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04.02.2008

09:05 Uhr

Altersvorsorge

Aktienanlage: Augen zu und durch

VonGertrud Hussla

Von mehr als 8 000 Punkten ist der Dax im Januar in den Keller gerauscht. Inzwischen hangelt er sich wieder an die 7 000 er Marke heran. Das ist noch lange keine Entwarnung. Es ist gut möglich, dass die Kurse noch mal abstürzen und vielleicht sogar ein drittes Mal. Doch jetzt dem typischen Anlegerimpuls zu folgen und aus dem Aktienmarkt auszusteigen wäre genau die falsche Reaktion.

Gegen den Strom schwimmen ist jetzt wohl die beste Taktik: Nicht verkaufen, wenn der Rest der Anleger in Scharen davon läuft und Aktien abstößt. Umgekehrt mag es vielleicht klug sein, ein paar Positionen aufzulösen, wenn die Kurse wieder kräftig gestiegen sind und es so aussieht, als habe sich der Sturm gelegt.

Die meisten Sparer machen es umgekehrt - und begehen den typischen Anlegerfehler: Sie verkaufen erschrocken, wenn die Kurse abgestürzt sind und wagen sich erst wieder an Aktien, wenn die Papiere schon wieder ziemlich teuer sind. Deutsche Aktienfonds spürend die Panik schon sein Monaten und melden dramatische Mittelabflüsse. Zur Flucht der Privatanleger kommen die Verkäufe der internationalen Anleger. US-Investoren und Finanzhäuser etwa, die ihre Gewinne aus Europositionen jetzt mitnehmen, um Verluste an anderer Stelle auszugleichen. Auch dürfte der Programmhandel eine wichtige Rolle bei den heftigen Kursschwankungen spielen. Werden gewisse Marken unterschritten, setzen automatisch Verkäufe ein. Geht es später wieder hoch, dann läuft es genau umgekehrt.

Anleger, die sich über viele Jahre ein Vermögen aufbauen möchten, sollten das hektische Auf und Ab von einem Tag zu nächsten vielleicht gar nicht so genau mitverfolgen. Für sie zählt eher der historische Vergleich. So haben sich nach einem Crash die Kurse häufig rasch wieder erholt.

Nach dem "Schwarzen Montag" etwa, dem 19. Oktober 1987, als der US-amerikanische Dow an einem Herbsttag fast 23 Prozent an Wert verlor. Bereits 15 Monate später erreichte er wieder neue Höchststände. Auch am 28. Oktober 1997, als der Dow als Folge der Asienkrise 7,3 Prozent verlor, hatte er sich wenige Wochen später wieder erholt. Selbst nach dem Terroranschlag am 11. September 2001 und dem folgenden Tief 2003 ist es wieder kräftig nach oben gegangen. Die rasche Erholung blieb nur aus, wenn fundamental etwas nicht stimmte.

Wie etwa nach dem 3. September 1929, als die große Wirtschaftsdepression folgte. Es dauerte 25 Jahre, bis Investoren ihre Einstandskurse wieder sahen.

Oder nach der geplatzen Internetblase 2001: Für den Sammelindex der technologielastigen Nasdaq der Rekordstand von 5132 Punkten bis heute unerreichbar geblieben. Und auch das Nikkei-Allzeithoch von 38 957 Punkten am 29. Dezember 1989 hat der japanische Leitindex nie wieder gesehen.

In diesen Fällen stimmte die Basis nicht: die Kurse waren kurz vor dem Crash hoffnungslos überteuert, die wirtschaftlichen Daten rechtfertigten solche Preise nicht. Derzeit sind allerdings Aktien keineswegs überteuert. Eine BASF-Aktie etwa hat, bezogen auf die Gewinne des vergangenen Jahres, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,5. Bei der Daimler-Aktie beträgt es 14,7. Die meisten Dax-Werte liegen deutlich unter 15. Außerdem: In allen Zehnjahresspannen zwischen 1925 und 2004 haben Aktien einen Wertzuwachs von mindestens drei Prozent jährlich erzielt. Der durchschnittliche Wertzuwachs für eine beliebige Zehnjahresspanne lag sogar bei knapp zehn Prozent.

Wer jetzt vollends aussteigt, könnte solche Renditen und die nächste lang Rally verpassen . Mindestens 20 Prozent Aktien, sagen erfahrene Vermögensverwalter, gehören in jedes vernünftige Depot. Kunden die dennoch jetzt lieber verkaufen möchten, rät Vermögensberater Tom Friess vom VZ-Vermögenszentrum in München: Abwarten, bis eine neue Spitze erreicht ist und dann verkaufen. Aber auch wer günstig einsteigen will, sollte noch eine Weile abwarten. Erst wenn die Schwankungen weniger wild sind lässt sich absehen, wo sich die Kurse einpendeln, bevor es wieder verlässlich nach oben geht. Michael Schneider von HSBC Trinkaus formuliert es so: "Zum Verkaufen ist es jetzt schon zu spät, zum Kaufen noch zu früh."

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