Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2001

19:00 Uhr

Analysten sehen Software-Markt für B2B-Anwendungen nach wie vor intakt

Nach Intershop-Absturz wächst die Angst vor einer Gewinnwarnung bei SAP

Analysten sehen Software-Markt für B2B-Anwendungen nach wie vor intakt

koe/tnt FRANKFURT/M. Der Walldorfer Software-Riese gerät immer stärker in den Sog des Intershop-Schocks. Mit einem Minus von fast 10% war die Aktie von SAP bis gestern Nachmittag erneut Tagesverlierer im Deutschen Aktienindex. Bereits heute hatte das Papier gut 12% verloren. Immer mehr Investoren rechnen offenbar mit einer Gewinnwarnung für das vierte Quartal 2000. Ähnlich wie Intershop könnte SAP, die B2B-Software zur Steuerung der Geschäftsprozesse zwischen Unternehmen per Internet anbietet angesichts der schwächelnden US-Konjunktur unter verschobenen EDV-Investitionen leiden, hieß auf dem Parkett.

Auch viele Analysten sind verunsichert, ob SAP nicht doch vor der offiziellen Bekanntgabe der Quartalszahlen am 23. Januar eine erste korrigierte Trendmeldung publizieren wird. "Es kann schon sein, dass uns etwas Negatives erwartet", sagt Jörg Natrop von der WGZ Bank vorsichtig. "Aber SAP ist nicht Intershop", erklärt Friederike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank. Dennoch hat die Expertin kurz vor dem Jahreswechsel ihre Erwartungen für Umsatz und Gewinn im Jahr 2001 nach unten korrigiert. Allerdings gibt es Hinweise, die gegen eine SAP-Gewinnwarnung sprechen. So hat SAP in den zurückliegenden zwei Jahren die Anleger frühzeitig über Abweichungen von den Planzahlen informiert. Eine solche Mitteilung gab es bislang nicht. Ein SAP-Sprecher erklärte gegenüber dem Handelsblatt: "Unsere Aussagen vom Oktober gelten nach wie vor". Damals hatte das SAP-Management ein "solides Wachstum im vierten Quartal prognostiziert, das allerdings nicht an den starken Zuwachs des Vorjahresquartals heranreichen werde. Im vierten Quartal 1999 hatte der Konzern seine Lizenzerlöse überraschend um 40% gesteigert. Zudem benutzen Unternehmen SAP-Programme hauptsächlich, um ihren Einkauf zu optimieren. Intershop-Software dient dagegen dem Verkauf von Produkten über das Internet Angesichts der Kosten, die Konzerne durch die Internet-Anbindung ihrer Zulieferer sparen können, gehen die Analysten von AMR Research davon aus, dass der B2B-Markt nach wie vor intakt ist: "Die großen fünf - I2, Commerce One, Ariba, SAP und Oracle - werden mit guten Quartalszahlen kommen".

"Natürlich besteht die Gefahr, dass in den USA die IT-Budgets gekürzt werden, aber im B2B-Bereich wird dies nicht dramatisch sein", glaubt Coleen Kaiser von Merrill Lynch. Dennoch werde der SAP-Kurs weiterhin in den Sog schlechter Nachrichten anderer Software-Unternehmen geraten.

Weniger optimistisch beurteilen Analysten dagegen die Aussichten für Software-Anbieter, die Systeme für den Verkauf von Produkten im Internet programmieren. Dazu zählen neben Intershop, das kalifornische Unternehmen Broadvision und Art Group. -Technology Die Analysten der NordLB gehen davon aus, dass Broadvision nach leichten Gewinnen in 1999 (18,8 Mill.$) im Jahr 2000 deutlich in die Verlustzone geraten ist. Parallel stieg aber der Umsatz im Vergleich der ersten neun Monate von 71,8 Mill. $ um 335% auf 277 Mill. $ . Die Ergebnisse für das vierte Quartal werden am 16. Januar erwartet. Das Marktforschungsunternehmen Forrester schätzt den gesamten Markt für E-Business-Software auf eine Volumen von 14,5 Mrd. $ in 2003. Nach einem Test von in Unternehmen eingesetzten E-Commerce-Plattformen sehen die Forrester-Experten die "Dynamo Commerce Suite" von ATG auf Platz eins. Als zweitbestes Produkt folgt Intershop mit "Enfinity" und auf Platz drei Broadvision mit "One-To-One Retail and Business."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×