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17.01.2002

16:39 Uhr

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AMD sieht sich nach Krisenjahr gegenüber Intel gestärkt

Der US-Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) hat im vergangenen Quartal bei Ergebnis und Umsatz deutliche Rückgänge hinnehmen müssen. Der weltweit zweitgrößte Produzent von Mikroprozessoren – den "Gehirnen" von Personalcomputern (PCs) – übertraf aber die Erwartungen der Analysten.

Reuters SAN FRANCISO. Die AMD-Aktien gaben am Donnerstag zu Beginn des New Yorker Handels nach, nachdem sie vorbörslich noch deutlich gestiegen waren. Intels Ankündigung von Investitionskürzungen hatte am Vortag zu Beginn der US-Berichtssaison die Börsen weltweit belastet. AMD sieht seine Marktposition gegenüber dem Branchenprimus verbessert.

Für das vierte Quartal (per Ende Dezember) wies AMD einen Nettoverlust von 15,8 Mill. $ (rund 17,9 Mill. ?) oder fünf Cent je Aktie nach einem Gewinn von 178 Mill. $ im Vorjahreszeitraum aus. Analysten hatten durchschnittlich mit einem deutlich höheren Fehlbetrag von 18 Cent je Aktie gerechnet. Der Umsatz fiel zwar auf 952 Mill. von 1,18 Mrd. $, lag – gestützt durch ein besser als erwartet ausgefallenes Weihnachtsgeschäft bei PCs – aber deutlich über den Erwartungen sowohl des Unternehmens selbst als auch der Branchenexperten.

Analysten verwiesen in diesem Zusammenhang auf den starken Anstieg des Durchschnittspreises für AMD-Mikroprozessoren, der auf 90 $ im vierten Quartal von 60 $ im Vorquartal geklettert sei. "Sie haben die Erwartungen erheblich übertroffen, und sie haben es aus genau diesem Grund geschafft: Es waren die Durchschnittspreise", sagte Analyst Dan Scovel von Needham & Co. Auch AMD-Chef Jerry Sanders sieht hier einen entscheidenden Vorteil seines Unternehmens im Wettstreit mit dem ärgsten Konkurrenten. "Intels Durchschnittspreise können nur noch nach unten gehen", sagte Sanders. "Intel ist vorbei." Der Branchenführer selbst gibt weder die genaue Zahl seiner im Quartal verkauften Prozessoren noch der Durchschnittspreise bekannt. Lehman-Brothers-Analyst Dan Niles schätzt, dass Intel im vierten Quartal etwas mehr als 34 Millionen Prozessoren verkauft hat, bei einem im Vergleich zum Vorquartal leicht niedrigeren Durchschnittspreis von 154 $.

Chip-Branche hat "schlimmste Rezension" hinter sich

Beide Chip-Riesen streiten sich darüber, wer dem anderen im Krisenjahr 2001 Marktanteile abgejagt hat. AMD schätzt den Marktanteilsgewinn auf vier Prozentpunkte und beruft sich dabei auf die Zahl der ausgelieferten Einheiten. "Jeder, der glaubt, Intel verliere keine Marktanteile, kann genauso gut an die Zahnfee (Fantasiefigur, die Milchzähne einsammelt und dafür Münzen hinterlässt) glauben", sagte Sanders. Er widersprach damit Äußerungen von Intel-Finanzchef Andy Bryant. Dieser hatte am Dienstag gesagt, sein Unternehmen habe im abgelaufenen Quartal beim Marktanteil weltweit um ein bis zwei Prozentpunkte zugelegt, und zwar hauptsächlich auf Kosten von AMD. Bryants Worten zufolge hat die Chip-Branche im vergangenen Jahr vermutlich die "schlimmste Rezession" ihrer Geschichte erlebt. 2001 war das erste Jahr überhaupt, in dem die PC-Hersteller als Abnehmerindustrie einen Absatzrückgang verzeichnet hatten.

Die AMD-Papiere, die im vorbörslichen Geschäft auf der elektronischen Plattform Instinet noch auf 18,68 $ angezogen waren, gaben zu Beginn der Börsensitzung in New York allerdings gegen den Trend um knapp 4 % auf 17,20 $ nach, holten im Verlauf aber wieder auf. UBS Warburg hob derweil seine Einstufung auf "Buy" von "hold" an. Intel gaben ebenfalls nach und verloren 0,3 % auf 33,82 $. Der Gesamtmarkt lag rund 0,5 % im Plus.

Für das Gesamtjahr 2001 wies AMD einen Umsatz von 3,89 Mrd. $ (minus 16 %) und einen Reingewinn von 28,9 Mill. $ aus. Intel verzeichnete einen Umsatz von 26,5 Mrd. $ bei einem Jahresüberschuss von 1,29 Mrd. $.

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