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28.06.2000

17:59 Uhr

An der Börse gelten Deutsche Telekom und France Télécom als potenzielle Sprint-Interessenten

Auch die EU-Kommission blockiert Fusion von Sprint und WorldCom

Die EU-Kommission hat erstmals einen Zusammenschluss von zwei US-Unternehmen mit verhindert. Der Rückzug der Fusionsanmeldung reichte den Wettbewerbshütern diesmal nicht aus.

dpa BRÜSSEL/NEW YORK. Nach der Klage des US-Justizministeriums gegen den Zusammenschluss der US-Telekom-Konzerne Sprint und WorldCom hat auch die EU-Kommission die Fusion blockiert. Die Wettbewerbsbehörden auf beiden Seiten des Atlantik befürchteten eine marktbeherrschende Stellung der beiden Telekomgesellschaften.
Zwar hatten die beiden Firmen ihre Fusionsanmeldung bei der EU vorher zurückzogen, aber das Vorhaben sei nicht abgebrochen worden und damit weiterhin rechtlich bindend, sagte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti am Mittwoch in Brüssel. "Wir haben nicht gesehen, dass die Fusionsvereinbarung zurückgenommen wurde." Erstmals habe die EU- Kommission einen Zusammenschluss von US-Konzernen verhindert, sagte Monti.

Am Dienstag hatte das Justizministerium in Washington Klage gegen die Megafusion im Wert von 115 Mrd. $ angekündigt, weil die Fusion wettbewerbsschädigende Auswirkungen im US-Ferngesprächs-, Internet- und Datennetzbereich habe. WorldCom, die zweitgrößte US- Ferngesprächsgesellschaft, wollte Sprint kaufen, die Nummer Drei der US-Ferngesprächsbranche. Die beiden Firmen wollen ihre Optionen in den nächsten Tagen prüfen, gaben sie bekannt.

Sprint bleibt als Fusionspartner attraktiv - für neue Interessenten An der Wall Street galt die Deutsche Telekom als möglicher Käufer eines der beiden Unternehmen. Das "Wall Street Journal" bezeichnete Sprint als "Branchenjuwel", das wahrscheinlich von jemand anderem weggeschnappt werden dürfte. Potenzielle Bieter sind nach Ansicht der Zeitung neben der Deutschen Telekom die France Télécom und die große US-Regionaltelefongesellschaft Bell South. Die "New York Times" glaubt, dass die Deutsche Telekom und Bell South die "wahrscheinlichsten Konsolidierungspartner sind, falls Sprint ledig bleiben sollte".



Die EU-Kommission wollte mit ihrem ungewöhnlichen Verbot nach Einschätzung von Beobachtern ein Zeichen setzen. Üblicherweise wird bei einer zurückgezogenen Anmeldung auf eine förmliche Kommissions- Entscheidung verzichtet. Die US-Konzerne können nun innerhalb von zwei Monaten vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen das Verbot klagen.
Monti sagte, das gemeinsame Unternehmen hätte eine marktbeherrschende Stellung besonders beim europäischen Internetzugang erreicht. "Die Fusion hätte dazu geführt, dass das Unternehmen so groß geworden wäre, dass sowohl Konkurrenten als auch Kunden abhängig gewesen wären." Das Angebot zum Verkauf des Internetgeschäfts von Sprint nannte Monti "nicht gut genug".

Es ist das 13. Verbot seit Beginn der europäischen Fusionskontrolle 1990. Die Kommission prüft Fusionen, wenn die Unternehmen weltweit zusammen mehr als fünf Mrd. Euro umsetzen. Dabei ist es unerheblich, wo die Unternehmen ihren Hauptsitz haben.

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