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27.01.2005

14:52 Uhr

Amnesty-Chefin Irene Khan über ihren Kontakt zu Unternehmen

"Wer nicht rechtzeitig mit uns arbeitet, zahlt einen hohen Preis"

VonDie Fragen stellte Joachim Dorfs, Handelsblatt

Amnesty-Chefin Irene Khan verrät im Interview, weshalb Firmen heute gezwungen sind, mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammenzuarbeiten - und warum sie immer öfter selbst den Dialog suchen.

HB DAVOS. Handelsblatt:Frau Khan, hat sich das Verhältnis von Unternehmen zu Nicht-Regierungsorganisationen in den letzten Jahren verändert?

Khan: Ja, eindeutig. Es gibt immer mehr Firmen, die offen mit Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) wie amnesty international zusammenarbeiten.

Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Die NGOs haben an Relevanz und Dialogbereitschaft gewonnen. Und immer mehr Firmen erkennen, dass sie gut damit fahren, nicht nur die Interessen der Aktionäre, sondern auch der anderen Stakeholder zu berücksichtigen. Es gibt nicht mehr viele Firmen oder Organisationen, die kategorisch den Kontakt mit der anderen Seite ablehnen.

Sind Unternehmen nicht vor allem dafür zuständig, Gewinn zu machen? Können Sie so nicht am besten ihre Rolle in der Gesellschaft erfüllen, weil nur erfolgreiche Unternehmen gute Arbeitgeber oder Steuerzahler sind?

Das Problem ist viel komplexer. Erstens haben Unternehmen heute viele Aufgaben übernommen, die früher staatlich waren, wie etwa die Strom- und Wasserversorgung. Daraus resultiert auch ein öffentlicher Anspruch. Das gilt umso mehr, als Unternehmen in Zeiten der Globalisierung eine ungleich größere Macht haben als früher. Und zweitens zählt bei Unternehmen, die langfristig orientiert sind, nicht nur der aktuelle Gewinn. Sie sorgen sich auch um ihren Ruf. Wer nicht rechtzeitig mit Nicht-Regierungsorganisationen zusammenarbeitet, zahlt mitunter einen hohen Preis.

Ein Beispiel?

Shell ist die Affäre um die Bohrinsel Brent Spar um die Ohren geflogen. Jetzt arbeiten sie eng mit Umweltgruppen zusammen. Und wir diskutieren mit Shell über Ölexploration in Ländern, in denen sie in Konflikt mit den Menschenrechten kommen könnten. Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen wie Union Carbide, die auch 20 Jahre nach dem schrecklichen Unfall in Bhopal, bei dem insgesamt rund 20 000 Menschen ums Leben gekommen sind, die Verantwortung dafür ablehen.

Sind Sie deshalb in Davos und nicht beim Weltsozialforum in Porto Alegre?

Ich glaube an den Dialog mit den Unternehmen. Die Themen in Davos und Porto Alegre sind aber gar nicht so unterschiedlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Letztlich geht es auf beiden Veranstaltungen um Stabilität und Sicherheit.

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