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16.01.2002

15:10 Uhr

Allianzen werden herbeigesehnt

Halbleiterbranche im Sog von Intel

Im Sog der Ergebnisse und des verhaltenen Ausblicks des US-Chipherstellers Intel ist am Mittwoch auch der Kurs der Infineon-Aktie unter Druck geraten.

vwd FRANKFURT. Bislang liegt das Papier mit gut 3,5 Prozent im Minus. Zu Unrecht meinen Analysten, treffen doch die von dem weltweit größten Prozessorhersteller angekündigten Investitionskürzungen vor allem die Hersteller von Ausrüstungen für die Chipherstellung. Die Produzenten der Halbleiter selbst jedoch bleiben nach deren Einschätzung weitgehend unberührt von dieser Tendenz.

Dass der Markt trotzdem auf alle Hersteller von Halbleitern gleichermaßen und gleichermaßen undifferenziert einschlägt, liegt zum einen an dem während des IT-Katastrophenjahrs 2001 erzeugten tiefen Misstrauen gegenüber der Branche. Darüber hinaus vermittelt die unter Überkapazitäten leidende und unter Konsolidierungsdruck stehende Industrie dem Anleger ein krudes Bild. Von Beobachtern vielfach herbeigesehnte Allianzen zwischen den großen Playern zerschlagen sich etwa genauso schnell wie sie sich zuvor abgezeichnet haben. Und dabei wäre eine Marktbereinigung für viele Beobachter mehr als wünschenswert.

So musste beispielsweise Infineon Mitte Dezember vergangenen Jahres überraschend das Scheitern der Gespräche mit Toshiba über eine Kooperation bei DRAM-Speicherbausteinen eingestehen. Doch zumindest für von Überkapazitäten geprägte Branche hatten die geplatzten Gespräche eine vielversprechende Komponente. Denn als Konsequenz aus dem Scheitern kündigte Toshiba an, sich völlig aus der Produktion von DRAM-Bausteinen zurückzuziehen. Die DRAM-Produktion wurde an den US-Hersteller Micron verkauft, der derzeit über Zukäufe versucht, seinen Weltmarktanteil auszuweiten.

Denn die globale Welt der Chips stellt sich in Wirklichkeit als Kleinfamilie dar. Auf der einen Seite der Markt für CPUs, der von den verfeindeten Geschwistern AMD und Intel beherrscht wird, auf der anderen Seite die Produzenten der DRAMs. Und auch hier teilen sich wenige Familienmitglieder den Markt - mit dem Ausscheiden von Toshiba bleiben nur noch vier große Produzenten: Micron, Hynix, Samsung und Infineon. Und Micron will nun auch die südkoreanische Hynix schlucken.

Quälend langsam ziehen sich allerdings die Verhandlungen zwischen Micron und und dem hoch verschuldeten südkoreanischen Wettbewerber hin. Jetzt droht die Elefantenhochzeit möglicherweise am Veto der Hynix-Gläubigerbanken zu scheitern, die nur schwerlich einem von Micron geforderten Erlass von 50 Prozent der Hynix-Schulden zustimmen werden.

Dabei zeichnet sich nach Einschätzung von Beobachtern bereits ein Silberstreif am Horizont ab. So konnte etwa Anfang Januar Samsung Electronics ihre Preise für DRAM um 30 Prozent anheben und damit seit Dezember bereits die dritte Preiserhöhung am Markt durchsetzen. Kurz zuvor hatte Konkurrent Hynix bereits von einem Aufschlag in ähnlicher Größenordnung berichtet und Infineon hatte mitgeteilt, ebenfalls über höhere Preise nachzudenken.

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