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12.06.2000

20:05 Uhr

Analysten erwarten robusteren Euro

Die USA sorgen für Spannung an den Kapitalmärkten

VonM. MAISCH, A. REZMER

Die Zinsfrage wird die Finanzmärkte weiter in Atem halten. Zwar haben die Währungshüter im Euroraum erst einmal für Ruhe gesorgt, doch in den USA fürchten die Analysten weitere Zinsschritte. Den deutschen Aktienmarkt sehen die Experten eher optimistisch. Beim Blick auf die Wall Street kommt dagegen Skepsis auf.

FRANKFURT/M. Mit der Anhebung der Leitsätze um 50 Basispunkte und dem Übergang zum Zinstender hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Anleger in der vergangenen Woche zwar überrascht aber nicht geschockt. Obwohl steigende Zinsen für Dividendentitel in der Regel Gift sind, sehen viele Marktteilnehmer gute Chancen für den Deutschen Aktienindex (Dax). Die Optimisten gehen davon aus, dass an der europäischen Zinsfront jetzt erst einmal Ruhe einkehren wird.

Die Entscheidung der EZB könne dem Aktienmarkt zusätzliche Impulse geben, glauben die Analysten der DG Bank. Der deutliche Zinsschritt besänftige anders als in den USA die Zinssorgen und verbessere die Perspektiven für eine Euro-Aufwertung. Damit werde Euroland auch für internationale Anleger wieder attraktiver. Die DG Bank würde deshalb ein Anlauf des Dax in Richtung 7 600 Punkte "nicht überraschen". Die Commerzbank sieht ebenfalls mittelfristig gute Gewinnchancen. Auf kurze Sicht rechnen die Analysten allerdings mit einer Seitwärtsbewegung. Gleichzeitig warnen sie vor heftigen Kursschwankungen. Denn in den USA drohten weitere Zinserhöhungen, da die erhoffte Abschwächung der US-Konjunktur noch lange keine Tatsache sei.

Für empfehlenswert hält das Institut Titel wie SGL Carbon oder DePfa-Bank. Auch die Bankgesellschaft Berlin rät wegen der Zinsunsicherheiten in USA zu einer "defensiven" Strategie. Die anziehende Konjunktur in Europa biete aber Chancen für Zykliker. Auf der Empfehlungsliste führt das Institut unter anderem MAN, Henkel und Thyssen-Krupp. Skeptisch blickt die Investmentbank J.P. Morgan auf die Wall Street. Die Analysten erwarten sinkende Unternehmensgewinne, eine anziehende Inflation und stagnierende bis steigende Renditen am Rentenmarkt. Daher sehen sie den S & P-500-Index um 20 % überbewertet.

Der Anleihemarkt dürfte sich weiter in schwacher Verfassung zeigen. Bereits nach der EZB-Zinserhöhung sackten die Kurse vor allem bei kurzen Laufzeiten. Zwar wirke der überraschend hohe Zinsschritt beruhigend auf den Markt, weil die Sorge vor weiteren Leitzinserhöhungen abgemildert wurde. Doch der Übergang zum Zinstender (Seite 35) gewährt Marktkräften mehr Spielraum, was Unruhe schafft.

Kurzfristig erwartet die DG Bank eine Seitwärtsbewegung der kurzfristigen Papiere. Titel mit langen Laufzeiten könnten dagegen von Kursverlusten der US-Bonds belastet werden. Auch CDC Marchés rechnet mit sinkenden Kursen am langen Ende, weil die Märkte den Rückgang des Angebotes von langfristigen Staatstiteln überschätzt haben könnten. Dennoch werde sich die Zinsstrukturkurve in begrenztem Ausmaß weiter verflachen.

Auf die Kurse drücken könnten ferner umfangreiche Eurobond-Neuemissionen in dieser Woche. Am US-Rentenmarkt dürften die Bären den Ton angeben. Eine Reihe neuer Konjunkturdaten könnten den Zinsoptimismus wieder dämpfen, meint die DG Bank. Sowohl die Einzelhandelsumsätze (Dienstag) als auch die Verbraucherpreise (Mittwoch) dürften im Mai angezogen haben. Über die Entwicklung auf der Produzentenseite hingegen - Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung (Donnerstag) - sind sich die Experten nicht einig. Aufschluss über die geldpolitische Strategie erhofft man sich vom Beige Book der US-Notenbank, das für Mittwoch angekündigt ist.

Der Euro dürfte sich nach Ansicht vieler Bankanalysten weiter behaupten. Zum einen spreche das positive technische Umfeld für einen Kurs oberhalb der Marke von 0,95 $. Zum anderen stärke die Aussicht, dass sich der Wachstumsrückstand gegenüber den USA verringere, die Gemeinschaftswährung. Mit einem Kurssprung wie in der vergangenen Woche sei allerdings nicht zu rechnen. Mit Blick auf die US- Verbraucherzahlen haben sich Käufer bereits am Wochenende zurückgehalten.

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