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28.02.2003

09:04 Uhr

An die Preisentwicklung gekoppelte Bonds haben sich gut entwickelt

Anleihen mit Inflationsschutz sind beliebt

VonAndrea Cünnen

Bei den Anlegern scheint das Schreckgespenst der Inflation in jüngster Zeit fast in Vergessenheit geraten. Doch seit der Ölpreis immer neuer Rekordhöhen erreicht und viele Regierungen mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen auf Pump die Wirtschaft ankurbeln wollen, gehen immer mehr Zinssparer auf Nummer Sicher.

FRANKFURT/M. Inflation ist derzeit nicht das große Thema an den Finanzmärkten. Dennoch sind Anleihen, deren Renditen an die Preissteigerungsraten gekoppelt sind, sehr gefragt. Diese speziellen Rentenpapiere mit Inflationsschutz haben sich in den vergangenen Monaten noch besser entwickelt als herkömmliche europäische Staatsanleihen.

Dabei erscheinen die Zinsen, die die die inflationsgeschützten Bonds bieten, auf den ersten Blick sehr niedrig zu sein. So bietet die zehnjährige französische Oatei-Staatsanleihe, die an den europäischen Verbraucherpreisindex - ohne Tabak - gekoppelt ist, derzeit nur eine Rendite von 1,95 %. Dafür können Anleger mit dieser realen Rendite fest rechnen, denn der Rückzahlungsbetrag der Anleihe wird ständig an die Inflationsrate angepasst. Bei der Mehrzahl herkömmlicher Anleihen wird dagegen der Kupon und der Einlösungskurs mit der Emission festgelegt. Das Risiko, dass die Preissteigerungsraten während der Laufzeit stark ansteigen und damit die reale Rendite sinkt, geht damit zu Lasten des Anleihebesitzers.

Aktuell sehen Experten diese Gefahr als gering an. Das Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt erwartet zum Beispiel, dass die Verbraucherpreise in der Euro-Zone auf Jahressicht nur moderat um 1,8 % steigen werden. Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) rechnet sogar mit einem noch geringeren Wert von 1,2 %. Dennoch ist es zuletzt geradezu zu einem Run auf inflationsgeschützten Papiere gekommen.

Gregor Beckmann Rentenanalyst bei HSBC erklärt dies mit der Angst der Anleger vor einem weiter steigendem Ölpreis und dem größeren Konjunkturpessimismus. Sollte sich jedoch die Irak-Krise schnell entspannen, dürfte sich der Trend schnell wieder umkehren und inflationsgebundene Anleihen ins Abseits drängen. Daniel Pfändler von DKW meint, dass derzeit eine höhere als die zu erwartende Inflationsrate in den inflationsgebundenen Emissionen, den so genannten "Inflation Linker", eingepreist ist. Er rechnet deshalb mit fallenden Kursen dieser Bonds.

Für Anleger, die ganz auf Nummer Sicher gehen wollen, hält Beckmann die Papiere mit eingebautem Inflationsschutz aber auch jetzt schon für sehr geeignet. Auch Eberhard Unger, Finanzanalyst in Frankfurt, empfiehlt diese speziellen Anleihen, denn er geht davon aus, dass die Teuerungsraten in den nächsten 12 bis 24 Monaten steigen werden. "Dann sind Anleger mit inflationsgeschützten Bonds im Depot die lachenden Dritten", sagt Unger.

Für besonders empfehlenswert hält er die neue Anleihe der staatlichen französischen Reseau Ferre de France (RFF) mit Laufzeit von 20 Jahren. Diese bietet eine Rendite von 2,45 % und damit mehr als zehn Jahre länger laufende französische Staatsanleihen mit Inflationsschutz. Dabei sei RFF als genau so sicherer Emittent zu bewerten wie der französische Staat. RFF hat die Anleihe zur Finanzierung der französischen Eisenbahn begeben.

Insgesamt machen Anleihen mit Inflationsschutz bislang nur einen recht kleinen Anteil am Bondmarkt aus. Die meisten Emittenten von " Inflation Linker" kommen aus den USA, gefolgt von Großbritannien und Frankreich. Die Anleihen sind meist an die Inflationsrate des jeweiligen Landes gekoppelt. Frankreich hat jedoch vor zwei Jahren damit begonnen, Bonds zu begeben, an die Inflationsrate der Euro-Zone gebunden sind. Solche Papiere gibt es inzwischen auch von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Europäischen Investitionsbank (EIB). Von der Bundesrepublik selbst werden derzeit noch keine Anti-Inflations-Anleihen erwartet. Pläne gibt es allerdings aus Italien und den Niederlanden.

Eine bittere Pille indes müssen deutsche Anleger schlucken, wenn sie Rentenpapiere mit Kaskoschutz kaufen: Der Fiskus betrachtet sie bislang als Finanzinnovationen. Das heißt, neben dem laufenden Zinsertrag wird der Rückzahlungsgewinn vollständig dem persönlichen Steuersatz unterworfen. Schwacher Trost: Nach den Plänen des Bundesfinanzministeriums sollen Kursgewinnen in Zukunft ja nur noch mit 15 % besteuert werden.

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