Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.03.2003

21:15 Uhr

Alliierte marschieren wohl doch ein

Aufstand gegen Saddams Truppen in Basra

In der südirakischen Millionen-Stadt Basra ist es nach Angaben des britischen Militärs zu einem Aufstand von schiitischen Einwohnern gegen die Truppen von Präsident Saddam Hussein gekommen. Die US-geführten Streitkräfte werden daher wohl doch in Basra einmarschieren.

Basra ist jetzt ein militärisches Ziel, Foto: dpa

Basra ist jetzt ein militärisches Ziel, Foto: dpa

HB/dpa/rtr/vwd BASRA. Auch eine in Iran ansässige irakische Oppositionsgruppe erklärte, es gebe eine Rebellion in der Stadt. "Wir bestätigen, dass es einen Aufstand in Basra gibt, aber wir können gegenwärtig nicht mehr Details nennen", sagte ein Sprecher des Obersten Rates der Islamischen Revolution in Irak (SCIRI) in Teheran. Der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf Iraqi bestritt dagegen die Berichte über einen Aufstand, so der arabische Fernsehsender El Dschasira.

Die Rebellion scheine noch "im Anfangsstadium" zu sein, sagte der britische Generalstabschef beim alliierten Oberkommando in Katar, Generalmajor Peter Wall, am Dienstagabend der britischen Nachrichtenagentur PA. Die britischen Truppen seien nun darauf bedacht, das "Potenzial" des Aufstands zu "nutzen". Basra ist die zweitgrößte Stadt des Landes.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat den Einwohnern Basras von einem Aufstand zum derzeitigen Zeitpunkt abgeraten. Es stünden nicht genügend Truppen der USA und Großbritanniens bereit, um den Menschen in Basra zur Hilfe zu kommen, sagte Rumsfeld am Dienstag in Washington. "Ich bete dafür, dass sie es dann tun werden, wenn genügend Kräfte in der Nähe sind, um ihnen zu helfen."

Britische Korrespondenten bei Basra meldeten, die Briten wollten erst bei Tageslicht ins Stadtzentrum vorrücken. Sie befürchteten sonst hohe Verluste unter Zivilisten. Al Lockwood, ein Sprecher der britischen Streitkräfte, wurde mit den Worten zitiert: "Ich glaube, wir beabsichtigen, am Morgen da reinzugehen. Wir beobachten das sehr sorgfältig, und wenn wir müssen, werden wir sie (die Aufständischen) auch während der Nacht unterstützen."

Hohe Verluste unter Zivilisten befürchtet

Ein Reporter der Zeitung "Sunday Telegraph" zitierte einen britischen Offizier mit den Worten, der Aufstand konzentriere sich auf den Norden der Stadt. "Wir haben eine große Menge auf den Straßen gesehen", sagte der Offizier. "Die Iraker feuern mit ihrer Artillerie auf ihre eigenen Leute. Das wird ein Blutbad geben."

Die irakischen Soldaten hätten die Aufständischen mit Mörsern unter Beschuss genommen, berichteten unter anderem die Fernsehsender BBC, Sky News und ITV. Die britischen Verbände, die Basra eingekreist haben, feuerten mit ihrer Artillerie auf die Mörser im Zentrum der Stadt. Damit hofften sie, die Rebellion zu unterstützen. Das Hauptquartier von Saddam Husseins Baath-Partei in Basra sei zerstört worden.

Die britischen Militärs seien "hocherfreut und erleichtert" darüber, dass sich schließlich doch Zivilisten gegen die Soldaten und die etwa 1000 irregulären Kämpfer in der Stadt erhoben hätten, meldete die BBC. In und um Basra war es am Dienstag bereits zu heftigen Kämpfen zwischen britischen und irakischen Soldaten gekommen. Die Briten hätten dabei 20 irakische Panzer zerstört, meldete PA. Demnach hatten die irakischen Soldaten eine Gegenoffensive mit bis zu 50 Panzern unternommen. Britische Panzer, Kampfhubschrauber und Marineinfanteristen hätten den Vorstoß jedoch gestoppt. Aus der Luft seien die Iraker mit Laser-gesteuerten Bomben beschossen worden. Dabei seien viele irakische Soldaten getötet worden.

Strategiewechsel eingeräumt

Der Aufstand könnte die alliierten Streitkräfte bewogen haben, Basra als "militärisches Ziel" im Häuserkampf einzunehmen, hieß es im britischen Fernsehsender Sky News unter Berufung auf Militärkreise. Entgegen ihrer ursprünglichen Strategie hatten die US-geführten Streitkräfte am Dienstag die Entscheidung getroffen, die seit Tagen umkämpfte südliche Millionenstadt doch zu besetzen. "Basra ist jetzt ein militärisches Ziel", sagte der Sprecher der britischen Truppen in Südirak, Oberst Chris Vernon. Etwa tausend irakische Soldaten leisten dort weiter erbitterten Widerstand.

Die britische Armee teilte am Abend mit, sie habe militärische Ziele in Basra mit satellitengesteuerten 500-Kilo-Bomben angegriffen. Es seien ein Munitionslager und ein Gebäude, in dem irakische Kämpfer vermutet wurden, getroffen worden.

Ein britischer Armeesprecher vor Basra räumte ein, dass der unerwartet heftige Widerstand irakischer Verbände in der seit Sonntag belagerten Stadt Basra einen Strategiewechsel erzwungen habe: "Wir haben bislang immer gesagt, dass wir nicht in städtischen Zonen kämpfen wollen. Damit würden wir dem Feind aber einen Vorteil gewähren."

Es gebe keinen Zweifel daran, dass die nun geplante Offensive der 1. Britischen Panzerbrigade ("Desert Rats") "mit hohen Risiken in puncto Verluste und Kollateralschäden" verbunden sei. Die irakischen Kämpfer müssten aber aus Basra "vertrieben" werden, um den Weg für humanitäre Hilfe freizumachen. In der Nacht zu Dienstag eroberten die Briten nach eigenen Angaben die nahe gelegene Ortschaft El Subair. Dabei seien 20 Iraker ums Leben gekommen, auf britischer Seite habe es keine Opfer gegeben.

Guerilla-Taktiken gegen die US-geführten Truppen

Ein Korrespondent des katarischen Senders El Dschasira berichtete, die alliierten Truppen hätten am Montagabend Streubomben über einem Wohnviertel Basras abgeworfen. Dort setzten irakische Soldaten offenbar Guerilla-Taktiken gegen die US-geführten Truppen ein. Britische Militärs berichteten von Angriffen irakischer Soldaten, die sich zuvor zum Schein ergeben hätten. Frauen und Kinder seien als Lockvögel eingesetzt worden, um den alliierten Soldaten Fallen zu stellen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×