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24.01.2002

16:35 Uhr

Analysten sehen Ende des Zinssenkungszyklus

US-Konjunktur: Greenspan erwartet baldigen Aufschwung

US-Notenbankchef Alan Greenspan hat am Donnerstag an den Finanzmärkten mit einem optimistischen Konjunkturausblick Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung der weltgrößten Volkswirtschaft genährt.

Alan Greenspan. Foto: dpa

Alan Greenspan. Foto: dpa

Reuters WASHINGTON. Die Wirtschaftsaktivität beginne langsam wieder anzuziehen, sagte Greenspan bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Senats. Damit äußerte er sich deutlich zuversichtlicher als noch vor knapp zwei Wochen. Der Fed-Chef stellte zudem die Notwendigkeit eines Konjunkturprogramms in Frage und betonte, die Erholung komme in jedem Fall. Analysten werteten Greenspans Aussagen als Signal für ein Ende des Zinssenkungszyklus der Fed. Die Aktien in den USA und Europa zogen an, während die Kurse der Staatsanleihen beidseits des Atlantik nachgaben.

Die US-Wirtschaft habe im vergangenen Jahr eine "bedeutende zyklische Anpassung" erlebt, sagte Greenspan. Diese sei nach den Anschlägen vom 11. September zusätzlich verstärkt worden. "Es gibt aber Anzeichen dafür, dass einige Faktoren, die die Konjunktur im vergangenen Jahr belastet haben, abzunehmen beginnen", fügte der Fed-Chef hinzu. Die Wirtschaft befinde sich gegenwärtig an einem Wendepunkt. "Mit anderen Worten: Wir sind nahe an einem Wachstum von null Prozent." Damit lieferte Greenspan nach Experteneinschätzung das bislang eindeutigste Signal dafür, dass er ein baldiges Ende der Rezession erwartet.

Das US-Bruttoinlandsprodukt war im dritten Quartal 2001 auf das Jahr hochgerechnet noch um 1,3 Prozent geschrumpft. Analysten und auch das US-Präsidialamt erwarten frühestens für das laufende erste Quartal 2002 wieder ein moderates Wachstum. In den vergangenen Wochen waren einige Konjunkturindikatoren wie die US-Einzelhandelsumsätze oder das Verbrauchervertrauen überraschend stark ausgefallen und hatten an den Märkten erste Hoffnungen auf eine rasche Erholung aufkeimen lassen.

Viele positive und negative Faktoren

Greenspan zufolge werden die Konsumausgaben - die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft - schon bald wieder kräftig ansteigen. Er wies aber darauf hin, dass diese Zunahme von einer weiter steigenden Arbeitslosigkeit gedämpft werden könnte. "Es gibt eine ganze Reihe von positiven und negativen Faktoren beim Ausblick für die Konsumausgaben." Der Abbau der Lagerbestände bei den Unternehmen komme langsam zum Ende. Davon wird nach seiner Einschätzung die Investitionsnachfrage gestützt, die in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen war und damit den Abschwung zusätzlich verstärkt hatte.

Der Notenbankchef signalisierte nach Einschätzung von Analysten, dass die Fed die Leitzinsen bei ihrer nächsten Sitzung am 29. und 30. Januar wohl nicht mehr weiter senken wird. "Er scheint zwei Dinge anzudeuten: Die Wirtschaft stabilisiert sich oder beginnt sich zu erholen, und die US-Notenbank will die Zinsen nicht weiter senken", sagte Hugh Johnson von First Albany. Die Fed hatte 2001 wegen des drastischen Konjunkturabschwungs in den USA die Leitzinsen in elf Schritten um insgesamt 475 Basispunkte auf 1,75 Prozent heruntergeschraubt, das niedrigste Niveau seit vierzig Jahren .

Bei seiner Rede am 11. Januar hatte Greenspan noch vor kurzfristig bedeutenden Konjunkturrisiken gewarnt und damit an den Märkten die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung wieder verstärkt. "Jetzt scheint er die Risiken in der Wirtschaft herunterzuspielen und das Positive zu betonen", sagte Analyst Johnson. Greenspan räumte am Donnerstag ein, die Formulierung seiner Rede vom 11. Januar sei missverständlich gewesen. Er habe damals lediglich deutlich machen wollen, dass sich die Wirtschaft stabilisiere, ohne damit zugleich Erwartungen eines baldigen Aufschwungs zu wecken.

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