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14.07.2000

15:34 Uhr

Was haben Optionsscheine mit Lebensmitteln zu tun? Ähnlich wie bei Bratwurst, Bier & Co. ist auch beim Handel mit den heißen Scheinen ein knallharter Wettbewerb entbrannt. "Wir sind der Supermarkt für Puts und Calls", hat Citibank-Vorstand Christine Licci die Position des Marktführers beschrieben. Wenn das so ist, dann sind zurzeit einige Konkurrenten in die Rolle von Wal Mart & Co. geschlüpft, um dem Platzhirschen Marktanteile abzujagen. Vorteil für den Anleger: Die Preise sinken, die Auswahl steigt.

In der Hoffnung auf satte Gewinne bringen die Herausgeber (Emittenten) fast täglich neue Scheine auf den Markt. Selbst Experten staunen. "Die Emissionsflut ist unglaublich", sagt Dieter Lendle von der Stuttgarter Optionsscheinbörse Euwax. Von Adidas bis Zürich Allied sind alle größten europäischen Werte bereits mit Scheinen abgedeckt. Längst haben die Banken aber auch Titel aus der ganzen Welt im Visier: Ob auf die amerikanische Qualcomm oder die japanische Shiseido - kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Scheine auf den Markt kommen.

Bei so einer großen Auswahl gibt es für den Anleger die Qual der Wahl. Experten raten dazu, sich wie bei einem direkten Engagement in Aktien zunächst gründlich über das Unternehmen zu informieren, auf dessen Kursentwicklung mit Optionsscheinen gewettet werden soll. "Auch die betreffende Branche sollten sich Anleger zunächst genau anschauen", rät Werner Humpert aus der Optionsscheinabteilung von UBS Warburg.



High-Tech-Titel wieder interessant

Nach dem deutlichen Kursabschlag halten einige Experten zurzeit wieder High-Tech-Titel für interessant. Die Hypo-Vereinsbank erwartet, dass das Ende der Korrekturphase bei diesen Werten erreicht ist. "Aktien aus dem Bereich Technologie, Medien und Telekommunikation werden wieder die treibende Kraft an den europäischen Märkten sein," schreiben die Münchener in einer aktuellen Studie. Auch die Experten der WestLB Panmure stufen die Hochtechnologiebranche zurzeit auf "Übergewichten", schränken aber ein, dass es noch stärker als bisher erforderlich ist, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Wem dies mit Optionsscheinen gelingt, dem winken satte Prämien. Steigt etwa der Nokia-Kurs um 10 Prozent, gewinnt ein im Geld liegender Optionsschein der Citibank rund 28 Prozent an Wert. Ein derzeit aus dem Geld liegender Schein von UBS Warburg zeigt sich noch dynamischer: Er liegt unter den gleichen Bedingungen sogar 31 Prozent zu. Umgekehrt verliert er bei einem Nokia-Kursrückgang um 10 Prozent mit 28 Prozent stärker als das Citibank-Produkt. Doch das ist nicht sehr wahrscheinlich: Die Mehrheit der Analysten ist optimistisch.

Ähnliches gilt für weitere Titel aus der Telekombranche. Als aussichtsreich wird hier etwa die finnische Sonera beurteilt. So bescheinigt BHF Bank-Analyst - Christian Lemke dem stark im Mobilfunk tätigem Unternehmen eine effiziente Geschäftspolitik. "Sonera verfolgt langfristig eine gute Strategie, das sollte zu steigenden Erträgen und Kursen führen." Eine ähnliche Meinung vertritt die BNP Paribas, die neu einen 50er-Call herausbringt, der bis Dezember 2001 läuft. Interessante Calls gibt es außerdem auf Telefónica, Deutsche Telekom und Mobilcom.

Im Bereich Software gilt der Klassiker SAP wieder als heißer Wett-Tipp. Noch lukrativer könnte sich ein Engagement im noch stärker gebeutelten Internet-Sektor erweisen. Ein Gewinner des Ausleseprozesses könnte Amazon sein. "Das korrigierte Aktienniveau ist günstig, und das Geschäftsmodell ist nach wie vor erfolgreich", erläutert die Investmentbank SG Cowen ihre "strong-buy"-Empfehlung. Liquiditätsprobleme des Online-Buchhändlers seien nicht erkennbar.

Für risikofreudige Investoren bietet sich außerdem die Biotech-Branche an. Obwohl die Notierungen bereits sehr hoch sind, sehen Experten noch weiteres Potenzial. "Die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts spiegelt sich noch nicht vollständig in den Kursen wieder", sagt Frank Burkhardt von der Société Générale. Als besonders interessant gilt Qiagen. Hier ist bei der Call-Auswahl besonders wichtig, einen realistischen Zeithorizont wählen. Denn bei Optionsscheinen gibt es noch eine Parallele zu Lebensmitteln: Auch hier ist die Haltbarkeit stark begrenzt.

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