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03.02.2002

19:48 Uhr

Am Donnerstag neue Verhandlungen zwischen Kiel und Hamburg

Hartes Ringen um Landesbanken-Fusion

VonLUTZ BEUKERT, CASPAR DOHMEN

Am Donnerstag gehen die Verhandlungen um die Fusion der Landesbanken in Kiel und Hamburg in die nächste Runde. Hamburgs neuer Bürgermeister Ole von Beust (CDU) macht seinen Antrittsbesuch bei der Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins, Heide Simonis (SPD), in Kiel. Längst haben beide Landespolitiker die Fusion zur Chefsache erklärt.

HAMBURG/DÜSSELDORF. Beide befürworten das Projekt "Hanse-LB". Es gilt sachlich als unproblematisch. Wenn konkrete Fusionsverhandlungen noch vor dem Sommer aufgenommen würden, könne der Zusammenschluss auch noch rückwirkend vollzogen werden, erfuhr das Handelsblatt aus Gesprächskreisen. Gleichwohl schätzen Beteiligte die Erfolgschancen nur auf 50 Prozent. Sie verweisen auf die Verknüpfung der Bankenfusion mit den jeweiligen landespolitischen Interessen. Nicht nur Namensfindung, Standort und Führungsstruktur des neuen Instituts seien heikle Fragen.

Anfang Januar hatte sich Simonis weit aus dem Fenster gelehnt: "Wir sind die Mutter und nicht die Tochter", wird sie mit Blick auf die Beteiligung der LB Kiel an der Hamburgischen Landesbank (HLB) und der Forderung nach einer Großbank mit Sitz in Kiel zitiert.

Dem könnten die künftigen Kräfteverhältnisse aber entgegenstehen. Derzeit hält die LB Kiel 49,5 Prozent an der HLB, die Stadt Hamburg 50,5 Prozent. Zudem haben die Kieler ein Vorkaufsrecht auf den Hamburger Anteil, mehr aber nicht. Allerdings bewerten Bankenexperten die sehr ertragreiche HLB - deren Betriebsergebnis vor Risikovorsorge in 2001 deutlich über 500 Mill. Euro gelegen haben dürfte - etwa doppelt so hoch, wie die LB Kiel ohne ihren HLB-Anteil. Somit würde Hamburg nach einer Fusion auf einen Schlag mit rund 33 Prozent größter Anteilseigner einer neu geschmiedeten Landesbank. Die schleswig-holsteinischen Sparkassen kämen auf rund 20 Prozent, die Landesregierung in Kiel auf 13,3 Prozent. Die Anteile der in Kiel beteiligten Landesbanken würden sich verringern - bei der WestLB auf 26,6 Prozent bei der LBBW auf 6,7 Prozent.

"Kiel wird Federn lassen müssen," kommentiert ein Banker aus Schleswig-Holstein trocken. Er sieht das nördlichste Bundesland bereits als "Land der Dependancen". In der Standortfrage spricht einiges für Hamburg: Die Stadt sei internationaler als der Bankenstandort Kiel und habe die größere Kundenbasis. Erschwert wird eine Fusion, weil Hamburg die Hamburger Sparkasse (Haspa) in die Fusion einbinden will. Dagegen stemmen sich vehement die schleswig-holsteinischen Sparkassen. Sie fürchten, die Nummer eins unter den deutschen Sparkassen könnte dann in ihrem Verbreitungsgebiet wildern. Für eine Haspa-Finanzbeteiligung an der neuen Landesbank nach der Fusion signalisieren sie indes Zustimmung.

Mittelfristig würden die Kräfteverhältnisse im Norden auch durch die geplante Fusion der beiden Sparkassenverbände in Schleswig-Holstein und Niedersachsen verändert. "Die Vorentscheidung darüber fällt im März", sagt der Präsident des niedersächsischen Sparkassenverbandes, Klaus Rathert. Bei grünem Licht könnten die Verbände Anfang 2003 fusionieren. Der angedachte Name der neuen Gruppierung - "Norddeutscher Sparkassenverband" - gibt manchem Bänker zu denken, ob letztlich nicht doch die NordLB mit in das neue Institut eingebunden werden könnte.

Eine Interessenverquickung der beiden Sparkassenverbände bei den Landesbanken - hier LB Kiel, dort NordLB - solle vermieden werden, in dem die Beteiligungen getrennt würden, sagt Rathert. Allerdings sei unklar, wie dies umgesetzt werden soll. Dies sei einer "von mehreren Stolpersteinen".

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