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17.01.2001

16:13 Uhr

Als Nachfolger ist Carl-Peter Forster (BMW) im Gespräch

Milliarden-Verlust: Opel-Chef Hendry wirft das Handtuch

Opel-Vorstandschef Robert Hendry wirft nach einem Milliarden-Verlust beim Rüsselsheimer Autohersteller das Handtuch. Bereits Ende März will der 56 Jahre alte Amerikaner den Opel-Aufsichtsrat um die "Entbindung" von seinen Pflichten bitten. Unterdessen kündigte der Betriebsrat des Bochumer Opel-Werks Widerstand gegen den geplanten Personalabbau an.

Robert Hendry

Robert Hendry

dpa FRANKFURT. Der traditionsreiche Autobauer ist offensichtlich weit stärker angeschlagen als bislang bekannt. Ein strikter Sparkurs sowie der Abbau von zunächst rund 1 700 der 42 668 Opel-Stellen sollen die Rüsselsheimer wieder in die Erfolgsspur bringen.

Dagegen wehrt sich die Belegschaft. Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Peter Jaszczyk kündigte Widerstand gegen einen weiteren Personalabbau an. Das Werk in Bochum habe nicht zu viel, sondern zu wenig Leute und sei mit den Bestellungen für das Modell "Zafira" mehr als ausgelastet, sagte der Betriebsratschef am Donnerstag im WDR. Allein in Bochum will Opel 700 Stellen abbauen. In Rüsselsheim sollen 800 Arbeitsplätze gestrichen werden, in Kaiserslautern 160.

Mit einem Minus von 982 Mill. DM fiel der operative Verlust bei dem Autobauer im Jahr 2000 deutlich höher aus als von den größten Pessimisten im eigenen Haus befürchtet. Nach der erstmals angewendeten Rechnungslegung US- GAAP ergab sich unter dem Strich ein Jahresfehlbetrag von 835 Mill. DM. Auf vergleichbarer Basis hatte der Betriebsverlust im Jahr zuvor 275 Mill. DM betragen. In der 99er Bilanz hatte noch ein Überschuss von 381 Mill. DM zu Buche gestanden. Der Umsatz ging im vergangenen Jahr um 476 Mill. DM auf 33,49 Mrd. DM zurück.

Hendry räumte eigene Fehler an der Opel-Spitze ein. So habe er "nicht vorhersehbare Rahmenbedingungen, wie den rückläufigen deutschen Automobilmarkt, eine schwache europäische Währung und eine hohe Nachfrage nach Dieselmotoren" nicht rechtzeitig erkannt. Hendry habe bei seinem Amtsantritt erwartet, "den Wiederaufschwung von Opel schneller zu schaffen".

Der Amerikaner war erst im November 1998 von der US-Konzernmutter General Motors (GM) zum Opel-Chef gemacht worden. Sein Vertrag wäre 2003 ausgelaufen. Nach dem finanziellen Desaster will Hendry nun den Opel-Aufsichtsrat auf seiner nächsten Sitzung in zwei Monaten ersuchen, "einen Nachfolger mit europäischem Hintergrund für diese Position zu benennen."

Als wahrscheinlicher Kandidat gilt bereits seit Wochen der zehn Jahre jüngere frühere BMW-Produktionsvorstand Carl-Peter Forster. Fraglich ist jedoch, wann der gelernte Volkswirt und Ingenieur das Steuer in der Führungsetage von Opel übernehmen kann. Forster war im März vergangenen Jahres wegen der Rover-Krise bei BMW ausgeschieden.

Angesichts der äußerst brisanten Lage bei Opel hat die Mutter GM das Grundkapital der Rüsselsheimer um 350 Mill. DM und die Kapitalrücklage um 700 Mill. DM erhöht. Hendry hatte für 2000 nach zuvor drei Verlustjahren ein positives Betriebsergebnis versprochen. Vor wenigen Wochen räumte er erstmals ein, dass dieses nicht zu erreichen sei. Spekulationen über ein - deutlich niedriger geschätztes - dreistelliges Minus wies er jedoch empört zurück.

Als Hauptgründe für das Debakel nannte der Opel-Vorstand in Frankfurt den "schwachen deutschen Automobilmarkt", von dem die Rüsselsheimer "besonders betroffen" worden seien. "Gestiegene Kraftstoffpreise und ein hoher Gebrauchtwagenbestand beeinflussten zusätzlich das Neuwagengeschäft." Besonders bei der Mittel- und Kompaktklasse - dem wichtigsten Opel-Segment - habe das Unternehmen stark Federn lassen müssen. Außerdem hätten hohe Vertriebskosten - diese seien um rund 260 Mill. DM gestiegen - sowie Aufwendungen für die Neustrukturierung negativ zu Buche geschlagen. Auch die Investitionen in eine neue Modellpalette und neue Produktionsanlagen drückten das Ergebnis. Insgesamt bezifferte Opel die außerordentlichen Belastungen auf mehr als 360 Mill. DM.

Der Marktanteil von Opel in Deutschland schrumpfte binnen Jahresfrist von 13,8 auf 12,2 % zusammen. Der Fahrzeugabsatz reduzierte sich von 1,32 auf 1,28 Mill. Einheiten. Im Inland wurden mit nur noch 409 000 rund 20 % weniger Autos verkauft als im Jahr zuvor. Jenseits der Landesgrenzen gab es dafür ein Plus von 8,8 % auf 874 000 Fahrzeuge. Die Produktion ging von 1,03 Mill. auf 992 948 Fahrzeuge zurück.

Nun will Opel mit einem strikten Sparkurs wieder aus der Misere heraus kommen. Dabei soll vor allem die Kooperation mit Fiat die entscheidenden Impulse bringen. Neben dem Abbau von Arbeitsplätzen sollen Investitionen von rund 8,5 Mrd. DM bis 2005 den Karren wieder aus dem Dreck holen.

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