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29.01.2001

21:14 Uhr

Reuters BERLIN/FRANKFURT. Die Bundesregierung hält trotz der vom Internationalen Währungsfonds (IWF) reduzierten Konjunkturprognose für die Weltwirtschaft an ihren bisherigen Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland fest. "Wir bleiben dabei, was wir früher gesagt haben. Wir erwarten eine leichte Abschwächung in 2001 auf 2,75 %", sagte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) am Montag in Frankfurt. Zuvor hatte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums in Berlin gesagt, es bleibe bei der Prognose, dass das Wachstum in diesem Jahr "am unteren Ende von 2,75 %" liegen werde. Analysten bezeichnen diese Wachstumserwartung als sehr optimistisch und halten eine Revision nach unten nur für eine Frage der Zeit.

Der IWF hatte am Wochenende seine Erwartung für das Wachstum der Weltwirtschaft in 2001 auf 3,5 von bisher 4,2 % gesenkt. Der stellvertretende IWF-Direktor Stanley Fischer hatte beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Revision der Wachstumsprognose mit der sich rapide abkühlenden US-Konjunktur begründet. Für die USA rechnet der IWF Fischer zufolge in diesem Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,5 %. Für Ralph Solveen, Analyst bei der Commerzbank, ist diese Ankündigung Fischers keine überraschend neue Nachricht. Banken und Forschungsinstitute hätten ihre Wachstumsprognosen bereits viel früher nach unten revidert. "Wegen des hohen internen Abstimmungsbedarfs des IWF, hängt er mit seinen Prognosen immer etwas hinterher", sagte Solveen. Die Commerzbank gehe für dieses Jahr weiter von einem Wachstum in Deutschland von 2,5 % aus. Die Schätzung der Bundesregierung bezeichnete Solveen als sehr optimistisch. "2,75 % werden wir wohl nur erleben, wenn sich die Steuerreform bereits im ersten Quartal spürbar fördernd auf Konsum und Investititonen auswirkt", sagte er.

Müller hält die im Vergleich zu den Schätzungen der Bundesregierung niedrigeren Wachstumsprognosen vieler Analysten für übertrieben pessimistisch. "Prognosen sind immer mit Unsicherheit behaftet, aber warum soll man sich nur auf die negativen Risiken konzentrieren und das Positive nicht sehen", sagte er. Der Wirtschaftsminister geht davon aus, dass der Ölpreis im Jahresmittel nicht über 30 $ pro Barrel (159 Liter) steigt. Derzeit kostet ein Barrel der marktführenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im März knapp 27 $.

Eine Revision der Wachstumsprognose der Bundesregierung ist für Hans-Jürgen Meltzer, Analyst bei Deutsche Bank Research, nur eine Frage der Zeit. Auf die IWF-Prognosekorrektur habe die Regierung jedoch nicht reagieren können, da sich der Jahreswirtschaftsbericht mit der darin enthaltenen Schätzung von 2,75 % vermutlich bereits in Druck befinde. Der Jashreswirtschaftsbericht der Bundesregierung soll am Mittwoch gegen 11.00 Uhr MEZ in Berlin veröffentlicht werden.

Die von dem Sprecher der Bundesregierung gewählte Formulierung "am unteren Ende von 2,75 %" bezeichnete Meltzer als "putzig". Sie zeige, dass sich die Bundesregierung über den Optimusmus ihrer Prognose wohl bewusst sei. Zum ersten Mal auf die Probe gestellt werde die Wachstumsprognose der Regierung von dem im April anstehenden Frühjahrsgutachten der deutschen Forschungsinstitute, sagte Meltzer. "Dann wird die Regierung vermutlich die ersten Probleme bekommen, ihre optimistische Prognose zu verteidigen", fügte Meltzer hinzu. Die Deutsche Bank hatte Mitte Januar ihre Prognose für das diesjährige Wachstum in Deutschland auf 2,5 % nach 3,0 % gesenkt. Im Jahr 2000 betrug das BIP-Wachstum in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 3,1 %.

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