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27.01.2005

11:07 Uhr

Amerikanische Ökonomen warnen beim WEF

"In den USA braut sich etwas zusammen"

VonH.-J. Knipper (C. Rabe und P. Schwarz, Handelsblatt)

Selten zuvor waren sich prominente Wirtschaftsexperten beim Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos so einig: Die Weltkonjunktur gibt dieses Jahr zu verhaltenem Optimismus Anlass, trotz des hohen Ölpreises. Nur noch ein Land macht Stephen Roach, dem Chefökonomen der US-Investmentbank Morgan Stanley, und seinen Kollegen Sorgen: die USA.

US-Ökonomen warnen beim World Economic Forum vor Risiken aus den USA. Foto: dpa

US-Ökonomen warnen beim World Economic Forum vor Risiken aus den USA. Foto: dpa

DAVOS/DÜSSELDORF. Roach: "Ich bin optimistisch für China und Indien, auch für Japan, und ich sehe sogar in Europa positive Entwicklungen. Aber in den USA braut sich etwas zusammen: Irgendwann wird der private Verbrauch zusammen brechen. Die Sparquote der Amerikaner ist zu niedrig."

Auf dem Podium, das sich Roach mit dem Vizechef des Versicherungskonzerns AIG, Jacob Frenkel, dem japanischen Professor Takatoshi Ito und Laura Tyson von der London Business School teilte, erntete der streitbare Amerikaner ungeteilten Beifall für diese Bemerkung. Frenkel machte auf ein weiteres US-Risiko für die Weltwirtschaft aufmerksam, das in seinen Augen bisher in Washington ignoriert wird: das ungebremst wachsende Haushaltsdefizit und das chronische Leistungsbilanzdefizit. Frenkel: "Wann hört die Musik auf zu spielen? Noch läuft die Musik, und sie wird weiter laufen, aber sie wird sich verändern. Länder, die heute die Lokomotive der Weltwirtschaft sind, werden zu Gezogenen. Und umgekehrt", sagte der AIG-Chef mit Blick auf die US-Konjunktur.

Alle vier Experten monierten zwar die von der US-Politik provozierten Ungleichgewichte auf den Weltwährungsmärkten - schwacher Dollar und starker Euro, Druck auf Renmimbi und Yen zur raschen Aufwertung - glaubten aber nicht, dass sich daran kurzfristig etwas ändert. Eine nachhaltig negative Wirkung auf den Dollar als die führende Reservewährung sahen sie nicht, auch wenn dem Euro zugetraut wird, künftig mehr in asiatische Währungsreserven zu fließen als bisher.

Die Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) dagegen, zu deren 31 Mitgliedern hauptsächlich hoch entwickelte Industriestaaten zählen, erwartet, dass der hohe Ölpreis das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr doch bremsen könnte. Auch der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Rodrigo Rato hat den Ölpreis immer wieder als größtes Risiko für die konjunkturelle Entwicklung bezeichnet. In diesem Jahr wird die Weltwirtschaft um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen, erwartet der IWF. Diese Wachstumsrate entspricht dem langfristigen Trend. 2005 war die Weltwirtschaft noch um fünf Prozent gewachsen - und damit so stark wie seit zwanzig Jahren nicht mehr.

Die negativen Auswirkungen des Ölpreises auf die gesamtwirtschaftliche Produktion und die Inflation sind zwar vergleichsweise gering. Ein um acht US-Dollar höherer Ölpreis bremst das weltweite Wirtschaftswachstum um rund einen halben Prozentpunkt, nennt der IWF eine Faustformel. Deutlich schwerer wiege allerdings, dass ein höherer Ölpreis das Vertrauensklima in der Wirtschaft verschlechtert, gibt die OECD zu Bedenken. Die Organisation erwartet, dass Ölpreis bis zum Jahresende 2006 auf 44 US-Dollar je Barrel (159 Liter) sinkt.



Seite 2: Der IWF warnt vor faulen Krediten in China

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