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30.07.2000

19:05 Uhr

Analysten setzen bei Small-Caps auf europäische Wachstumssparten

Small-Caps mit Kurschancen

VonAnke Rezmer

Die Anlage bei Small-Caps bereitet größere Probleme als bei Standardaktien. Banken raten zu Fonds.

FRANKFURT. Aktien kleinerer Unternehmen in Europa haftet noch immer ein Mauerblümchen-Image an. Die Kursentwicklung hinkt seit Jahren deutlich hinter den Blue Chips her. Doch seit dem vergangenen Jahr wollen Analysten einen Aufholprozess erkennen: "Seit 1999 ist mehr Spannung in den Small Caps", sagt Josef Schopf, von der Dresdner Bank Fondstochter DIT. In den vergangenen zwölf Monaten lag der HSBC-Smaller-European-Companies-Index mit einem Anstieg von einem Drittel auch "nur noch" 40 % hinter der Entwicklung des Blue-Chip-Barometers Dow-Jones-Stoxx- 50.

Für einen Aufholprozess nennen Small-Cap-Experten mehrere Gründe: Blue Chips seien für viele Anleger ausgereizt. Aktien des Wachstumssegmentes Neuer Markt gelten weiterhin oft als hoch bewertet. Gerade professionelle Investoren wendeten sich daher stärker kleineren Werten zu, sagt Thomas Heller von der Schweizer Bank Julius Bär. Das zeigt auch die steigende Zahl europäischer Aktienfonds mit Fokus auf kleinen und mittelgroßen Titeln: Ein Großteil der 46 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds sind jünger als drei Jahre.

Auch wenn viele kleine Titel mit fundamental niedriger Bewertung lockten: Die Anlage bereite auch den Profis größere Probleme als bei Standardaktien, meint Jörg Bungeroth von der DG Bank. Erstens könnten Fondsmanager wegen der meist geringen Liquidität der Aktien nur relativ wenige ins Depot nehmen. Aktienfonds beschränken das Gewicht einzelner Small Caps auf in der Regel 3 bis 5 %. Zweitens mache eine qualifizierte Analyse dieser Firmen mehr Mühe, auch weil deren Geschäftschancen in Marktnischen schwerer auszuleuchten seien. Fondsprofis betrachteten dafür überwiegend einzelne Firmen; ein Branchenresearch bringe wenig. Für die Auswahl dieser schwankungsanfälligen Werte achten sie daher besonders auf folgende Kriterien: Ist die Firma Marktführer in einer Nische?; Sind Gewinne absehbar?; Welche Allianzen mit interessanten Firmen gibt es?; Überzeugt die Vertriebsstrategie?. Weil das Segment sehr unübersichtlich ist, rät z.B. die Deutsche Bank Privatanlagern vom Kauf einzelner Small Caps ab.

Die Fondsmanager favorisieren meist Firmen aus den klassischen Wachstumsbranchen Technologie, Telekommunikation, Internetsoftware und-dienstleistungen. "Die Musik spielt in der New Economy, weniger bei den kleinen Firmen traditioneller Branchen", sagt Heller. Fidelity-Fondsmanager Colin Stone meidet die konjunktursensiblen zyklischen Titel: Deren Liquidität könne extrem niedrig sein. Zudem verbuchten sie oft nur geringe Kursanstiege. Das heißt aber nicht, dass die Fondsprofis nur Aktien der europäischen "Neuen Märkte" kaufen.

So investiert Schopf dort gerade mal 20 % des Fondsvermögens von 640 Mill. Euro im DIT-Lux Small Cap Europa. Dennoch stecken rund 70 % des Vermögens in Wachstumssparten. Gerade in Skandinavien und der Schweiz würden viele gute Technologietitel in traditionellen Indizes geführt, begründet er. Als Beispiel nennt Schopf den schwedischen Anbieter von Systemlösungen für neue Medien, Framfab. Zu seinen Favoriten gehört auch der in vielen Fonds vertretene Chiphersteller Micronas. Die Schweizer führen den Markt bei MP3-Chips an, mit dem Musik aus dem Internet auf ein digitales Medium kopiert werden kann.

Auch im größten hier zugelassenen europäischen Small Cap Fonds, dem 2,8 Mrd. Euro schweren Bär Special Europe Stock Fund, dominieren Wachstumstitel. Dort sind der italienische Telekom - und Internet-Anbieter Tiscali sowie der britische Anbieter einer Internet-Zugangskontrolle JSB Software Technologies unter den Top-Titeln. Als Branchen- Ausreißer taucht der europäische Großbäcker Kamps auf. Zu Stones Favoriten im Fidelity European Smaller Companies Fund zählen der britische Softwareanbieter Autonomy und die Schweizer Tecan, einer der Weltmarktführer bei Laborgeräten für medizinische Forschung. Im Lion Fortune CL European Small Cap Fonds von Credit Lyonnais finden sich der französische Halbleiter-Zulieferer Riber und der Weltmarktführer bei Maschinen zur Produktion von zusammengesetzten Halbleitern, Aixtron. Alle genannten Fonds haben den HSBC-Index mit einem Wertzuwachs von mindestens 100 % in den vergangenen zwölf Monaten klar abgehängt. Julius-Bär-Mann Heller gibt allerdings auch Firmen aus Traditionssektoren Kurschancen: "Wer die neuen Technologien am cleversten einsetzt, hat die Nase vorn."

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