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29.01.2003

08:10 Uhr

Analysten sehen für das Edelmetall nur geringe Preissteigerungs-Spielräume

Silber kann mit Gold nicht Schritt halten

VonUdo Rettberg

Die jüngste Aufwärtsbewegung des Goldpreises hat Silber kaum nachvollzogen. Dem Markt fehlt das, was Gold auf den höchsten Stand seit sechs Jahren getragen hat: das spekulative Element. Analysten glauben daher, dass das weiße Edelmetall auch weiterhin nicht aus dem Schatten des gelb-glänzenden Bruders heraustreten kann.

FRANKFURT/M. Silber führt an den Edelmetallmärkten unzweifelhaft ein Mauerblümchendasein. Während Gold und Platin haussieren, legt der Silberpreis nur unterdurchschnittlich zu. Mitte 2002 war das weiße Edelmetall auf das Zweijahreshoch von 5,15 $ je Feinunze gestiegen. Danach fiel der Preis auf 4,30 $ zurück. Als die Zuspitzung der Irak-Krise eine neue Gold- Hausse auslöste und das gelbe Edelmetall ein neues Sechsjahreshoch erreichte, folgte Silber nur zögerlich - dies vor allem deshalb, weil sich die Spekulation des Silbermarktes noch nicht wirklich vorgenommen hat.

Für Anleger gibt es dabei verschiedene Möglichkeiten in Silber zu investieren: Zunächst in Form physischer Münzen und Barren, dann können Optionsscheine und Zertifikaten erworben werden. Am populärsten aber sind Investments in Silberaktien. Diese haben - ähnlich wie Goldaktien - den jüngsten Aufschwung der Edelmetallpreise (noch) nicht nachvollzogen. "Fundamental ist die Schwäche von Silber und Silberaktien nicht zu erklären", sagt Markus Mezger von der Baden Bank. -Württembergischen Das Silberangebot aus der Minenproduktion und aus Einschmelzungen reiche bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen. "Unser Favorit in diesem Bereich ist daher Pan American Silver", sagt Brian Christie von Canaccord Capital Corporation.

Für die meisten Analysten ist Silber im Vergleich zu Gold jedoch wenig interessant. "Derzeit spielt die Musik im Edelmetallsektor vor allem bei Gold und Platin", sagt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Silber werde weniger als Spekulationsmedium und als Anlagemöglichkeit, sondern vor allem als Industriemetall wahrgenommen. "Auch wenn die Fundamentaldaten für Silber positiv sind, dürfte sich der Preis in naher Zukunft in erster Linie doch an Gold orientieren", sagt Christie. Silber werde jedoch seinem Ruf als "lahme Ente der Edelmetallmärkte" auch in Zukunft gerecht, glaubt Wrzesniok-Roßbach.

Ursache für die nur unterdurchschnittlichen Preisentwicklung des Edelmetalls ist vor allem die schwache Weltkonjunktur. Wrzesniok-Roßbach weist zudem auf die jüngsten Nachrichten über Absatzrekorde bei digitalen Kameras hin. Die Filmindustrie ist einer der wichtigsten Abnehmer der Silberminen. Der Rohstoff wird bei der Herstellung von herkömmlichen Filmen eingesetzt.

Dennoch sind wohl Prognosen, wonach dieser Nachfragefaktor bei einer Fortsetzung des Siegeszugs der digitalen Fotografie einbrechen werde, falsch. So jedenfalls beurteilt Don Franz von Photofinishing News, die Situation. Er geht davon aus, dass immer mehr Verbraucher ihre Fotos selbst am eigenen PC verarbeiten und dann auf hochwertigem silberhaltigen Fotopapier ausdrucken werden. Der rückläufigen Nachfrage nach herkömmlichen Filmen stehe daher auf der anderen Seite eine steigende Nachfrage nach Fotopapier gegenüber. "Die genauen Auswirkungen des Durchbruchs der digitalen Fototechnologie auf den Silbermarkt sind nur schwer abzuschätzten", sagt Wrzesniok.

Noch geben sich die meisten Analysten in ihren Prognosen verhalten. "Kein Zweifel - unter den Edelmetallen hat Silber das größte Nachholpotenzial", sagt Mezger. Er hält immerhin einen Anstieg des Silberpreises auf 6 $ in den nächsten achtzehn Monaten für möglich. Seine Kollegen von Dresdner Kleinwort Wasserstein sind weniger optimistisch. Sie erwarten in der Spitze ein Test der 2002er Hochs von rund 5,15 $ je Feinunze. Peter Hickson von UBS Warburg sieht den durchschnittlichen Preis im laufenden Jahr bei 5,10 $ je Feinunze (nach 4,70 $ im Jahr 2002). Für 2003 liegt Hicksons Erwartung dann bei 5,20 $.

Christie sieht charttechnisch eine Widerstandsmarke bei 5,25 $. "Diese Prognose dürfte bei einer Fortsetzung der Goldhausse allerdings sehr konservativ sein", sagt er. Seine Zielmarke liegt jedoch deutlich über dem Durchschnittspreis der vergangenen 15 Jahre von 4,96 $. "Durchbricht der Silberpreis die Marke von 5,25 $ jedoch nachhaltig, so ist das nächste Preisziel bei 6,00 $", macht der Analyst Anlegern Hoffnung.

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