieses Jahr noch einmal rote Zahlen von 700 bis 800 Mill. . In Finanzkreisen wird zudem darauf hingewiesen, dass Fahrholz stets für den Erhalt der Dresdner Bank als Ganzes eintrat und daher einen eventuellen Verkauf von Corporates & Markets nicht mittragen wolle. Auch dies könnte ein Grund dafür sein, dass Fahrholz das Handtuch werfe.

Der neue Mann an der Dresdner-Spitze genießt in Bankkreisen einen exzellenten Ruf. Er war Chef der Deutschen Bank 24, in der die Deutsche vorübergehend ihr Kleinkundengeschäft (Retail) ausgegliedert hatte. Zuletzt war er im erweiterten Konzernvorstand für das Privatkundengeschäft und kleinere Firmenkunden verantwortlich. "Er ist einer der angesehensten Banker in Deutschland", meint Commerzbank-Analyst Thiele. Der unerwartet schnelle Wechsel an der Dresdner Bank-Spitze sei daher ein positives Signal, von der die zuletzt arg gebeutelten Allianz-Aktie profitieren sollte. Gestern reagierte die Börse allerdings verhalten. Die Titel stiegen lediglich um gut 1 % und damit weniger stark als der Deutsche Aktienindex.

Dass mit Walter gerade ein Deutsch-Banker zur Dresdner wechselt, könnte auch Spekulationen über eine Neuauflage der Fusion zwischen Deutscher Bank und Dresdner neu entfachen. Beide Banken hatten bereits im Jahr 2000 über einen Zusammenschluss verhandelt, der aber letztlich nicht zu Stande kam. Nach Meinung mancher Banker könnte diese Idee jetzt wieder auf den Tisch kommen.

Weitere Aufschlüsse über die Pläne der Allianz mit ihrer Banktochter dürften die Bilanzpressekonferenz der Versicherung morgen in München geben. Aller Voraussicht nach muss die Allianz einen Rekordverlust in Milliardenhöhe für 2002 bekannt geben.Neben den Problemen mit der Dresdner Bank schlägt vor allem der Kurseinbruch an den Aktienmärkten ins Kontor.

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