Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2000

21:55 Uhr

Handelsblatt

Analysten: Günstige Lizenzen gut für Netzbetreiber

VonAnke Rezmer, Ulf Sommer

Analysten sind mit Blick auf die deutsche UMTS-Versteigerung vorsichtig optimistisch für die Aktien der Netzanbieter. Wichtig sei, dass es nicht zu einem Kaufrausch wie in Großbritannien komme. Danach sieht es bisher nicht aus. Von billigeren Lizenzen dürfte der kleinere Anbieter Mobilcom besonders profitieren.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Nach den ersten Versteigerungsrunden zeichnet sich bei der deutschen UMTS-Auktion ein Verlauf wie vor einigen Wochen in den Niederlanden ab. Dort hatte die Regierung mit 5,2 Mrd. DM nur knapp ein Drittel des erhofften Betrages eingenommen. Ein Kaufrausch wie bei der britischen Versteigerung im Frühjahr, als umgerechnet 70 Mrd. DM gezahlt wurden, zeichnet sich bislang nicht ab. In den Aktienkursen seien Lizenzpreise zwischen 60 bis 80 Mrd. DM enthalten, meinen viele Analysten. "Wenn in Deutschland die Gesamtsumme unter 60 Mrd. DM bleibt, werden die Telekomfirmen insgesamt profitieren", sagt Robert Vinall von der DG Bank.

Bankexperten halten die Aktien der beteiligten Netzbetreiber mit Blick auf das Auktionsverfahren überwiegend für fair bewertet. Am besten positioniert seien Anbieter mit eigenem Netz und größerer Kundenbasis im Mobilfunkmarkt wie Deutsche Telekom und Vodafone Airtouch.

Mehrheitlich wird erwartet, dass fünf neue Mobilfunklizenzen vergeben werden. Dabei dürften T-Mobil und Mannesmann Mobil je drei Frequenzblöcke für jeweils insgesamt 16 bis 20 Mrd. DM ersteigern, sagt Carsten Römheld von der Commerzbank-Fondsgesellschaft Adig. Ferner kämen E-Plus, Viag Interkom und Mobilcom zum Zuge, die für je zwei Frequenzblöcke 10 bis 14 Mrd. DM bezahlen dürften.

Wenn allerdings überraschend nur insgesamt knapp 40 Mrd. DM ausgegeben werden müssten, beflügele dies die Kurse der Netzbetreiber, sagt Ralf Oberbannscheidt vom Deutsche-Bank-Fondshaus DWS. Je billiger die Lizenzen, desto schneller könnten die Betreiber mit dem Ausbau der Infrastruktur beginnen, ergänzt Frank Heise von der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment. Für die Verbraucher bedeutete dies geringere Grundgebühren. Firmen mit hohem Mobilfunkanteil wie Vodafone oder Mobilcom dürften von billigen Lizenzen überdurchschnittlich profitieren. Mobilcom hilft nach Ansicht von Vinall auch seine vergleichsweise geringe Größe: "Da wirkt sich eine Ersparnis um ein paar Milliarden erheblich stärker als bei der großen Deutschen Telekom aus." Ohnehin gehört Mobilcom für viele Analysten zu den aussichtsreichsten Titeln: Bislang ohne eigenes Netzwerk ausgestattet, dürfte es dem Anbieter mit dem starken Partner France Télécom dank UMTS gelingen, seine Kunden in die dritte Handy-Generation hinüber zu ziehen, meint Römheld.

Für den als unwahrscheinlich eingestuften Fall, dass deutlich über 120 Mrd. DM ausgegeben werden müssen, erwarten Analysten Druck auf die Kurse. Holger Grawe von der WestLB sieht den fairen Wert für eine von insgesamt fünf Lizenzen zwischen 8,75 und 10 Mrd. DM. "Zahlt beispielsweise die Deutsche Telekom am Ende erheblich mehr oder aber weniger, schlägt das entsprechend auf den Kursverlauf." Unter Druck könne ein Kurs eines großen Anbieters auch geraten, wenn er überraschend nicht zum Zuge komme, meint Römheld.

Deutliche Kursphantasie enthielten die Mobilfunk-Ausrüster, meinen Analysten. Dazu gehörten Nokia, Ericsson, Nortel, Lucent Technologies, Motorola und Qualcomm. In ihren Kursen seien die Wachstumschancen der dritten Handy-Generation noch nicht enthalten, sagt Heise. Würden die Lizenzen billiger, folge ein Run auf Ausrüster: "Dann profitiert, wer schnell liefern kann."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×