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09.01.2001

18:47 Uhr

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NEW YORK. Der Online-Buchhändler Amazon.com Inc. erwartet für das vierte Quartal 2000 einen um 42 % höheren Umsatz als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Analysten befürchten allerdings für die Zukunft ein wesentlich langsameres Umsatzwachstum für das Unternehmen.

Im vierten Quartal - wegen des Weihnachtsgeschäftes dem wichtigsten des Jahres - werde Amazon etwa 960 Mill. $ umsetzen, gab das Unternehmen aus Seattle im US-Bundesstaat Washington bekannt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 676 Mill. $ gewesen. Der Online-Händler kündigte einen voraussichtlichen operativen Verlust von weniger als 67 Mill. $ an. Das sind 7 % des Umsatzes; im Vorjahreszeitraum lag der Wert noch bei 26 %. Fragen der Analysten, woher das deutlich bessere Verhältnis kam, beantwortete Finanzchef Warren Jenson nicht. Einige vermuten, dass es nicht das Ergebnis von mehr Effizienz im Geschäft selbst ist, sondern das einer Senkung der variablen Kosten etwa für Marketing. Jenson wollte nicht sagen, ob der Konzern die Marketingausgaben in den Monaten Oktober bis Dezember zurückgefahren habe.

Amazon hatte für das vierte Quartal einen Umsatz zwischen 950 Mill. $ und 1,05 Mrd. $ vorhergesagt. Mit dem vorläufigen Ergebnis von 960 Mill. $ hat der Umsatz das untere Ende der Prognose knapp überschritten. Die ersten Reaktionen der Analysten war gemischt. "Technisch gesehen lagen sie zwar richtig mit ihrer Prognose, aber aus meiner Sicht lagen sie daneben", kommentierte etwa Scott Reamer vom Investmenthaus SG Cowen Securities. Er hatte - wie viele seiner Kollegen - mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar gerechnet.

Lauren Cooks Levitan von Robertson Stephens sagte dagegen: "Insgesamt, denke ich, werden die Leute erleichtert sein; denn viele haben ein absolutes Desaster erwartet." Nun müsse das Unternehmen vor allem den institutionellen Anlegern einen wirklichen Grund geben, die Aktie wieder zu kaufen. "Daran fehlt es meiner Meinung nach noch", fügte die Analystin hinzu.

Die Beobachter von Goldman Sachs, Robertson Stephens und Salomon Smith Barney stuften den Wert am Dienstag herunter.

Viele Anleger hatten erwartet, dass Amazon die Vorgaben nicht erreichen wird, denn von den Online-Händlern kamen in letzter Zeit vor allem schlechte Nachrichten. So hatte der Spielzeughändler Etoys Inc. angegeben, die Weihnachtsumsätze seien nur halb so hoch ausgefallen wie erhofft.

Kaum beeindruckt zeigten sich Analysten von der Ankündigung, Amazon starte ins neue Jahr mit liquiden Mitteln in Höhe von 1,1 Mrd. $, also 100 Mill. $ mehr als ursprünglich angenommen. Der Wert werde drastisch sinken, wenn die Lieferanten bezahlt würden, hieß es. Viele Beobachter sagen, wichtiger wäre, was am Ende des ersten Quartals davon übrig bleibt.

Amazon gab weiter bekannt, dass der Umfang einer durchschnittlichen Bestellung im Vergleich zum vierten Quartal 1999 um ein Viertel auf 58 $ gestiegen sei. Außerdem hätten mehr als 35 % der Kunden andere Waren als Bücher, CD und Videos gekauft - ein Indikator für die Fähigkeit des Internet-Händlers, auch außerhalb seines Kerngeschäfts Kunden zu gewinnen und so zu expandieren. Die vollständigen Quartalszahlen wird das Unternehmen am 30. Januar bekannt geben.

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