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13.01.2003

09:02 Uhr

Analysten sehen das Konjunkturpaket mit Skepsis

Bush bittet die Börse zum Hausse-Ball

VonAnette Kiefer (Handelsblatt)

Der mit den Märkten tanzt: US-Präsident George W. Bush will mit seinem Steuersenkungsprogramm vor allem die Börse ankurbeln. Ob ihm das gelingt, ist unter Analysten allerdings umstritten. Viele befürchten, dass der Plan nicht aufgeht. Zudem seien Effekte erst im kommenden Jahr zu erwarten.

NEW YORK. Wenn es nach US-Präsident George W. Bush geht, dann müssten die Kurse an den amerikanischen Aktienmärkten nun endlich wieder steigen. Das Rezept: Ein milliardenschweres Konjunkturprogramm und die Abschaffung der Dividendensteuer auf Aktien. Doch statt Jubel erntet der Präsident von vielen Analysten großer US-Bankhäuser Skepsis.

"Es ist ein gewagter und riskanter Plan", sagt Cary Leahey von der Deutschen Bank in New York. "Bush setzt darauf, dass die Anleger das gesparte Geld wieder zurück in die Märkte pumpen, aber der Preis dafür ist viel zu hoch. Es ist so, als ob man eine Torte mit Zuckerguss verziert, die noch gar nicht gebacken ist." John Silvia, Chefökonom von Wachovia Securities, rechnet nicht damit, dass sich Bushs Steuerpläne langfristig positiv auf die Märkte auswirken werden. Thomas McManus von der Bank of America sieht dies ähnlich. Zwar erwartet er, dass sich die Aktienmärkte in diesem Jahr wieder erholen werden und sowohl der Dow-Jones- Index der 30 größten Industriewerte als auch der breiter gefasste S&P-500-Index innerhalb von zwölf Monaten Gewinne von jeweils mehr als 20 Prozent einfahren werden. "Wir glauben aber nicht, dass die Abschaffung der Dividendensteuer einer der treibenden Faktoren dabei ist."

Das US-Finanzministerium selbst erwartet dagegen, dass allein durch die Streichung der Dividendensteuer die Wirtschaft 2003 einen Schub in Höhe von 20 Milliarden Dollar erhält. Die Aktienmärkte sollten dadurch Kursgewinne von wenigstens zehn Prozent verzeichnen, hieß es.

David Wyss, Chefökonom bei der Ratingagentur Standard & Poor's sieht Schattenseiten bei dem Programm. Er sagte dem Nachrichtendienst AP: "Ich fürchte, wir geben für diese Steuerkürzungen so viel Geld aus, dass wir nie wieder zu einem ausgeglichenen Budget zurückfinden werden."

Dass die Konjunkturpläne die Wirtschaft zumindest zeitweise beflügeln werden, darüber sind sich die meisten Finanzexperten einig. "Im vergangenen Frühjahr sind die Märkte durch die Unternehmensskandale und die daraus folgende Vertrauenskrise innerhalb von sechs Wochen um rund 20 Prozent abgestürzt", sagt Salomon-Smith-Barney- Stratege Tobias Levkovich. "Umgekehrt könnte ein steigender Markt jetzt die gesamte Wirtschaft positiv beeinflussen und die Stimmung wieder beflügeln."

Doch die Regierungspläne werden voraussichtlich erst mit einiger Verzögerung wirken. Experten erwarten, dass die Steuerkürzungen die Wirtschaft erst im Jahr 2004 stimulieren - doch bis dahin könnte die Flaute an den Aktienmärkten weiter anhalten. "Gerade die kommenden sechs Monate werden ganz entscheidend sein, um die US-Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen", sagt John Silvia von Wachovia. "Der Ansporn, den Bushs Pläne für die Investoren bringen, würde uns deshalb im Moment viel mehr helfen als im kommenden Jahr." Kritiker bemängeln deshalb, dass dem US-Präsidenten in Wahrheit ein schneller wirtschaftlicher Aufschwung weniger am Herzen liege als die erkennbar gute Außenwirkung seiner Maßnahmen im Jahr 2004, wenn in den Vereinigten Staaten wieder die Präsidentschaftswahlen anstehen. Schließlich wurde bereits Bush senior wegen einer schlechten wirtschaftlichen Lage mit vielen Arbeitslosen als Präsident abgewählt - trotz allgemein anerkannter außenpolitischer Erfolge.

Wachovia-Chefökonom John Silvia beurteilt das Konjunkturpaket insgesamt dennoch positiv: "Es ist richtig, dass sich die größten Auswirkungen erst im kommenden Jahr zeigen werden und dies genau in den politischen Zeitplan passt. Das ändert aber nichts daran, dass sich die Steuersenkungen langfristig sehr vorteilhaft auf den Markt auswirken werden."

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