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01.02.2002

00:00 Uhr

Alternativen zu Microsoft

Linux ist allgegenwärtig

Lange galt Linux vielen Durchschnittsnutzern als Computer-Betriebssystem für Spezialisten. Doch die Linux-Anbieter möchten aus der "Technikfreak-Ecke" heraus. "Linux ist mittlerweile allgegenwärtig", sagte Linux-Experte Dirk Beiersdorff zu dem Betriebssystem, das anders als zum Beispiel Windows von Microsoft auf einem frei zugänglichen Programmiercode basiert.

HB/dpa HANNOVER. Vor allem Privatanwender halten sich allerdings noch immer zurück. Die häufigsten Vorbehalten lauten: zu kompliziert und zu wenig Softwareangebote.

Die großen Namen der Branche wie IBM, Hewlett Packard und Compaq präsentieren Produkte auf Linux-Basis mittlerweile ganz selbstverständlich - vom Außenseiterimage keine Spur. Von der Armbanduhr mit Kalenderfunktionen über den Taschencomputer bis hin zu Computersystemen für große Datenmengen - auf zahlreichen Ständen der CeBIT in Hannover werden Besucher Linux-Produkte finden.

Auch der weltgrößte Computerkonzern IBM zeigt sich mit seinem Engagement zufrieden. Nach Angaben des IBM-Vizepräsidenten Bill Zeitler, hat sich die Investition von einer Milliarde US-Dollar in Linux im vergangenen Jahr fast amortisiert. Einen festen Platz hat die Entwicklung des Finnen Linus Torvalds als Betriebssystem für Server, die ein wichtiger Baustein der Internetarchitektur sind. Das System mit dem Pinguin als Maskottchen konkurriert erfolgreich mit den Windows-Versionen von Microsoft und verschiedenen kommerziellen Unix-Systemen.

Auch der Internet- Dienstleister Sun Microsystems will in Zukunft mehr auf Linux setzen. Sun-Präsident Ed Zander kündigte an, das US-Unternehmen werde eine Reihe kleinerer Server-Computer mit Linux auf den Markt bringen.

Linux arbeitet jedoch nicht nur in Computern, sondern auch in so genannten eingebetteten Steuerungssystemen ("embedded systems"). "Zentrale Steuerungsgeräte sollen in Zukunft als Schaltstelle im Haushalt dienen, um die Kaffeemaschine und die Alarmanlage zu bedienen", sagte Linux-Experte Beiersdorff. Auch Sony hat Linux als Betriebssystem für seine "Playstation 2" angekündigt. In Japan ist sie als Linux-Konsole schon zu haben.

Für den heimischen Computer greifen Nutzer dagegen nur ungern zu Linux-Produkten. Geringe Akzeptanz sei immer noch das größte Hindernis für das freie Betriebssystem, stellte das Fachmagazin für Informationstechnologie "iX" fest. Anwender bewegten sich gern in bekannter Umgebung, die von Microsoftprodukten dominiert sei. "iX" weist jedoch darauf hin, dass der Handel inzwischen gängige Büro- Anwendungen mit einfach zu bedienender grafischer Oberfläche anbietet.

Den Privatanwender hat auch Suse im Blick. Der Anbieter für Linux-Komplettlösungen kündigt auf der CeBIT die neueste Version des Linux-Pakets für Privatanwender, SuSE Linux 8.0, an. Mit nur drei Schritten könne der Einsteiger ein voll funktionsfähiges Betriebssystem samt Anwendungen auf seinen Rechner installieren.

Ernüchternd für Linux-Befürworter sind die Worte des Berliner Instituts "Infora", das die Machbarkeitsstudie für den umstrittenen Einsatz von Linux im Bundestag vorlegte. Die Experten raten von einem weit reichenden Einsatz des freien Betriebssystems auf den Computern der Abgeordneten ab. Die Funktionen für Endanwender seien noch unzureichend, heißt es. Linux eigne sich nur als E-Mail-Server oder als so genannte Groupware-Lösung, die die Zusammenarbeit von Arbeitsgruppen in einem Netzwerk ermöglicht.

Linux ist ein Produkt der Open-Source-Initiative. 1991 hatte es der Finne Linus Torvalds geschrieben. Seitdem ist das Betriebssystem von einer großen Programmiergemeinde weiter entwickelt worden. Jeder darf mit dem frei zugänglichen Programmiercode arbeiten. Befürworter loben es als kostengünstige und stabile Alternative zu kommerziellen Angeboten.

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