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03.02.2003

12:00 Uhr

America Online verliert erstmals Abonnenten

Sättigung am US-Online-Markt

VonRudi Kulzer (Handelsblatt)

America Online (AOL) ist unter starkem Druck. Erstmals musste die Online-Tochter des Medienkonzerns AOL Time Warner einen Rückgang bei der Zahl seiner Abo-Mitglieder verbuchen.

HB/ruk MÜNCHEN. Als hätte das einstige Starunternehmen des Internetbooms nicht schon genug Probleme. Nach dem mit 100 Milliarden Dollar größten Jahresdefizit in der Wirtschaftsgeschichte der USA und damit verbundenen Veränderungen im Topmanagement muss der Medienkonzern erstmals in seiner Geschichte rückläufige Abo-Zahlen hinnehmen. Vergangene Woche meldet AOL, dass am Stichtag 31. Dezember 2002 die Anzahl der Online-Abonnenten um 176 000 auf 35,2 Millionen Mitglieder gefallen sei.

Dabei kommt der Druck auf dem weltweiten Marktführer der Anbieter eines Zugangs zum Internet von zwei Seiten. So es AOL bisher nicht gelungen, mit einem eigenen Angebot eine Abwanderung seiner Mitglieder zu Breitbanddiensten zu verhindern. Zusätzlich setzen auf dem Sektor der Modemzugänge zum Internet (dial up) Billiganbieter mit Monatsgebühren von knapp zehn Dollar den Pionier und Branchenprimus unter Wettbewerbsdruck. Dessen Modemzugang kostet in den USA 23,90 Dollar.



Die Gebühren für Bereitbandzugang liegen in den USA zwischen 40 und 50 Dollar. Dabei werden, anders als in Deutschland, zu etwa 70 Prozent Netzzugänge der TV-Anbieter via Kabelmodem und etwa 30 Prozent DSL-Anschlüsse der Telekom-Carrier genutzt. Im Gegensatz zur Wählverbindung sind die Breitbandzugänge dauernd (always on - immer an) geschaltet.

Neben AOL mussten auch die direkten Konkurrenten in der Wettbewerbsliste mit der Entwicklung zu einem gesättigten Markt kämpfen. So konnte die Nummer zwei, MSN von Microsoft, trotz einer 300 Millionen Dollar teueren Kampagne seine Kundenbasis von neun Millionen Mitglieder nicht erhöhen. Der Nummer drei, Earthlink, gelang mit 59 000 neuen Kunden nur eine geringe Steigerung. Billiganbieter United Online dagegen, der die beiden Marken Juno und NetZero im Portfolio hat, konnte bei einer Gebühr von 9,95 Dollar ein Wachstum von 48 Prozent auf 1,9 Millionen Mitglieder verbuchen.

Angesichts dieses Wettbewerbsdrucks testet AOL derzeit zusammen mit der Superkaufhauskette Walmart eigene Billigangebote mit einem gegenüber AOL verminderten Inhaltsangebot. Gemeinsam testen derzeit beide Konzerne einen Dienst für 9,94 Dollar im Monat, der in allen 2500 Walmart-Stores angeboten wird. Der dazu nötige Service kommt von AOL-Tochter Compuserve. Damit macht sich AOL selbst Konkurrenz.

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