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11.07.2000

15:59 Uhr

Analysten skeptisch über hohe Decoder-Bestellmengen

Metabox weist Zweifel an Großaufträgen zurück

VonChristian Schnell, Helmut Steuer

Ankündigungen von Milliardenaufträgen trieben den Kurs der Metabox AG seit April von rund 40 auf über 200 Euro. Doch das Unternehmen weigert sich nach wie vor, alle Vertragspartner zu nennen. Bei zwei Auftraggebern dürfte es sich um mit Metabox verbundene Unternehmen handeln.

FRANKFURT/STOCKHOLM. Analysten zweifeln an der Wahrhaftigkeit von Großaufträgen, mit denen die am Neuen Markt notierte Metabox AG in den letzten Monaten Furore machte. "Die genannten Volumina stehen in keinem Verhältnis zu den Marktchancen der Metabox", sagte ein Analyst, der nicht genannt werden wollte, dem Handelsblatt.

Alle drei Großaufträge zusammengerechnet ergeben ein Volumen von 2,8 Mill. Decodern, mit denen Internet auf den Fernseher gebracht werden soll. Der Wert der Aufträge beläuft sich auf bis zu 2,3 Mrd. DM. Zum Vergleich: Im vergangenen Geschäftsjahr wollte die in Hildesheim bei Hannover ansässige Metabox AG 40 000 Geräte verkaufen. Am Ende waren es 10 000 Stück. Auf Grund der Aufträge aus Frankreich, Skandinavien sowie aus Israel hat sich der Kurs der Metabox-Aktie seit April dieses Jahres verfünffacht.

Metabox-Vorstandsmitglied Geerd-Ulrich Ebeling weist Zweifel an diesen Aufträgen zurück. "Wir werden in Israel in diesem Jahr noch 100 000 Boxen ausliefern. In Skandinavien wird es etwa 24 Monate bis zur kompletten Installation aller Boxen dauern. Und in Frankreich werden wir Anfang des kommenden Jahres mit der Auslieferung beginnen", sagte er gestern gegenüber dem Handelsblatt.

Die Zweifel der Analysten an den Aufträgen werden dadurch genährt, dass sich Metabox nur sehr zurückhaltend über die Abnehmer der Internet-Boxen äußert. Zudem sind mindestens einer, wahrscheinlich aber zwei der Großabnehmer mit Metabox auf der Kapitalseite verflochten.

"Der Auftraggeber will bisher nicht genannt werden", hieß es im April bei Metabox, als das Multi-Media-Unternehmen den ersten Großauftrag über eine Lieferung von 500 000 Metaboxen gemeldet hatten. Nach Recherchen eines Analysten, der nicht genannt werden will, handelt es sich beim Auftraggeber um die israelische Ampa Investments Ltd, Tel Aviv. Sie hatte sich im März im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit einem niedrigen einstelligen Prozentsatz an Metabox beteiligt. "Hierzu möchte ich nichts sagen", meinte Ebeling gestern.

Definitiv mit Metabox verbunden ist die dänische Inter-Nordic, die mit Metabox nach deren Angaben einen Vorvertrag über die Lieferung von 1,8 Mill. Geräte geschlossen hat - geschätzter Gegenwert bis zu 1,5 Mrd. DM. Ebeling beziffert den Anteil, den Metabox über die eigene Tochter Metabox International an Inter-Nordic hält, auf "mindestens 10 %". Inter-Nordic sei ein neues Konsortium. Die Verträge würden gerade von der größten dänischen Anwaltskanzlei unter Dach und Fach gebracht.

Thao Ngo, der Chef des dänischen Unternehmens, beschreibt die Rolle von Metabox bei Inter-Nordic so: "Metabox entwickelt für uns Hard- und Software, und sie ist einer unserer Eigner." Weitere Teilhaber an der im dänischen Odense ansässigen Firma sind laut Ngo neben ihm selbst als Unternehmensgründer ein Telekommunikationsunternehmen, eine Medienfirma, ein Online-Shop und auch "eine Großbank". "Die Teilhaber wollen nicht genannt werden", sagte er auf Anfrage. Er rechne aber damit, bald den Schleier lüften zu können.

Nach Ansicht von Håkan Vranne, Analyst bei Fischer Partners Fondkommission in Stockholm, ist es in der Branche "sehr unüblich", dass ein Institut nicht genannt werden möchte. Der Telekom-Experte hat noch nie etwas von Inter-Nordic gehört. "Der Name ist mir völlig unbekannt", sagt auch Bo Elin, Sprecher von SEB, einer der führenden Internet-Banken in Nordeuropa, über Inter-Nordic. Ein unbeschriebenes Blatt ist Inter-Nordic nach Angaben von Firmensprecher Lars Billström auch bei der schwedischen Telia, dem größten Telekom-Konzern in Nordeuropa. Beim Telia-Tochterunternehmen Com.Hem, dass ebenfalls Internet-Zugang über das TV-Kabelnetz anbietet, bestätigt Anders Johansson das Bild. "Die dänische Firma kenne ich nicht, und ich sollte sie eigentlich kennen, wenn sie in unserer Branche tätig ist."

Der dritte Großauftrag kam aus Frankreich von der Worldsat S.A.R.L., Aix-en-Provence: 500 000 Metaboxen im Wert von knapp 400 Mill. DM sollen geliefert werden. Sie sollen ab dem Jahr 2001 in Frankreich gefertigt werden.

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