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20.01.2003

08:57 Uhr

America's Cup

Ein Binnenland steht im Segelfinale

VonIngo Petz (Handelsblatt)

Jochen Schürmann ist der erste Deutsche, der um die begehrteste Segeltrophäe der Welt segeln darf. Ab 15. Februar fordert er mit dem Alinghi-Team das Team New Zealand in einer Best-of-Nine-Finalserie heraus.

AUCKLAND. Es war die Stunde des Siegers. "Joochen, Joochen. Komm auf die Bühne", rief der Direktor des Louis-Vuitton-Cups, Bruno Troublé. Englisch gesprochen, französisch untermalt. Und Jochen Schümann kam. Mit Champagner-Resten im Haar und Sonnencreme-Spuren im Gesicht stieg der 48-Jährige aus der Sieger-Yacht auf die Bühne im Viaduct-Hafen von Auckland. Er lächelte zufrieden.

Der Berliner hat es geschafft. Der Sportdirektor, Stratege und Ersatz-Steuermann des Schweizer America?s-Cup-Team Alinghi ist der erste Deutsche, der um die begehrteste Segeltrophäe der Welt segeln darf. Ab 15. Februar fordert Alinghi das Team New Zealand, den zweimaligen Gewinner der traditionsreichen Trophäe, in einer Best-of-Nine-Finalserie heraus. Die Schweiz ist das erste Binnenland, das um die Silberkanne "Auld Mug" segelt und vielleicht das Land, das den Cup nach 151 Jahren erstmals nach Europa holen kann. "Wahnsinn", sagte Schümann im Jubel-Rausch. "Jetzt wollen wir auch noch mehr."

5:1 stand es am Ende gegen den Kontrahenten aus den USA. "Oracle BMW Racing", das Team des Software-Tycoons Larry Ellison. "Die Statistik sagt nichts darüber aus, wie hart und eng die Rennen waren", meinte Alinghi-Steuermann Russel Coutts später. Tatsächlich hatte das Syndikat des Serono-Inhabers Ernesto Bertarelli beim gestrigen Rennen anfangs erhebliche Mühe, die Oracle-Yacht im Griff zu halten. Mit 2:34 Minuten Vorsprung gewann Alinghi schließlich das Rennen. Dabei hatte das US-Team zwischenzeitlich mit 55 Sekunden Vorsprung in Führung gelegen.

"Alinghi hat heute einfach besser gesegelt", erkannte der unterlegene Larry Ellison die Überlegenheit des Kontrahenten an. Auf die Frage, ob er denn beim nächsten America?s-Cup wieder dabei sein werde, sagte der 58-jährige Milliardär: "Auf jeden Fall."

Für den Deutschen Jochen Schümann ist der Sieg im Herausfordererfinale einer der größten Erfolge seiner Karriere. Nach drei olympischen Siegen, drei Weltmeistertiteln und neun Europameisterschaften. Der America?s-Cup wäre die Krönung seiner 30-jährigen Laufbahn. "Jetzt geht es erst richtig los", sagte Schümann selbstbewusst während der Siegerehrung, die von Kuhglockengeläut und Musik der Red Hot Chili Peppers begleitet wurde. Eine kleine Kampfansage hatte Schümann schließlich auch noch parat: "Neuseeland, wir sind bereit. Das wird ein tolles Finale."

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