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07.01.2003

09:01 Uhr

Analysten enttäuscht

Einzelhandelsumsätze überraschend eingebrochen

Der ohnehin gebeutelte deutsche Einzelhandel hat mit einem unerwarteten Einbruch seiner Umsätze im November einen neuen Rückschlag erlitten. Volkswirte und der Branchenverband HDE machten die Steuerpläne der Regierung für die Zurückhaltung der Verbraucher verantwortlich.

Reuters BERLIN. Der Umsatz sei inflationsbereinigt (real) um 6,0 % zum Vorjahresmonat gefallen, das nominale Minus habe 6,3 % betragen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag auf Basis vorläufiger Daten mit. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem realen Rückgang um 1,2 % gerechnet. An der Frankfurter Börse reagierten Einzelhandelsaktien mit Verlusten auf die Daten.

"Der Schock der Steuer- und Abgabenerhöhungen ist den Verbrauchern tief in die Glieder gefahren", sagte Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE). Allein von Oktober auf November sank der Umsatz real um 3,2 % und nominal um 3,3 % - Analysten hatten hier sogar ein leichtes Plus erwartet. Die Umsätze waren damit deutlich schwächer als die pessimistischste Prognose in der Reuters-Umfrage.

Auch Daten der Bundesbank, die den Handel mit Autos und Tankstellen einschließen, bestätigten die Sparsamkeit der Verbraucher. Im Monatsvergleich sank der reale Umsatz um 3,9 und im Jahresvergleich um 5,7 %.

Daten zum Weihnachtsgeschäft mit Spannung erwartet

Pellengahr sagte, für den starken Rückgang im November sei auch verantwortlich, dass der Vorjahresmonat vergleichsweise stark gewesen sei. Der Einzelhandelsexperte Andreas Scheuerle von der DekaBank warnte ebenfalls vor einer Überinterpretation der Daten: "Die Zahlen sind sehr volatil, weil so viele Sonderfaktoren wie zum Beispiel das Wetter eine große Rolle spielen."

Die Experten warten nun mit großer Spannung auf die Umsätze im Weihnachtsgeschäft, die in einem Monat veröffentlicht werden. Der HDE rechnet mit einem weiteren Umsatzrückgang, der aber nicht so stark ausfallen dürfte. "Im Weihnachtsgeschäft sind wir wohl noch einigermaßen glimpflich davongekommen", sagte Pellengahr. Scheuerle zeigte sich dagegen skeptisch: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass da gute Zahlen auf uns zukommen."

In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres belief sich das Umsatzminus im Einzelhandel dem Statistischen Bundesamt zufolge auf real 2,5 und nominal 2,9 %.

Branche sieht einem schweren Jahr entgegen

Nach einem schwierigen Jahr 2002 ist derzeit für die Branche noch keine Besserung in Sicht. "Im Januar könnte uns noch einmal eine Negativüberraschung bevorstehen, wenn die Leute sehen, wie wenig Geld ihnen wirklich im Geldbeutel bleibt", sagte Scheuerle. Der HDE hatte erst am Freitag für das neue Jahr einen Umsatzrückgang von real 1,5 % vorhergesagt, nachdem er im Oktober noch von minus 0,5 % ausgegangen war. Vor dem Herbst erwartet der HDE, der 2002 als schwächstes Jahr der Nachkriegszeit bezeichnet hatte, keine Trendwende. Auf den privaten Konsum entfallen rund 60 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Fast alle Sparten des Einzelhandels verzeichneten im November ein Umsatzminus zum Vorjahr. Lebensmittelgeschäfte mit einem breiten Sortiment wie Supermärkte mussten einen Rückgang von real 6,2 % verbuchen. Besonders deutlich fiel der Rückgang in Textilien- Bekleidungs- und Schuhgeschäften aus, wo das Minus rund neun Prozent betrug. Einzig der Facheinzelhandel mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten sowie Apotheken verbuchte einen Umsatzzuwachs um real 4,2 % - der Verkauf von Kosmetika nimmt oftmals in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche zu.

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