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20.07.2000

19:53 Uhr

Analysten sehen die T-Aktie nach Bericht über 53 Milliarden-Dollar-Gebot auf Talfahrt

Kauft die Telekom Voicestream zu teuer?

In den USA verdichten sich die Hinweise, dass sich Deutsche Telekom und NTT Docomo in ein Bietergefecht um den US-Mobilfunknetzbetreiber Voicestream begeben haben.

dri/hz BERLIN/FRANKFURT/M. Der Kurs der Deutsche Telekom ist am Donnerstag zeitweise um mehr als 5 % eingebrochen. Aus dem Markt ging die Aktie mit einem Schlußkurs von 57,17 Euro und verzeichnete damit einen Verlust von 5,35 %. Ursache war ein Bericht des Wall Street Journal, nach dem die Telekom für den US-Mobilfunknetzbetreiber Voicestream Wireless ein Angebot im Wert von 53 Mrd. $ unterbreitet hat: zahlbar in 3,2 Telekom-Aktien je Voicestream-Share plus 30 $ in bar.

Ein Preis in dieser Höhe kam an der Börse allerdings nicht gut an. Strategisch gesehen wäre der US-Mobilfunkanbieter nach Einschätzung der Analysten zwar eine gute Ergänzung. Doch der Preis sei überhöht. Branchenkreise hatten mit 35 Mrd. $ gerechnet.



Ein Preis von 53 Mrd. $ wird als zu hoch bewertet

Von der Telekom waren gestern auf Anfrage weiterhin keine Aussagen zum Thema Übernahmen zu bekommen. Allerdings war von Personen aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören, dass Voicestream ein Unternehmen mit hervorragenden Wachstumschancen sei. Als Stärken wurden die flächendeckende Präsenz in den USA und die Netze nach dem europäischen GSM-Standard genannt. Wie weiter zu hören ist, verhandelt die Telekom aber auch jetzt nicht nur mit einem Übernahmekandidaten.

"Der Preis von 53 Mrd. $ wäre extrem hoch", sagte WestLB-Telekom-Analyst Holger Grawe. Aus seiner Sicht gibt es jedoch im US-Markt derzeit kaum Mobilfunk-Alternativen für die Telekom. Neben Voicestream stünde nur der Telekommunikationskonzern Sprint auf der Akquisitionsliste. Die Telekom müsse deshalb einen strategischen Preis zahlen, um endlich die angestrebte stabile Präsenz in den USA zu erhalten.

Ein Preis 53 Mrd. $ ist nach Ansicht von Michael Schatzschneider von der BHF-Bank damit allerdings nicht zu rechtfertigen. Zumal die Deutsche Telekom mit einem solchen Kauf weiter eine Lücke beim Angebot von Festnetz und Internet in den USA hätte. Ein Markteintritt in mehreren Schritten sei aber die teuerste Variante.

Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin glaubt nicht, dass der Bonner Konzern bereit ist, mehr als 50 Mrd. $ für ein doch recht kleines Unternehmen zu zahlen. Bei der genannten Kaufofferte würde die Telekom pro Kunde mehr als 20 000 $ auf den Tisch blättern. Zum Vergleich: France Telecom habe für den britischen Mobilfunkanbieter Orange 7 000 $ pro Kunde gezahlt - gerade mal rund ein Drittel der genannten Offerte der Telekom. Der Preis liege darum "jenseits von Gut und Böse".



Niedrige Kundenzahl bei gleichzeitiger Netzabdeckung großer Gebiete

Voicestream ist zwar in den vergangenen Monaten unter anderem durch Zukäufe stark gewachsen, hatte Ende des ersten Quartals 2000 aber nur 2,3 Millionen Kunden. Die Verluste liegen in Höhe der Umsätze. Voicestream liegt damit deutlich hinter den Branchengrößen AT&T ( 12 Millionen Kunden) und Sprint ( 6 Millionen Kunden).

Manch ein Experte sieht aber gerade in der niedrigen Kundenzahl bei gleichzeitiger Netzabdeckung großer Gebiete das Wachstumspotenzial begründet: Der Preis pro Kunde etwa für eine Telecom Italia Mobile, die mit 20 Millionen Kunden kaum noch Neukunden finden könne, müsse niedriger sein, als bei Voicestream, die ihre Kundenzahl leicht verdreifachen könne.

Theo Kitz von Merck Finck & Co. hält es für möglich, dass ein Voicestream-Kauf auch den geplanten Börsengang der Telekom-Mobilfunktochter T-Mobile in Zeitnot bringen würde. Die Telekom will zwar weiter am Zeitplan festhalten. Kitz rechnet aber mit einer Vorlauffrist von rund sechs Wochen für den im Oktober anvisierten Gang an den Aktienmarkt. Der Deal müsse demnach bis Ende August geklärt sein. "Das klappt aber nur, wenn die Übernahme reibungslos funktioniert."

Auch NTT Docomo hat Interesse an Voicestream

Neben der Deutschen Telekom interessiert sich auch das japanische Mobilfunkunternehmen NTT Docomo für einen Einstieg. Die Tochter des japanischen Telefonriesen NTT soll nach US-Presseberichten eine Minderheitsposition bei Voicestream anstreben. In dem anstehenden Bietergefecht kommt Voicestream-Großaktionar Hutchison Whampoa die Schlüsselrolle zu. Deren Manager Canning Fok gilt als harter Verhandlungspartner, der für das Hongkonger Konglomerat zumeist gute Preise herausverhandelt. Nachdem Hutchison und NTT Docomo bereits in Deutschland gemeinsam im Verbund mit KPN um eine UMTS-Mobilfunklizenz bieten, wird von einigen Marktbeobachtern auch eine Kooperation in den USA für möglich gehalten.



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