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18.01.2007

10:30 Uhr

Altersvorsorge als Volkshochschulkurs

Riester für Anfänger

VonKarl Doemens

Für gewöhnlich lehren Kurse an einer Volkshochschule Dinge wie "Vietnamesisch für den Urlaub". Mehr als 500 Einrichtungen bieten in den kommenden Wochen nun Kurse zum Thema Altersvorsorge an. Vizekanzler Franz Müntefering weiß, wieso dies nötig geworden ist.

BERLIN. Es ist schon eine Weile her, dass Franz Müntefering zuletzt eine Volkshochschule von innen gesehen hat. Vor fast einem halben Jahrhundert meldete sich der gelernte Industriekaufmann in seinem Heimatort Sundern zu einem Lektürekreis an. Der Kurs trug nicht nur literarische Früchte: "Da habe ich viele Leute kennen gelernt, die ich später in der Politik vor Ort wiedergetroffen habe", erinnert sich der Sozialminister.

Am Mittwoch steht Müntefering erneut in einem Breitenbildungstempel. Das karge Interieur des Backsteingebäudes im Berliner Stadtteil Schöneberg erinnert an die siebziger Jahre. Doch seither habe sich viel geändert, mahnt der Vizekanzler mit starkem pädagogischem Impetus: "1970 betrug die durchschnittliche Rentenbezugsdauer zehn Jahre. Heute sind es 17 Jahre. Bis 2030 werden weitere drei Jahre dazukommen." Die Konsequenz? "Da reicht Volksschule Sauerland", sagt der SPD-Politiker: Die gesetzliche Rente allein werde nicht mehr zur Sicherung des Lebensstandards reichen.

Die Erkenntnis ist nicht neu. Sie gilt spätestens seit der Rentenreform von 2001. Trotzdem sorgen Millionen Arbeitnehmer immer noch weder privat noch betrieblich für den Lebensabend vor. Das soll eine Informationsoffensive der Volkshochschulen nun ändern. Mehr als 500 dieser Einrichtungen werden bundesweit in den nächsten Wochen spezielle Altersvorsorge-Kurse am Abend oder am Wochenende anbieten. Zielgruppe der zwölfstündigen Einführung sind vor allem die 30- bis 45-Jährigen. "Die Menschen müssen begreifen, dass es eine finanzielle Lücke in ihrem Alter gibt", postuliert Müntefering: "Die zusätzliche Vorsorge ist eine Notwendigkeit."

Bei kaum einem öffentlichen Auftritt versäumt der Sozialdemokrat, die Zahlen herunterzubeten: 55 Prozent betrug das Niveau der Durchschnittsrente im Jahr 1990. Inzwischen liegt der Wert bei 51,7 Prozent. 2020 werden es noch 46 und 2030 rund 43 Prozent sein. "Es geht darum, diese politischen Aussagen im Einzelfall nachvollziehbar zu machen", ergänzt Herbert Rische, Präsident der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Dazu solle der gemeinsame Vorstoß von Regierung, DRV, Verbraucherzentralen und Volkshochschulen dienen.

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