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11.07.2000

21:11 Uhr

Analyse

Partnertausch möglich: UMTS-Bewerber suchen Alternativen

VonWolfgang Gillmann

Je näher der Termin der Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland rückt, desto größer wird die Spannung. Wer wird das Rennen machen.

Je näher der Termin der Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland rückt, desto größer wird die Spannung. Galt die Teilnahme am Wettbewerb um eine Lizenz für den Mobilfunkmarkt der dritten Generation bis vor kurzem noch als Pflicht, so ist jetzt bei vielen Beteiligten Grübeln angesagt. Die Telefongesellschaften überlegen, ob es wirklich sein muss, so viel Geld auszugeben, um am künftigen Mobilfunkmarkt teilzunehmen. Alternativen werden gesucht. Und beim Finanzministerium sorgt man sich, dass der erwartete Geldsegen geringer ausfallen dürfte als erwartet.



Angemeldet zur Auktion am 31. Juli in Mainz hatten sich ursprünglich zwölf Bewerber für die in vier bis sechs Pakete aufgeteilten Lizenzen. Der künftige Mobilfunkmarkt versprach durch schnellen Zugriff auf das Internet und zahlreiche Multimediaanwendungen glänzende Geschäfte. Doch seit der Auktion in Großbritannien, wo die Lizenzen für insgesamt 75 Milliarden Mark vergeben wurden, ist Nüchternheit bei den Mobilfunkern eingekehrt. Viele haben ihre Businesspläne noch einmal überprüft und errechnet, dass sich bis zu 20 Milliarden Mark für eine Lizenz nicht lohnen werden, zumal noch einmal jeweils bis zu zehn Milliarden Mark in den Netzaufbau investiert werden müssten.



Seitdem bröckelt das Feld der Bewerber. Talkline, Vivendi und Worldcom haben bereits die Segel gestrichen, von weiteren Wackelkandidaten ist in der Gerüchteküche in täglich neuen Varianten die Rede. Denn auch bei nur noch acht Bewerbern um maximal sechs Lizenzen ist die Bieterschar äußerst heterogen zusammengesetzt. Von den Marktführern T-Mobil und Mannesmann D2 wird angenommen, dass sie auf jeden Fall eine Lizenz haben wollen. Sie brauchen ohnehin neue Kapazitäten und werden angesichts ihrer hohen Teilnehmerzahl auch relativ schnell ihre Kunden für die neuen Dienste begeistern können. Spekuliert wird bereits, ob sie sich um mehr Lizenzen bewerben werden, als sie eigentlich brauchen, um die Preise hochzutreiben und Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen.



Anders ist die Lage bei E-Plus und Viag Interkom. Ihnen fehlen noch die Kunden, und sie verfügen auch nicht über die nötige Finanzkraft. Überdies verliert E-Plus zurzeit Marktanteile. Für E-Plus käme ein Partner wie Hutchison wie gerufen. Der Telekom-Konzern aus Hongkong verfügt über das nötige Kapital und will auch nach Europa expandieren. Eine Kooperation mit einem Partner, der bereits am Markt eingeführt ist und über einen festen Kundenstamm verfügt, könnte für beide Seiten die Kosten senken und die Zeit, bis die Investitionen wieder verdient sind, erheblich verkürzen. Ähnliche Überlegungen werden dem Bewerber Debitel, der mit dem Partner Swisscom ins Feld zieht, und dem Konsortium von Telefónica und Sonera unterstellt. Neue Konstellationen sind bis kurz vor Beginn der Versteigerung noch möglich.



Es könnte also sein, dass die Zahl der Bieter bis zum Auktionsbeginn weiter schrumpft, die Veranstaltung selbst relativ unspektakulär wird und die Lizenzen billiger ausfallen. Dies könnte der Attraktivität des künftigen Mobilfunkstandards sogar gut tun. Denn hohe Preise für die Lizenzen würden hohe Anfangspreise für die Nutzung dieser Dienste bedeuten und könnten die Kundenzahl zumindest in der ersten Zeit kleiner ausfallen lassen.

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