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05.01.2001

16:34 Uhr

Analyse

Microsoft macht die Spieler heiß

VonFrank G. Heide

Für Videospieler brechen bald goldene Zeiten an: Die verschärfte Konkurrenz zwischen Sony, Sega, Nintendo und Microsoft wird auf dem milliardenschweren Marktsegment die Preise purzeln lassen.

DÜSSELDORF. Jetzt wird es endgültig eng auf dem hart umkämpften Videospiele-Sektor. Monatelang gab es nur Mutmaßungen um den endgültigen, massiven Einstieg des Softwaregiganten Microsoft auf den Milliarden-Dollar-Markt der Electronic Games. Nun verdichten sich diese Gerüchte anlässlich der in Las Vegas (ab dem 6. Januar) stattfindenden Fachmesse Consumer Electronics. Angeblich wird Bill Gates in seiner Key Note-Ansprache am Eröffnungstag die XBox vorstellen, eine Konsole, die von den Leistungsdaten her, alles bisher gesehene in den Schatten stellt.

Der Zeitpunkt der Präsentation ist bewusst und geschickt gewählt worden: Fans der Konkurenz-Konsole N 64 schweben schon lange in der Warteschleife - Nintendos Nachfolgemodell Gamecube soll erst im nächsten Frühjahr in Europa an den Start gehen. Hauptkonkurrent und Marktführer Sony hat durch ungeschickte Mengen- und Auslieferungspolitik die durchaus kaufbereite Spielergemeinde verärgert. Wer bereit war, für eine PS 2 samt Zubhör rund 1 000 Mark auf den Tisch zu legen, hatte schon vor Weihnachten in Deutschland meist kein Glück.
Last but not least hat der dritte Konkurrent, Sega, mit Dreamcast zwar die erste wirklich internetfähige - und dazu noch preiswerte - Konsole am Start, doch deren graphische Leistungsfähigkeit sowie die begrenzte Titelauswahl lassen Spielerherzen kaum höher schlagen.

Auch Nintendo kämpft, trotz des seit Monaten bei den Kids grassierenden Pokémon-Fiebers, derzeit mit Absatzproblemen. Nach eigenen Angaben der Japaner, deren Videospiele weltweit bereits mehr als eine Milliarde Käufer gefunden haben, lässt sich die Software für den N 64 nur noch schwer über die Ladentheken bringen. Der Grund: Spielernaturen warten auf den Gamecube, das laut Firmenangaben "leistungsstärkste Videospielsystem aller Zeiten", und den neuen Gameboy Advance. Beide Produkte sollen in Europa im nächsten Jahr an den Verkaufsstart gehen.

Konsolenhersteller Sega hatte seine 128-Bit-Dreamcast bereits 1999 auf den Markt gebracht. Genutzt hat der Vorsprung jedoch nichts. Der Absatz blieb hinter den Erwartungen zurück. Nach einem Fiasko beim Vorläuferprodukt Saturn schon der zweite Flop. Über eine Einstellung des Sega-Konsolengeschäfts wird in der Branche schon spekuliert.

Nintendo muss, um zukünftig mithalten zu können vor allem versuchen, sein Image zu verbessern. Das dürfte schwer werden, denn die poppigen Spiele auf den bisherigen Konsolen waren meist für die jüngeren Teens konzipiert. Man kämpft - Pokemon und Super-Mario sei "Dank" - mit dem Ruf, Konsolen für Kinder zu produzieren. Bei den über 18-Jährigen hat Sony ganz klar die Nase vorn, was zum großen Erfolg seiner Play Station One geführt hat. Auch die Play Station wurde vorwiegend von jungen Leuten mit eigenem Einkommen gekauft. Nur so ließ sich der Grundpreis von 869 DM durchsetzen. Will Nintendo bald den bestimmt nicht ganz billigen Gamecube absetzen, muss man ebenfalls die kapitalkräftigere Zielgruppe ansprechen.

Doch genau da setzt der Softwareriese aus Redmond schon jetzt den Hebel an: Viele derjenigen, die noch auf die PS 2 oder den Gamecube warten wollten, werden wohl bald der Versuchung unterliegen, und in die technisch überlegene XBox investieren. Doch auch sie werden sich gedulden müssen: Vor dem 1. Quartal 2002 ist ein Verkaufsstart in Europa nicht geplant.

Ein neues Gerät alleine garantiert allerdings keinen Markterfolg: Menge und Qualität der Videospiele, die zum Verkaufsstart der Konsole ebenfalls in den Regalen der Händler liegen sollten, müssen die Spieler überzeugen. Doch Microsofts bisherige Ankündigungen lassen spannende Entwicklungen erwarten: Über 150 Softwareentwickler, darunter Activision, Bandai, Blue Byte, Eidos, Sierra, Infogrames, Bungie und vor allem Marktführer Electronis Arts haben bereits im September ihre Unterstützung für die XBox angekündigt.

Über Geduld verfügen zwar die wenigsten Videospieler, ebensowenig wie über Markentreue. Doch abwarten könnte sich jetzt lohnen. Die Preise sinken, wenn der Wettbewerb anzieht.

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