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08.01.2003

08:04 Uhr

Analysten erwarten vorerst keine Trendwende in der amerikanischen Finanzbranche

2003 wird für US-Banken ein hartes Jahr

VonTorsten Riecke

Im Massengeschäft verdienen US-Kreditinstitute gutes Geld. Das Investmentbanking liegt indes am Boden. Das galt 2002 - und Experten erwarten für dieses Jahr Ähnliches. Einige sorgen sich um faule Firmenkredite.

NEW YORK. Sandy Weill und Bill Harrison würden die vergangenen zwölf Monate am liebsten vergessen. Die Konzernchefs der beiden größten US-Banken Citigroup und JP Morgan Chase sind nach einem völlig verkorksten Jahr 2002 vom US-Wirtschaftsmagazin "Business Week" zu den schlechtesten Managern des Jahres gewählt worden. Symptom einer Bankenkrise in den USA? Keineswegs. Die Investmentagentur Morningstar kürte gerade James Dimon, Chef der Regionalbank Bank One in Chicago, zum besten US-Manager des Jahres.

Dieser scheinbare Widerspruch spiegelt die Lage der US-Geschäftsbanken zum Jahreswechsel wider. Die großen Wall-Street-Firmen litten 2002 unter Skandalen, der Börsenflaute und der desolaten Situation im Investmentbanking. Regionalbanken wie Bank One, die sich auf das Massengeschäft mit Kreditkarten, Verbraucherkrediten und Hypothekendarlehen konzentrieren, stehen dagegen vergleichsweise gut da.

Bei den Universalbanken Citigroup und JP Morgan verläuft die Trennlinie zwischen Erfolg und Misserfolg mitten durch die Institute. Das einst verpönte Massengeschäft glich dort Pleiten, Pech und Pannen im Investmentbanking aus. "Die großen Banken werden weiterhin unter den gleichen Problemen leiden", sagt Tanya Azarchs, Bankanalystin bei der Ratingagentur Standard & Poor?s. Sie sieht im neuen Jahr steigende Kreditrisiken aus dem Energiesektor auf die Finanzbranche zukommen. Im Jahr zuvor belasteten vor allem Kreditausfälle in der Telekommunikations- und Kabelindustrie die Banken. Allerdings konzentrierte sich das Problem auf wenige große Institute - mit Citigroup und JP Morgan an der Spitze.

Die Kreditversicherung Federal Deposit Insurance Corp (FDIC) bescheinigt den US-Banken insgesamt eine gesunde Kapitalbasis und eine relativ geringe Zahl fauler Kredite. Trotz der hohen Verschuldung der Privathaushalte halten sich die Kreditausfälle im Privatkundengeschäft bislang in Grenzen. Zu verdanken ist das in erster Linie dem Boom auf dem Immobilienmarkt. Er hat vielen Amerikanern, die Hausbesitzer sind, ein Finanzpolster beschert.

Wenig Hoffnung auf eine durchgreifende Besserung gibt es im Investmentbanking. Die Ratingagentur Fitch sagt für 2003 eine Stagnation der Einnahmen voraus und begründet dies mit den Risiken eines Irak-Krieges für die Aktienmärkte. Darüber hinaus leide die Branche weiterhin unter den in den 90er Jahren aufgebauten Überkapazitäten und der schleppenden gesamtwirtschaftlichen Erholung in den USA.

"Zudem werden die Privatanleger nicht zurückkehren, bis das Vertrauen in eine effektive Kontrolle der US-Kapitalmärkte wieder hergestellt ist", argumentiert Fitch-Analystin Eileen Fahey. Neben den branchenweiten Problemen kämpfen die Großbanken auch mit hausgemachten Schwierigkeiten:

>> Beispiel Citigroup: die Bank verdient dank ihres Massengeschäfts glänzend. Die Investment-Tochter Salomon Smith Barney hat jedoch durch zahlreiche Skandale ihren Kredit bei den Kunden verspielt.

>> Beispiel JP Morgan: Konzernchef Harrison gab bislang keine überzeugende Antwort auf die Frage, warum JP Morgan und Chase vor drei Jahren fusionieren mussten.

>> Beispiel Morgan Stanley: Bank-Chef Philip Purcell ist zu zögerlich auf die Kostenbremse getreten und muss seit neun Quartalen einen Gewinnrückgang hinnehmen.

>> Beispiel Goldman Sachs: Kräftiges Sparen hat die reine Investmentbank 2002 vor Schlimmerem bewahrt. Eine darüber hinaus gehende Strategie für die anhaltende Dürrezeit im Geschäft mit Emissionen, Wertpapierhandel und Fusionen ist nicht zu erkennen.

Angesichts dieser ungelösten Probleme dürften Citigroup-Chef Weill, JP Morgan-Boss Harrison und ihre Kollegen an der Wall Street schon zufrieden sein, wenn sie Ende 2003 nicht erneut auf der Titelseite von "Business Week" erscheinen.

Quelle: Handelsblatt

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