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18.01.2001

21:42 Uhr

Analysten schließen für die nächsten Tage erneute Kursverluste nicht aus

Euro nach impulsivem Handel weiter über 0,94 Dollar

Der Euro hat am Donnerstag wegen erneuter Spekulationen auf eine Leitzinssenkung in den USA mehr als einen halben US-Cent auf Kurse um 0,9450 $ zugelegt, seine Gewinne bis zum Abend jedoch teilweise wieder abgegeben.

Reuters NEW YORK. Händler sagten, der starke Rückgang des Konjunkturindexes der Notenbank von Philadelphia habe die Furcht vor einer harten Landung der US-Wirtschaft geschürt und eine Zinssenkung wieder wahrscheinlicher gemacht. Im frühen US-Handel hatte die unerwartet niedrige Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA die Gemeinschaftswährung noch unter 0,94 $ gedrückt, da die Daten eher gegen die Notwendigkeit einer Zinssenkung gesprochen hätten. Für die kommenden Tage schlossen Analysten erneute Kursverluste des Euro nicht aus.

Gegen 20.30 Uhr MEZ notierte die Gemeinschafswährung mit 0,9438/45 $ wieder schwächer, nachdem sie zuvor in Reaktion auf den Fed-Index auf ein vorläufiges Tageshoch von 0,9461 $ gestiegen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Mittag in Frankfurt den Euro-Referenzkurs bei 0,9404 $ ermittelt. Zum Yen lag der Euro am Abend mit 111,27 Yen weiter deutlich unter seinem in der vergangenen Woche markierten 15-Monats-Hoch von 113,15 Yen.

Der Konjunkturindex der Philadelphia Fed ist im Januar auf einen Stand von minus 36,8 gefallen nach revidiert minus 4,2 im Dezember. Damit sank der Index auf den tiefsten Wert seit einem Jahrzehnt. Dies verstärkte Händlern zufolge die Furcht der Marktteilnehmer vor einer Rezession in den USA und löste eine neue Verkaufswelle beim $ aus. Davon habe der Euro profitiert. "Das Ausmaß der Veränderung war ein Schock. Alles, was ein langsameres Wachstum in den USA widerspiegelt, hilft dem Euro", sagte Kevin Logan von der Dresdner Bank in New York. "Es verdichten sich die Anzeichen, dass die USA in eine Rezession schlittern", sagte ein Händler in Reaktion auf den Fed-Index. Weitere Euro-Kursgewinne seien für die kommenden Tage wahrscheinlich. Außerdem sei es so gut wie sicher, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen bei ihrem nächsten Treffen am 30./31. Januar erneut senken müsse.

Zuvor hatte das US-Arbeitsministerium mitgeteilt, die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe seien in der Woche zum 13. Januar 2001 auf 306 000 von revidiert 343 000 in der Vorwoche gefallen. Da von Reuters befragte Volkswirte mit einem Anstieg auf 360 000 Erstanträgen gerechnet hatten, führte dies zu deutlichen Kursverlusten beim Euro.

Analysten schlossen für die kommenden Tage erneute Kursverluste des Euro nicht aus. "Derzeit spricht einiges dafür, dass sich der Euro von seinem Höchstkurs bei 0,96 $ weiter entfernt", hieß es in einem Marktkommentar der DG-Bank. Die Märkte kämen zunehmend zu der Erkenntnis, dass die US-Wirtschaft nicht zwangsläufig in eine Rezession abgleiten müsse. Vielmehr werde am Markt die Möglichkeit eines "Soft-Landing" diskutiert. Auch der für die kommende Woche anstehende Ifo-Geschäftsklimaindex für Dezember könnte den DG-Bank-Analysten zufolge für Enttäuschung sorgen und den Euro belasten.

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